Wien/Auer. Gas, Gas, Gas! So sieht OMV-Chef Gerhard Roiss die Zukunft von Mitteleuropas größtem Energiekonzern. Zum überraschenden Gewinnsprung im zweiten Quartal konnte die Gassparte allerdings noch wenig beitragen. Der Betriebsgewinn stieg um acht Prozent auf 621 Mio. Euro, der Umsatz um ein Viertel auf 9,9 Mrd. Euro. Zu verdanken hat die OMV das in erster Linie dem Ölgeschäft.
Vor allem die Rückkehr nach Libyen hat Geld in die Kasse gespült. Die Produktion im nordafrikanischen Land wurde im Februar des Vorjahres ausgesetzt. Erst im vergangenen November wagte sich das Unternehmen wieder ins Land.
Mittlerweile hat die Produktion dort wieder neunzig Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht. Mit 33.000 Fass (159 Liter) Öläquivalent am Tag trägt Libyen immerhin ein Zehntel zur Gesamtproduktion des Konzerns bei. Wann die OMV wieder so viel Erdöl aus libyschem Boden holen wird, wie vor Ausbruch der Unruhen, konnte der zuständige Vorstand Jaap Huijskes bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen nicht sagen. Etliche Pumpstationen seien zerstört, auch die fehlenden Wartungsarbeiten würden sich bemerkbar machen.
Auch in Neuseeland habe sich die Produktion in den vergangenen drei Monaten gut entwickelt. In Summe förderte die OMV im zweiten Quartal 305.000 Fass Öl am Tag, elf Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Käufer für Tankstellen gesucht
Der vergleichsweise niedrige Ölpreis hat die OMV nur wenig getroffen. „Der schwache Euro hat den schwachen Ölpreis mehr als wettgemacht“, sagte Finanzvorstand David Davies. Und der niedrige Ölpreis hat noch ein zweites Kunststück vollbracht: Er katapultierte die stark unter Druck gekommenen Margen im Raffineriegeschäft nach oben. Europaweit war der Sektor zuletzt wegen massiver Überkapazitäten in Problemen. Daran werde sich mittelfristig auch nichts ändern, warnte Roiss. Die Margen seien schon wieder auf dem Weg nach unten. An der Strategie, die unter anderem einen teilweisen Ausstieg aus dem Tankstellen- und Raffineriegeschäft vorsieht, ändert sich nichts. Wie berichtet sucht der Konzern einen Käufer für seinen 45-Prozent-Anteil an der Raffinerie Bayernoil sowie für die Tankstellennetze in Kroatien und Bosnien-Herzegowina.
Damit sollen Kapazitäten frei werden, um den Fokus auf Erdgas weiter zu verstärken. Im zweiten Quartal machte die Sparte allerdings keine gute Figur. Zwar konnte die OMV im Februar den größten Gasfund im Schwarzen Meer feiern. Bis der Rohstoff gefördert werden kann, dürfte es allerdings noch eine Weile dauern. So bekommt der Konzern den Preisdruck auf dem Gasmarkt voll zu spüren.
Schwaches Ergebnis bei EconGas
Die OMV bezieht einen Großteil ihres Erdgases über langfristige Verträge aus Russland. Da seit einiger Zeit aber weitaus günstigeres Gas an den Börsen zu haben ist, hat der Konzern Probleme, das russische Gas gewinnbringend zu verkaufen. Zum Jahreswechsel einigte sich die OMV mit ihrem Lieferanten auf veränderte Konditionen. Gereicht hat das nicht. Man sei wieder in Gesprächen, sagte der neue Gas-Vorstand Hans-Peter Floren. Es sei aber anzunehmen, dass der Preisdruck auf dem Gasmarkt zu einem signifikant schwächeren Ergebnis für die OMV-Tochter EconGas führe. Auch der Versuch, dem österreichischen Gasfeld Strasshof noch mehr Gas zu entlocken, ist gescheitert. Mittlerweile ist das Feld fast bis auf den Buchwert abgeschrieben.
An der Börse sorgten die Zahlen für wenig Begeisterung. Die Aktie fiel um gut zwei Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2012)

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