Wien/Auer. Erfolg und Misserfolg liegen im Internet eng nebeneinander. Während der Suchmaschinengigant Google im letzten Quartal fast drei Milliarden Dollar mit Online-Werbung einspielen konnte, legte der Konkurrent Microsoft mit genau dem gleichen Geschäft eine Bruchlandung hin.
Erstmals seit dem Börsegang im Jahr 1986 rutschte das Softwarehaus im vergangenen Quartal mit einem Minus von 492 Millionen Dollar in die roten Zahlen. Schuld daran ist just der Versuch von Microsoft-Boss Steve Ballmer, dem Konkurrenten das digitale Werbegeschäft streitig zu machen. Vor sechs Jahren legte er 6,3 Milliarden Dollar für die Online-Werbefirma aQuantive auf den Tisch.
Online-Geschäft ist kein Geschäft
Es war der bis dahin größte Zukauf des Unternehmens. Den Vorsprung von Google konnte Microsoft aber auch mit diesem Batzen an Geld nicht verringern. Heuer wird die Suchmaschine in den USA rund 15 Milliarden Dollar Nettoumsatz mit Onlinewerbung in den USA machen, schätzen die Marktforscher von Emarketer. Microsoft muss sich mit 1,4 Milliarden begnügen. Nun musste auch Ballmer die Attacke für gescheitert erklären und sechs Milliarden Dollar auf die Werbefirma abschreiben. Ein herber Schlag für die gesamte Online-Sparte. Die Suchmaschine Bing, das Webportal MSN, das Onlinevideospiel Xbox Live: Sie alle sind mehr (Xbox) oder minder (Bing) erfolgreich, hängen finanziell aber gleichermaßen von sprudelnden Werbegeldern ab. Da die Anzeigenerlöse aber ausbleiben, verbrennt Microsoft seit 2006 in jedem einzelnen Quartal mit seinem Internetgeschäft Geld (siehe Grafik).
Das Unternehmen hatte die Abschreibung schon Anfang Juni angekündigt, entsprechend gefasst reagierten die Investoren. Die Aktie stieg leicht. Immerhin kann sich Microsoft-Chef Ballmer auf seine Goldesel verlassen: Dank starker Verkaufszahlen bei der Bürosoftware Office und einem stabilen Geschäft mit Unternehmens-Servern legte der Umsatz im Gesamtjahr auf 73,7 Milliarden Dollar zu, der Gewinn lag bei knapp 17 Milliarden Dollar.
Doch Ballmer weiß, dass stabile Umsätze zu wenig sind, um ihm langfristig den Job zu sichern. Längst schon fordern Großaktionäre unverhohlen den Abgang des Nachfolgers von Bill Gates. Sie will der Manager nun mit einer Extradosis Elan überzeugen. Es gibt kaum einen Stein im Konzern, den Ballmer auf dem anderen lässt.
Ballmer bricht mit Traditionen
Das Herzstück, das Betriebssystem Windows, wird ebenso runderneuert und für die neue Zeit fit gemacht wie Office selbst. Wenn die Programme im Herbst auf den Markt kommen werden, sollen sie für den Computer genauso tauglich sein wie für mobile Geräte mit berührungsempfindlichen Bildschirmen. Denn während Private immer seltener zu klassischen Computern greifen, steigen die Verkaufszahlen von Smartphones und Tablets in ungeahnte Höhen.
Derzeit profitiert Microsoft davon herzlich wenig. Um das zu ändern, hat der Konzern vor wenigen Wochen noch einen zweiten radikalen Schritt angekündigt: Da es mit den bisherigen Gerätepartnern im mobilen Geschäft nicht so recht klappen will, baut Microsoft künftig neben dem Betriebssystem auch die Hardware erstmals selbst. Noch im Herbst sollen zwei Surface-Tablets auf den Markt kommen.
Sollte es Microsoft nicht gelingen, endlich im mobilen Internet Fuß zu fassen, ist wohl auch der Kampf um die digitalen Werbegelder endgültig verloren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)
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