Wien/Höll. In der Causa Immofinanz sind noch hunderte Klagen von Anlegern anhängig. Viele haben die Immofinanz-Aktien bei der Constantia Privatbank (heutige Aviso Zeta) gekauft und klagen auf Schadenersatz. Nun hat das Handelsgericht Wien erstmals in erster Instanz festgestellt, dass der frühere Constantia-Chef Karl Petrikovics einen Investor in Bezug auf Aktien der Immofinanz „falsch“ beraten haben soll. Petrikovics war auch Vorstandsvorsitzender der Immobiliengruppe.
Als es mit dem Kurs bergab ging, wollte der Anleger die Immofinanz-Papiere verkaufen. Doch Petrikovics soll gesagt haben, dass nur eine vorübergehende Marktdelle vorliege und die Kurse wieder steigen werden. Dabei soll Petrikovics zum damaligen Zeitpunkt gewusst haben, dass Constantia-Töchter Aktien von Immofinanz und Immoeast gehalten haben sollen und durch „eine Publizität dieser Beteiligung zusätzliche Verluste befürchtet wurden“, so das Gerichtsurteil.
Die Betroffenen bestreiten die Vorwürfe. Es gilt die Unschuldsvermutung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist davon auszugehen, dass das Institut dagegen berufen wird.
Thomas Kainz von der Wiener Rechtsanwaltskanzlei Kerres und Partners, der den involvierten Anleger vertritt, ist zuversichtlich, dass das Urteil auch in den nächsten Instanzen halten wird.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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