Wien/Weber. In Deutschland nimmt die Regulierung des umstrittenen Hochfrequenzhandels immer konkretere Formen an. Am Montag veröffentlichte das Finanzministerium auf seiner Internetseite einen Gesetzesentwurf, mit dem „Gefahren und Missbräuche im Hochfrequenzhandel“ in Zukunft vermieden werden sollen. Passiert das Gesetz das Parlament, werden zunächst eklatante Lücken in der Aufsicht geschlossen: So sollen die Hochfrequenzhändler bald von der deutschen Börsenaufsicht, der Bafin, beaufsichtigt werden.
Beim Hochfrequenzhandel werden Aktien und andere Wertpapiere automatisch von Computern gekauft. Ihre Entscheidung treffen sie auf Basis von komplexen Computerprogrammen. Das Besondere: Die Kauf- und Verkaufssignale können binnen Sekundenbruchteilen abgefeuert werden, wodurch selbst mit kleinen Kursdifferenzen hohe Gewinne erzielt werden können.
Täuschungen werden untersagt
Kritiker machen diese Art des Börsenhandels unter anderem für starke Kursschwankungen verantwortlich. So heißt es auch im Gesetzesentwurf: „Es besteht das Risiko, dass algorithmische Handelsstrategien auf Marktereignisse überreagieren, was die Volatilität verschärfen kann.“ Unternehmen, die diese Art von Computerhandel betreiben, müssen die Behörden daher künftig davon überzeugen, dass ihre Handelssysteme „derart ausgestaltet sind, dass Störungen des Marktes unterbleiben.“
Zudem werden „bestimmte Handelspraktiken“, mit denen andere Anleger getäuscht werden sollen, künftig als Marktmanipulation eingestuft. Um das Abwandern der „Algo-Trader“ in unregulierte Bereiche zu verhindern, sollen sämtliche Regeln auch auf sogenannte „multilaterale Handelssysteme“ ausgedehnt werden. Damit sind börsenähnliche Handelsplätze gemeint, die in der Regel per Internet betrieben werden. Dass Händler ihre Computer künftig einfach in London und nicht mehr in Frankfurt handeln lassen, wird dagegen schwieriger zu verhindern sein.
Die bei Kleinanlegern beliebte Börse in Stuttgart begrüßte den Vorstoß der Regierung. „Wir sehen uns in unseren Selbstregulierungsbemühungen zugunsten der Privatanleger bestätigt“, so Geschäftsführer Christoph Boschan.
Anleger verlieren Vertrauen
Welche eigenartigen Blüten der automatisierte Handel treiben kann, wurde Anlegern vor wenigen Tagen in New York vorgeführt: Dort schwankten die Kurse für die drei Schwergewichte IBM, McDonald's und Coca-Cola mehrfach in Wellen zwischen Hochs und Tiefs auffällig stark – ohne dass es irgendwelche Nachrichten zu den Unternehmen gegeben hatte.
„Jemand hatte wohl eine Software laufen, deren Algorithmus in 30-Minuten-Intervallen kaufte oder verkaufte“, sagte Bruce Weber von der Universität Delaware der Agentur Bloomberg. Das Vertrauen der Anleger in das Funktionieren des Marktes würden derartige Kapriolen eher nicht stärken.

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