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Libor-Zinssatz: Drahtzieher gesucht

09.08.2012 | 17:23 |   (Die Presse)

Die US-Behörden bieten ehemaligen UBS-Mitarbeitern Straffreiheit an, wenn sie erzählen, wer hinter der weltweiten Manipulation des Libor-Zinssatzes steckt. Wem genau dieser Deal angeboten wurde, ist unklar.

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Wien/Weber. In den Ermittlungen um die weltweite Manipulation des Libor-Zinssatzes bemühen sich mehrere Banken um eine Strafmilderung, indem sie mit den Behörden kooperieren. Das heißt aber nicht, dass auch einzelne Händler geschützt sind. So könnte es vorkommen, dass eine Bank durch ihre Kooperation ungeschoren davonkommt, einzelne Händler für die Manipulation aber ins Gefängnis wandern.

Die US-Behörden scheinen aber weniger an den Handlangern als an den Drahtziehern interessiert zu sein. So haben sie einigen ehemaligen UBS-Händlern Straffreiheit angeboten, wenn sie in Zukunft enger mit den Behörden zusammenarbeiten. Das berichtet das „Wall Street Journal“. Wem genau dieser Deal angeboten wurde, ist unklar. Allerdings dürften die meisten von ihnen nicht mehr bei der Bank arbeiten. Seit vor vier Jahren die Ermittlungen rund um die Affäre begonnen haben, hat das Institut rund 20 Händler und Manager entlassen.

Nicht nur Händler verantwortlich

Bei den Behörden scheint sich die Ansicht durchzusetzen, dass derart komplexe Absprachen, die mindestens 16 Geldinstitute rund um den Globus betreffen, nicht von einer Handvoll Händlern ohne das Wissen der Vorgesetzten durchgeführt werden konnten.

Die Banken stehen in dem Verdacht, den Referenzzinssatz Libor sowie das europäische Pendant, den Euribor, über Jahre hinweg verfälscht zu haben. Damit wollten sie einerseits ihre Profite steigern, andererseits ihr Erscheinungsbild wahren. Der Libor setzt sich nämlich aus den Refinanzierungskosten einzelner Geldhäuser zusammen. Werden sie niedriger angegeben, als sie tatsächlich sind, erscheint eine Bank nach außen hin gesünder, als sie ist.

Die UBS hat nach eigenen Angaben beim amerikanischen Kartellamt sowie bei den Wettbewerbsbehörden in der Schweiz und in Kanada Kronzeugenstatus erlangt. Jedoch drohen dem Institut noch Strafen durch einige andere US-Behörden. Auch die britische Großbank Barclays, die bereits eine Strafe von einer halben Milliarde Dollar ausgefasst hat, sowie die Deutsche Bank agieren in der Sache als Kronzeugen. Dafür soll Barclays bei ihrer Strafe bereits einen „Rabatt“ von 30 Prozent erhalten haben.

UBS war erster Kronzeuge

Analysten von Morgan Stanley hatten zuletzt in einer Studie geschätzt, dass auf die UBS eine Strafe von 250 Mio. Schweizer Franken (208 Mio. Euro) zukommen könnte. Insgesamt könnten die Institute zu Zahlungen von 22 Mrd. Dollar (18 Mrd. Euro) verurteilt werden. Allerdings beruhten diese Werte noch auf „groben Schätzungen“, wie es hieß.

Die UBS könnte mit einem blauen Auge davonkommen, weil sie das erste Institut war, das mit den US-Behörden kooperierte. Die ersten Zeugen seien bei Verhandlungen über etwaige Strafen in der besten Position, zitiert das „Wall Street Journal“ einen ehemaligen Staatsanwalt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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1 Kommentare
Gast: Oeconomicus
10.08.2012 10:42
0 0

Das ist doch noch harmlos

Wer sich die Dokumentation "HSBC Case History" des Permanent Subcommittee on Investigations anschaut, wird sich vermutlich die Augen reiben

http://www.hsgac.senate.gov/subcommittees/investigations/hearings/us-vulnerabilities-to-money-laundering-drugs-and-terrorist-financing-hsbc-case-history