Wien/Bloomberg/red. Brasilianische Aktien sind derzeit vor allem eines: preiswert. Ein Grund dafür ist freilich die Entwicklung des Marktes: Der Bovespa-Index, wie der Leitindex des Landes heißt, zählt in diesem Jahr zu den schlechtesten in Lateinamerika. Seit Jahresbeginn liegt das Börsenbarometer knapp drei Prozent im Minus. Der Merval Index (Argentinien) hat heuer nur 2,5 Prozent verloren.
Die Kursentwicklung in Brasilien ist jedoch nicht unabhängig von den Investitionen ausländischer Anleger zu sehen. Im ersten Quartal strömten noch 1,9 Mrd. Euro in den brasilianischen Kapitalmarkt, was die Kurse ansteigen ließ. Im zweiten Quartal gab es aber deutliche Rückgänge. In diesem Zeitraum zogen Investoren auch umgerechnet eine Mrd. Euro aus dem Land ab.
Zinsen auf Rekordtief
„Es ergibt überhaupt keinen Sinn, dass sich der Aktienmarkt so schwach zeigt, angesichts der rekordniedrigen Zinsen“, sagt Wagner Salaverry von Geração Futuro Corretora de Valores. Die Zentralbank des Landes hat den Leitzinssatz kürzlich zum wiederholten Male auf ein Rekordtief von acht Prozent gesenkt, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Bis dato dürfte es den Unternehmen aber noch gut gehen: „Ausgehend von dem, was wir heute über die Unternehmen wissen, sehen die Aktien billig aus.“ Von den 19 Unternehmen, die ihre Zahlen für das zweite Quartal gelegt gaben, konnten neun die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)

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