Wien/jps. Wolfgang Leitner ist nicht gerade für verbale Husarenritte bekannt. Wenn der Chef des Anlagenbauers Andritz sagt, dass das Umfeld schwieriger geworden sei, dann wiegt das schwer. „Es gibt doch ein deutlich gestiegenes Maß an Unsicherheit über die weitere Entwicklung bei unseren Kunden“, gestand Leitner am Dienstag bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse in Wien.
Der Konzern geht zwar im Gesamtjahr von einem Umsatz- und Gewinnzuwachs aus, der rasante Aufschwung der vergangenen drei Jahre dürfte aber trotz des nahezu stabilen Auftragsstands im Halbjahr von 6,9 Mrd. Euro abflachen.
Die Sechs-Mrd.-Euro-Umsatzmarke könnte Andritz heuer allerdings stemmen. Grund ist die Großakquisition der deutschen Schuler-Gruppe. Der Weltmarktführer in der Metallumformtechnik, der komplette Presslinien und Automationssysteme für die Automobilindustrie und andere metallverarbeitende Branchen produziert, macht eine Mrd. Umsatz und hat 5200 Mitarbeiter.
Kauf aus eigener Finanzkraft
„Das ist schon ein großer Schluck aus der Pulle, aber die Flasche ist noch voll“, meinte Leitner in Bezug auf den Kaufpreis von 600 Mio. Euro. Davon sind noch 450 Mio. Euro zu entrichten, die Kriegskassa ist mit 1,2 Mrd. Euro ausreichend gefüllt. Das seit 175 Jahren in Familienbesitz stehende Unternehmen sei aktiv auf Andritz zugekommen.
Mit dem US-Ofenanlagenbauers Bricmont hat Andritz ein weiteres Unternehmen für die Sparte „Metals“ zugekauft. Besonders gut läuft es in den Bereichen Wasserkraft und Zellstoff, wo Andritz auf weitere Großprojekte, unter anderem in Brasilien und Chile, hofft. Im Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 20 Prozent auf 2,4 Mrd. Euro. Das Betriebsergebnis wuchs um 16,2 Prozent auf 143,1 Mio. Euro, netto verdiente Andritz 107,5 Mio. euro (plus 19,8 Prozent).
Leitner sprach deshalb auch von einem „erfreulichen“ Halbjahr. „Vorsicht“ sei aber geboten. Das sahen die Anleger auch. Die Aktie verlor rund vier Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2012)

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