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Wall Street schlägt die Londoner City

20.08.2012 | 17:13 |   (Die Presse)

Die „Nähe“ zur europäischen Schuldenkrise bringt den Finanzplatz London unter Druck. Die Briten müssen Personal abbauen, während US-Banken einstellen. Der Trend könnte sich aber schon 2013 umkehren.

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London/bloomberg. Einen herben Rückschlag hat die Londoner City bei ihrem deklarierten Versuch erlitten, den Finanzplatz New York zu übertrumpfen: Während die Finanzdienstleister in der City nach jüngsten Angaben heuer noch gut 3000 Leute abbauen müssen, will die Konkurrenz in Manhattan heuer noch 9000 Mitarbeiter zusätzlich einstellen.

Der Grund: Wegen der „Nähe“ Londons zur europäischen Schuldenkrise wandert zunehmend Geschäft in die USA ab. Zwar leiden auch die amerikanischen Banken unter einer Verlangsamung des Handelsgeschäfts und des Geschäfts mit Übernahmen und Fusionen, allerdings profitieren sie, anders als die britische Konkurrenz, von einer kräftigen Zunahme der Nachfrage nach Krediten für Private. „Europa steuert in stürmisches Wasser, das macht London für Arbeitgeber unattraktiver und risikoreicher“, sagt John A. Challenger. Dieser ist Vorstandschef der Firma Challenger, Grey, Christmas Inc., die Unternehmen beim Stellenabbau berät. „Der Trend zeigt wieder in Richtung USA“, so Challenger.

Große Banken preschen vor

Der Arbeitsplatzabbau in London läuft schon seit einiger Zeit. Die größten Brocken: HSBC hatte bereits im April angekündigt, auf dem Heimmarkt 361 Jobs zu streichen. Betroffen sind vor allem Führungskräfte und Leute aus dem mittleren Management. Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Monat bekannt gegeben, sie wolle in London 1900 Stellen streichen, davon 1500 allein im Investmentbanking.

Allerdings glauben Insider, dass der Kahlschlag im Job-Wald in London ein vorübergehendes Phänomen sei und sich der Trend schon 2013 umkehren könnte. Derzeit würden vor allem die großen Institute ihren über die Jahre aufgebauten „Überhang“ reduzieren. Kleinere „Boutique-Firmen“ und Regionalbanken seien dagegen weiter auf der Jagd nach Talenten. Aber auch in dieser Liga seien die Amerikaner derzeit deutlich aktiver als die britische Konkurrenz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

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