London/ag. Die Affäre um die britische Standard Chartered Bank, die seit zehn Jahren geheime Geschäfte mit dem Iran getätigt haben soll, schlägt jetzt auch politische Wellen. Nachdem die US-Börsenaufsicht dem Institut gedroht hat, ihm die Lizenz zu entziehen, meldeten sich britische Politiker und Investoren zu Wort. „Ich denke, das ist eine konzertierte Aktion, die von der Regierung angeführt wird“, sagte etwa der Labour-Abgeordnete John Mann. Washington versuche, „eine Schlacht zu gewinnen, bei der es darum geht, den Handel von London nach New York zu verlagern“.
Die New Yorker Finanzaufsicht wirft Standard Chartered („StanChart“) vor, fast zehn Jahre lang trotz Embargos Transaktionen mit dem Iran abgewickelt zu haben. Die Rede ist von einem Gesamtvolumen von 250 Mrd. Dollar (201 Mrd. Euro). StanChart weist die Vorwürfe als überzogen zurück und arbeitet derzeit an einer Verteidigungsstrategie. Ein Verlust der US-Lizenz wäre ein Desaster, weil so der Zugang zum wichtigen amerikanischen Markt wegfiele.
StanChart ist bereits die dritte britische Großbank, die sich die US-Behörden innerhalb weniger Monate vorknöpfen. Barclays musste wegen Manipulationen des Zinssatzes Libor eine halbe Milliarde Dollar an Strafe zahlen, während die HSBC wegen laxer Geldwäschekontrollen eine schallende Ohrfeige des Senats erhielt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)

WirtschaftswachstumDas Plus und Minus der EU-Länder im ersten Quartal
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet