Wien/Bloomberg/Red. Wer dieser Tage in österreichische, deutsche oder auch US-Anleihen investieren will, muss sich für einen Zeitraum von zehn Jahren mit niedrigen Renditen zufriedengeben. Nicht so in Brasilien. Dort erreichen die Renditen von Staatsanleihen auf Dollarbasis mit 3,62 Prozent zwar auch keine schwindelerregenden Höhen. Aber: Im Juli dieses Jahres konnten Anleger mit einer Investition in brasilianische Dollarbonds mit einem Plus von 4,63 Prozent die besten Erträge seit drei Jahren erzielen. Zudem haben sie damit den durchschnittlichen Anstieg von staatlichen Schuldverschreibungen aus Schwellenländern, der bei vier Prozent lag, übertroffen. Das geht aus dem EMBI Global Index von JPMorgan hervor.
Das Vertrauen in brasilianische Bonds ist zuletzt gestiegen. „Anleihefonds, die in spanische oder italienische Bonds investiert waren, haben ihr Geld abgezogen und begonnen, in den Emerging Markets zu investieren“, sagt Henry Stipp von Threadneedle Asset Management.
Brasilien schlechter bewertet
Um die brasilianische Bonität ist es allerdings etwas schlechter bestellt als um die Kreditwürdigkeit Spaniens oder Italiens. Brasilien wird von Standard and Poor's mit „BBB“ und damit der zweitniedrigsten Stufe bewertet. „Es gibt einen Heißhunger auf alles, was relativ sicher ist und eine gewisse Rendite bietet“, sagt Paul McNamara von Gam Investment.
Möglicherweise legt Brasilien heuer noch Anleihen mit einer Laufzeit von zehn und 30 Jahren auf, sagt Jeremy Brewin von Aviva Investments. Mit den Erlösen könnte der Staat ältere Anleihen mit höheren Renditen zurückkaufen, die sonst 2017 fällig würden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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