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Deutschland: Experten sehen keine Immobilienblase

02.08.2012 | 16:43 |   (Die Presse)

Seit Jahren steigen in Deutschland die Preise für Immobilien schneller als die Inflationsrate. Von einer Blase wie in den USA oder Irland könne aber keine Rede sein, meint das Institut der deutschen Wirtschaft.

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Wien/Weber. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Hamburg sind Eigentumswohnungen zwischen 2003 und 2011 um 31 Prozent teurer geworden, in Berlin um 39 Prozent. Bundesweit liegen die Preissteigerungen seit 2010 mit bis zu 4,5 Prozent jährlich deutlich über der Inflationsrate. Das deutsche IW-Institut sieht jedoch keinen Grund zur Sorge. „Die deutschen Immobilienmärkte sind gesund – trotz aktuell stark steigender Preise“, erklärten die Wirtschaftsforscher am Donnerstag.

Von einer Blase wie in den USA, die 2007 die globale Finanzkrise lostrat, könne jedenfalls keine Rede sein. Eine Blase setze nämlich voraus, dass Investoren von immer weiter steigenden Preisen ausgehen und so die Nachfrage anheizen. Die Wohnungspreise seien aber nicht bedeutend schneller gestiegen als die Mieten, die Renditen hätten sich also kaum verschmälert. Nur in Hamburg und München seien die Preise den Mieten davongelaufen – „im internationalen Vergleich allerdings in moderatem Ausmaß“.

Daneben zeige die wachsende Zahl von Arbeitnehmern in den untersuchten Großstädten, dass es tatsächlich eine steigende Nachfrage gebe. Der Trend zu steigender Beschäftigung und damit wachsendem Einkommen dürfte in den Städten auch weitergehen. Das Institut schätzt, dass München im Jahr 2030 15 Prozent mehr Einwohner haben wird.

Ein drittes Indiz dafür, dass es in Deutschland keine Blase gibt, sei die Zahl der Transaktionen. „Steigt in Boomphasen die Zahl der Immobilienverkäufe nur deswegen an, weil von weiter steigenden Preisen ausgegangen wird, droht eine spekulative Blase“, heißt es in der Studie des IW. Tatsächlich habe die Nachfrage aber bundesweit stärker angezogen als das Angebot. Nur Berlin tanze in diesem Punkt aus der Reihe. In der Hauptstadt gäben jedoch andere Kriterien Anlass zur Entwarnung.

Entwarnung auch für Österreich

Schließlich deute auch die schwache Zunahme bei der Kreditvergabe auf eine entspannte Lage auf dem Immobilienmarkt hin. Trotz historisch niedriger Zinsen steige das Kreditvolumen für Wohnungskäufe nur minimal.

Auch für Österreich gaben Experten zuletzt Entwarnung, obwohl die Preise für Wohnraum auch hierzulande stark steigen. Dieser Anstieg sei aber nicht kreditgetrieben, sondern auf eine Umschichtung von Vermögen zurückzuführen, sagte etwa Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer zur „Presse“. Außerdem gebe es in Österreich noch Nachholbedarf, denn im Vergleich zu anderen Ländern sei Wohnen billig.

Jedoch könnte das Geld, das dauerhaft in Immobilien umgeschichtet wird, auf lange Zeit der Wirtschaft fehlen. Das könnte die Konjunktur schwächen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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