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Anleihenkurse stürzen ins Sommerloch

20.08.2012 | 16:43 |   (Die Presse)

Mehrere Konjunkturindikatoren deuteten zuletzt darauf hin, dass der Weltwirtschaft eine Apokalypse erspart bleiben könnte. Dem Anleihenmarkt bescherten die guten Nachrichten einen Kursrutsch.

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Wien/New York/Bloomberg/Red. Wäre der August am Dienstag zu Ende, würde der globale Anleihenmarkt den Monat mit dem schlechtesten Ergebnis seit Langem beenden. Mit einem Verlust von 0,64 Prozent weisen festverzinsliche Papiere die schlechteste Performance seit November 2010 auf, als es um 1,09 Prozent nach unten ging. Der Grund: Verschiedene Kennzahlen, etwa zum Stellenmarkt und zu den Verbraucherausgaben, fielen zuletzt deutlich besser aus, als von vielen Investoren erwartet.

In der gleichen Zeit warfen Aktien eine ansehnliche Rendite ab. Mit dem Weltaktienindex MSCI World hätten Anleger seit dem 1. August mehr als drei Prozent verdient. Mit dem deutschen DAX wären es über vier und mit dem heimischen ATX sogar über fünf Prozent gewesen.
Der Kursrutsch der Anleihen begann, nachdem in den USA der Einzelhandelsumsatz stärker als erwartet anstieg und mehr Stellen geschaffen wurden. Zudem ging das Wachstum in Deutschland und Frankreich weniger zurück als befürchtet.

Für die USA geht Goldman Sachs davon aus, dass die Notenbank Federal Reserve mit einem weiteren Programm von Anleihenkäufen zumindest bis zum Ende des Jahres warten wird. Kurz gesagt: Weil sich die wirtschaftliche Situation verbessert, haben Investoren weniger Gründe, in sichere Anleihen zu flüchten.

Damit stieg auch die Risikolust der Anleger zuletzt wieder. „Ramsch“-Anleihen, also jene, die mit einem höheren Ausfallrisiko behaftet sind, brachten im August einen Ertrag von 0,84 Prozent. Staatsanleihen und Unternehmensanleihen der Güteklasse „Investment Grade“ brachten im Schnitt ein Minus von jeweils etwa 0,7 Prozent, wie Indizes der Bank of Amerika Merrill Lynch zeigen.

Deutsche Bonds führen Talfahrt an

„Der Markt hatte sich auf das Ende der Welt eingestellt und wartete darauf, dass die Fed die quantitative Lockerung erweitert“, sagt Thomas Roth, Anleihenhändler in New York bei Mitsubishi Securities. „Durch die besseren Zahlen und das Ausbleiben schlechter Nachrichten aus Europa wurde erst einmal ein Stopp eingelegt.“

Angeführt wurde die Talfahrt im August von den deutschen Staatsanleihen. Diese sind bei den Investoren in unsicheren Zeiten so begehrt, dass sie kaum noch Rendite abwerfen. Die Bonds büßten 1,79 Prozent ein. US-Staatsanleihen („Treasuries“) gaben um 1,58 Prozent nach, während es für britische „Gilts“ 1,55 Prozent abwärts ging. „Es waren ganz schön hohe Erwartungen an die Federal Reserve eingepreist“, bestätigt Martin Fridson, Kreditstratege bei BNP Paribas Investment Partners in New York. „Viele Spekulanten ziehen sich jetzt panikartig aus ihren Wetten zurück.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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