Wien. Der Streit zwischen der Bawag und der Stadt Linz über eine Franken-Spekulation, bei der es laut Bawag um einen Schaden von bis zu 417,8 Mio. Euro geht, gewinnt an Schärfe: Der Schweizer Professor Martin Jannsen wirft der Bawag in einem für die Linzer erstellten Gutachten vor, das Institut habe die Stadt mit einem „unethischen Geschäft über den Tisch gezogen“. Am Mittwoch legte die Bawag ein Gegengutachten des deutschen Professors Markus Wahrenburg vor. Dieser erklärt, die Aussagen von Jannsen seien aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und wiesen erhebliche Mängel auf. Daher seien sie für die „juristische Beweisführung“ gänzlich ungeeignet. In der Causa ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Linzer Finanzdirektor Werner Penn und Finanzstadtrat Johann Mayr. Für die Bawag ist Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) der Hauptverantwortliche für den Schaden. Alle Betroffenen weisen die Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Wahrenburg bestreitet, dass das von Linz übernommene Fremdwährungsrisiko unkontrollierbar gewesen sei, denn der Stadt sei jederzeit die Möglichkeit offengestanden, auf Marktentwicklungen zu reagieren und aus dem Geschäft auszusteigen. Laut Wahrenburg habe es bei der Stadt Linz auch ein effektives Risikomanagement gegeben. Denn der Swap sei monatlich bewertet worden. Zudem habe die Stadt Linz auf Anfrage zu jedem gewünschten Zeitpunkt Auskunft über die aktuelle Bewertung des Swap erhalten.
Weiters konnte man die Euro-Franken-Kurse rund um die Uhr über verschiedene Medien abrufen. Die Bawag sei davon ausgegangen, dass die Stadt Linz die Entwicklung des Franken-Euro-Wechselkurses verfolge. Auch die Formel des Swap sei verständlich gewesen: „Das finanzmathematische Verständnis des Finanzdirektors der Stadt Linz überstieg zweifellos das Niveau eines AHS-Schülers der sechsten Klasse – in dieser Schulstufe werden Formeln dieser Art behandelt.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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