Frankfurt/Wien/Jil. Die deutsche Bankenaufsicht BaFin nimmt acht Großbanken wegen möglicher Manipulationen des Euribor-Zinssatzes genau unter die Lupe. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ droht den Instituten Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW, BayernLB, Helaba, NordLB und Landesbank Berlin sogar eine Sonderprüfung – die schärfste Waffe im Arsenal der BaFin.
Gegen die Deutsche Bank läuft bereits eine solche Sonderprüfung, da die Großbank auch unter dem Verdacht steht, in den Libor-Manipulationsskandal verwickelt zu sein. Der Londoner Libor ist der wichtigste Interbankenzinssatz der Welt, dessen Wert Auswirkungen auf Finanzderivate im Wert von hunderten Billionen Dollar hat. Der Euribor ist das Pendant zum Libor in der Eurozone.
Untersuchung auch in Österreich
An der Erstellung des Euribor sind auch die beiden Wiener Institute Erste Group und Raiffeisen Bank International (RBI) beteiligt. Die Finanzmarktaufsicht (FMA) bestätigte am Montag, dass auch in Österreich eine Untersuchung wegen des Verdachts möglicher Manipulationen des Euribor läuft.
Details will die FMA nicht verraten, nur so viel: Die Untersuchung könnte Monate andauern. Die deutschen Institute mussten bis vergangenen Donnerstag schriftlich ihre internen Prozesse offenlegen und die Frage beantworten, wie sie den Zins berechnen. Libor und Euribor kommen durch die tägliche Meldung der Banken darüber zustande, wie sie sich auf dem Markt finanzieren können.
Die britische Großbank Barclays hat bereits Libor-Manipulationen eingestanden und eine Strafe in der Höhe von 363 Mio. Euro akzeptiert. Auch die großteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) gestand am Montag eine Verwicklung in die Libor-Manipulationen ein.
Der Barclays-Vergleich dürfte sich im Nachhinein als günstig für die Bank herausstellen. So könnte es sein, dass einzelne Institute allein bei der EU über eine Milliarde Euro Strafe zahlen müssen.

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