Die Deutsche Bank hat auch im zweiten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verzeichnen müssen. Von April bis Juni verdiente Deutschlands größtes Geldhaus 661 Millionen Euro, wie die Bank am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Das ist nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was im Vorjahresquartal unter dem Strich gestanden hatte, nämlich 1,2 Milliarden Euro.
Die beiden Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain erklärten, das Ergebnis sei durch das "volatile Umfeld" beeinflusst. "Die europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg", teilten sie mit.
Im ersten Quartal dieses Jahres hatte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal war dies ein Rückgang um ein Drittel gewesen.
Schuldenkrise entzaubert Investmentbanker
Mit ein Grund ist, dass der traditionelle Gewinnmotor des Instituts stottert. Weil die Schuldenkrise die Investoren rund um den Globus verunsichert, brach der Vorsteuergewinn im Investmentbanking im zweiten Quartal um über 60 Prozent auf 357 Millionen Euro ein. Ausgerechnet der neue Vorstandschef Anshu Jain, der die Sparte jahrelang selbst leitete, musste am Dienstag einräumen, dass das Privatkundengeschäft zuletzt mehr abwarf als das einst so lukrative Kapitalmarktgeschäft. Eine schnelle Erholung erwartet er nicht. "Die Europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg", erklärte Jain zusammen mit seinem Co-Chef Jürgen Fitschen.
Stellenabbau geplant
Auch andere Großbanken tun sich derzeit schwer, im Investmentbanking Geld zu verdienen. Die Schweizer Rivalin UBS häufte in der Sparte im Quartal sogar einen Verlust von 130 Millionen Franken (108,2 Millionen Euro) an.
Die Deutsche Bank will 1900 Stellen streichen und damit Milliarden einsparen. 1500 Jobs würden allein im Investmentbanking gekappt, teilte das größte deutsche Geldhaus überraschend mit. Der Stellenabbau werde im Wesentlichen außerhalb Deutschlands erfolgen. Insgesamt will das seit Juni von Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen geführte Institut seine Kosten um drei Milliarden Euro drücken. Die Deutsche Bank beschäftigt derzeit 100682 Vollzeitkräfte weltweit.
Privatkundengeschäft stabil
Im Geschäft mit Privatkunden schrumpfte der Vorsteuergewinn im zweiten Quartal zwar ebenfalls, und zwar um 13 Prozent auf 398 Millionen Euro. Dennoch erweist sich das klassische Bankgeschäft damit als recht stabiles Standbein in Krisenzeiten - genau mit diesem Ziel hatte es Jains Vorgänger Josef Ackermann jahrelang aufgebaut. Eine große Baustelle bleibt dagegen die Vermögensverwaltung, wo das Ergebnis um 85 Prozent auf nur noch 35 Millionen Euro zusammenschmolz. Die Hängepartie um den - letztlich gescheiterten - Verkauf großer Geschäftsteile führte zu enormen Abflüssen von Kundengeldern, wie die Bank selbst einräumte.
(APA/Reuters)

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