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Bawag: Linz konnte jederzeit aussteigen

01.08.2012 | 18:13 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Bawag bestreitet, dass das von der Stadt Linz übernommene Risiko unkontrollierbar gewesen sei. Bei dem Konflikt geht es um hunderte Millionen Euro.

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Wien. Der Streit zwischen der Bawag und der Stadt Linz über eine Franken-Spekulation, bei der es laut Bawag um einen Schaden von bis zu 417,8 Mio. Euro geht, gewinnt an Schärfe: Der Schweizer Professor Martin Jannsen wirft der Bawag in einem für die Linzer erstellten Gutachten vor, das Institut habe die Stadt mit einem „unethischen Geschäft über den Tisch gezogen“. Am Mittwoch legte die Bawag ein Gegengutachten des deutschen Professors Markus Wahrenburg vor. Dieser erklärt, die Aussagen von Jannsen seien aus wissenschaftlicher Sicht unhaltbar und wiesen erhebliche Mängel auf. Daher seien sie für die „juristische Beweisführung“ gänzlich ungeeignet. In der Causa ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den früheren Linzer Finanzdirektor Werner Penn und Finanzstadtrat Johann Mayr. Für die Bawag ist Bürgermeister Franz Dobusch (SPÖ) der Hauptverantwortliche für den Schaden. Alle Betroffenen weisen die Vorwürfe zurück. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Wahrenburg bestreitet, dass das von Linz übernommene Fremdwährungsrisiko unkontrollierbar gewesen sei, denn der Stadt sei jederzeit die Möglichkeit offengestanden, auf Marktentwicklungen zu reagieren und aus dem Geschäft auszusteigen. Laut Wahrenburg habe es bei der Stadt Linz auch ein effektives Risikomanagement gegeben. Denn der Swap sei monatlich bewertet worden. Zudem habe die Stadt Linz auf Anfrage zu jedem gewünschten Zeitpunkt Auskunft über die aktuelle Bewertung des Swap erhalten.

Weiters konnte man die Euro-Franken-Kurse rund um die Uhr über verschiedene Medien abrufen. Die Bawag sei davon ausgegangen, dass die Stadt Linz die Entwicklung des Franken-Euro-Wechselkurses verfolge. Auch die Formel des Swap sei verständlich gewesen: „Das finanzmathematische Verständnis des Finanzdirektors der Stadt Linz überstieg zweifellos das Niveau eines AHS-Schülers der sechsten Klasse – in dieser Schulstufe werden Formeln dieser Art behandelt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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9 Kommentare
Gast: Der Spekulant.
02.08.2012 19:27
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Die Festgeldpleiten.

Es wird doch wohl ein Unterschied sein ob sich eine eigene Stadt mit einer eigenen kompetenten Rechnungsabteilung beteiligt oder ein kleiner "Wappler".

Hier kann ich der BAWAG und ihrem Gutachter klar und unmissverständlich folgen. Ähnlich gelagert damals bei der ÖBB. Klare rechtliche Entscheidungen. Außer einem Händedruck gab es damals nichts Wesentliches für die ÖBB.

Unglaublich. Zuerst ist man „gierig“ nach Geld und dann stellt man sich „deppert“. Bei Privaten noch teilweise verständlich aber eine Stadt mit einer eigenen Rechnungsabteilung? Lächerlich.

Gast: Franz Lehar
02.08.2012 19:07
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Das Fass ist übergelaufen.....

Dobusch und Mayer sofort zurücktreten!!!!! Wenn es dann irgendwann mal ein Urteil gibt welches die Beiden freispricht, können sie gerne wieder in die Politik! In der freien Wirtschaft wären beide sofort rausgeschmissen worden! Es reicht nicht sich in Kärnten als vermeintliche Sauberpartei hinzustellen. Einfach zum Ko.... diese Sozis!

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so war das

die buerger sollten jederzeit aussteigen koennen, die stadt hat keinerlei qualifikation in deren namen geschaefte zu machen, da sie ja nicht wissen konnte fuer wen sie unterschreibt. sie kennt ja die buerger gar nicht die sich so einen bullshit verkaufen lassen. da ist viel geld unter dem tisch geflossen. der kaemmer hat zig mio gemacht, der buergermeister ebenso...

Gast: advo
02.08.2012 17:49
3 0

Zuständigkeit

Es mangelt an einem Gemeinderatsbeschluss für dieses Geschäft, daher laut ständiger Rechtssprechung ex tunc nichtig.
Die Frage ergibt sich wer für den Ausstieg zuständig sein würde, nämlich auch wieder der Gemeinderat.
Was in dieser Stadtverwaltung herumgemurkst wird geht aber auch auf keine Kuhhaut, deshalb umgehender Rücktritt des Bürgermeisters!!
Die mögliche strafrechtliche Verantwortung ist eine andere Frage. Durch das Verhalten dieser roten Politkamarilla ist der Stadt ein schwerer Schaden entstanden, der noch nicht abzusehen ist.

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Hat sich irgendwer beschwert, so lange die diversen Finanzvehikel Gewinne abgeworfen haben?


Na, also.

Und ein preiswertes Gutachten zu dem Thema kann auch die Huawaresi aus dem hintersten Ohrwaschelgraben erstellen: Je höher - im Vergleich zu den Sparbuchzinsen - die möglichen Gewinne, umso höher das Risiko.

Diese Formel ist völlig uncool, aber in Stein gemeißelt.
Alles andere ist Wunschdenken.


Re: Hat sich irgendwer beschwert, so lange die diversen Finanzvehikel Gewinne abgeworfen haben?

Genauso ist es. Da kann man nur jedes Wort dreimal unterstreichen...

Laut Wahrenburg habe es bei der Stadt Linz auch ein effektives Risikomanagement gegeben. Denn der Swap sei monatlich bewertet worden.

Wer in Gottes Namen ist der Mann, dass er eine monatliche "Bewertung" als "effektives Risikomanagement" bezeichnet? Gar meint er auch noch "effizient".
Wenn die tatsächlich derartige Summen investiert und dann alle 4 Wochen einen Blick auf ihren Kontoauszug geworfen haben, wundert mich nichts mehr.

Aber in einem hat er Recht: Aussteigen kann man immer.

Re: Laut Wahrenburg habe es bei der Stadt Linz auch ein effektives Risikomanagement gegeben. Denn der Swap sei monatlich bewertet worden.

Naja, er meint eine Bewertung durch die Bank! Die Stadt Linz hatte die Formel und die Daten real-time! So gesehen, die Stadt hatte die Möglichkeit, den Swap realtime zu bewerten!

Re: Re: Laut Wahrenburg habe es bei der Stadt Linz auch ein effektives Risikomanagement gegeben. Denn der Swap sei monatlich bewertet worden.

Stimmt. Danke für die Klarstellung. Umso schlimmer eigentlich. Naja, ist ja nicht das eigene Geld...