Wien/Ag./Weber. Der Technologiekonzern Siemens bekommt die aufziehende Konjunkturkrise voll zu spüren. Zwar konnte Konzernchef Peter Löscher am Donnerstag für das vergangene Quartal noch einen Umsatzanstieg von zehn Prozent verkünden. Angesichts einer massiven Verschlechterung der Auftragslage – der Auftragseingang sackte um ein Drittel auf 17,8 Mrd. Euro ab – stimmte er Investoren und Belegschaft aber auf schlechte Zeiten ein.
Vor allem in China und in Europa werde weniger bestellt, Großprojekte wie Kraftwerksbauten oder Zugaufträge blieben aus, klagte der aus Villach stammende Löscher. „Wir spüren eine zunehmende Investitionszurückhaltung und einen stärkeren konjunkturellen Gegenwind, vor allem in den industriellen Geschäften.“ An der Börse kam die Nachricht nicht gut an: Die Siemens-Aktie knickte um vier Prozent ein.
Osram-Börsengang abgesagt
Das Jahresziel, ein Gewinn von mindestens 5,2 Mrd. Euro, sei wegen des Umfelds schwieriger zu erreichen geworden, so Löscher. Vielen Analysten ist mittlerweile auch ein Rätsel, wie Siemens in nächster Zeit von 74 Mrd. Euro Umsatz auf das selbst gesteckte Ziel von 100 Mrd. kommen will.
Der Konzern reagiert auf die Entwicklung mit Einschnitten. Im Herbst will man ein Programm vorstellen, mit dem „in allen Sektoren“ Kosten gesenkt sowie Produktivität und Effizienz verbessert werden sollen. Fragen nach einem Stellenabbau ließ Löscher offen.
Angesichts des rauen Umfelds auf den Finanzmärkten begrub Siemens auch den Plan, die Leuchtmitteltochter Osram an die Börse zu bringen. Bis zuletzt hatte Löscher beteuert, an den Plänen festzuhalten. Im Frühjahr will Siemens das Unternehmen nun seinen eigenen Aktionären schenken, die die Aktien dann an der Börse handeln können. Was sie damit bekommen, ist jedoch unklar. Schon länger nennt Siemens keine Zahlen mehr für die Tochter. Finanzchef Joe Kaeser sagte lediglich, der Umsatz habe zwölf Prozent abgenommen.
Unmut herrscht auch über verlorene Forschungsinvestitionen. Die acht Mrd. Euro, die sein Haus in den vergangenen Jahren für Neuentwicklungen ausgegeben hat, „haben noch nicht das gebracht, was man sich wünschen würde“, murrte Kaeser.

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