Wien/Jps. Die Hyperinflation in Weißrussland streckt ihre Arme bis nach Österreich aus und belastet das Halbjahresergebnis der Telekom-Austria-Gruppe. Die dortige Tochter Velcom leidet unter der Inflationsrate von zehn Prozent im ersten Halbjahr, dazu kommen 30 Prozent Kursverlust des Rubel gegenüber dem Euro. Rechnet man diese Effekte weg, wäre der Konzernumsatz im ersten Halbjahr um 1,5 Prozent gestiegen, so Telekom-Chef Hannes Ametsreiter am Donnerstag in Wien. Tatsächlich steht unter dem Strich allerdings ein Minus von 4,9 Prozent.
Langfristige Zusammenarbeit
Mit dem mexikanischen Milliardär Carlos Slim funktioniere die Zusammenarbeit bisher „sehr gut“, sagte Ametsreiter. Der neue „starke Mann“ des heimischen Konzerns sei mit der Politik des Vorstandes und den geplanten weiteren Zukäufen im Osten einverstanden. Wie viel Slims eigenes Unternehmen, America Movil, genau investieren wolle, sei noch unklar, ebenso wollte Ametsreiter die Gerüchte um eine gemeinsame Osteuropa-Holding nicht näher kommentieren: „Das ist noch offen.“ Klar sei nur, dass die Telekom weiterhin langfristige Investitionen bevorzuge: „Unser kürzestes Investment hat 23 Jahre gedauert.“
Mit der Entwicklung der osteuropäischen Töchter gibt sich Ametsreiter trotz aller Probleme zufrieden. Die zwischen 2007 und 2010 akquirierte weißrussische Tochter Velcom habe seit dem ersten Halbjahr 2011 über 200.000 Neukunden gewonnen, das ist ein Plus von fast fünf Prozent. Die Zahl der Breitbandkunden wurde mehr als verdoppelt und steht aktuell bei rund 575.000. Die Telekom erwartet in Weißrussland weiterhin Wachstum. Hyperinflation und Währungsverluste überlagern aber die Erfolge und führen zu einem Umsatzrückgang um 15,9 Prozent auf 136,9 Mio. Euro und einem bereinigten Ebitda von 55,3 Mio. Euro (minus 26,7 Prozent).
Mit der Entwicklung der anderen Auslandstöchter zeigte sich Ametsreiter zufriedener. Die kroatische Vipnet verlor zwar drei Prozent ihrer Kunden, steigerte den Umsatz aber dennoch um 1,9 Prozent auf 194 Mio. Euro, das bereinigte Ebitda um fast 17 Prozent auf 60,8 Mio. Euro. Die weiteren Töchter in Slowenien, Serbien und Mazedonien erwirtschafteten ein Umsatzplus von 10,7 Prozent und steigerten ihr bereinigtes Ebitda um fast die Hälfte auf 53,5 Mio. Euro. Besonders die mazedonische Tochter Vip Operator macht dem Vorstand Freude. Das Unternehmen wurde 2007 noch von Boris Nemsic gegründet und hat sich seither zur Nummer zwei am lokalen Markt entwickelt. Der Marktanteil liegt aktuell bei 26 Prozent.
Ausblick wird angepasst
Obwohl der Nettogewinn im ersten Halbjahr mit 81 Mio. Euro laut Ametsreiter über den Erwartungen lag, nahm er eine „Anpassung“ des Ausblicks aufgrund der Summe der negativen Effekte vor. Der Jahresumsatz werde voraussichtlich statt 4,4 nur 4,2 Mrd. Euro betragen, daher werde man verstärkt auf Kostendisziplin achten.
Die heftigen Preiskämpfe in fast allen Märkten würden auch im Gesamtjahr die Margen dämpfen: „Das Umfeld für unser Geschäft ist deutlich schwieriger geworden.“ Ametsreiter bestätigte aber das Ziel, 38 Cent Dividende pro Aktie auszuschütten. An der Wiener Börse zeigten sich die Anleger nicht völlig überzeugt. Die Aktie stürzte nach Bekanntgabe der Ergebnisse um über fünf Prozent ab und blieb über den Tag in einem leichten Abwärtstrend, pendelte sich aber am Nachmittag bei minus 5,6 Prozent ein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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