Wien/B.l. Um 47 Euro war die Strabag-Aktie vor fast fünf Jahren an die Börse gebracht worden. Inzwischen ist der Kurs auf 17,64 Euro geschrumpft. Allein seit Jahresbeginn haben die Aktionäre 20 Prozent verloren. Noch höhere Verluste fuhr man innerhalb des ATX nur noch mit dem Verbund und der Telekom Austria ein.
Auch die Halbjahreszahlen, die das Unternehmen am Freitag bekannt gab, gefielen den Anlegern nicht, die Aktie zählte zu den schwächsten Werten im Wiener Leitindex. Die Bauleistung war im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf 6,04 Mrd. Euro gesunken. Der Strabag macht der Preiskampf im Baustoffgeschäft zu schaffen. Die öffentliche Hand muss in vielen Ländern sparen und nimmt sich mit Bauaufträgen zurück. In Polen kommt dazu, dass der positive Effekt durch die Fußball-Europameisterschaft weggefallen ist.
Betriebsergebnis dreht ins Minus
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel um 92 Prozent auf 16,14 Mio. Euro. Schuld sind unter anderem Schadenersatzzahlungen von 43 Mio. Euro an den Zementhersteller Cemex, weil sich die Strabag vom geplanten Kauf von Zementwerken zurückgezogen hat. Die Strabag hat gegen das Urteil des Schiedsgerichts Berufung eingelegt.
Das Betriebsergebnis (Ebit) drehte von plus 17 auf minus 166,5 Mio. Euro. Das Periodenergebnis nach Minderheiten fiel von minus elf Mio. auf minus 158 Mio. Euro. Ganz überraschend kamen die schlechten Zahlen nicht, das Unternehmen hatte im Juli eine Gewinnwarnung ausgegeben. Die Marktteilnehmer haben aber einen geringeren Rückgang erwartet.
Die Analysten sehen nicht allzu optimistisch in die Zukunft. Nur einer rät zum Kauf der Strabag-Aktie, vier empfehlen, das Papier zu „halten“, fünf raten zum Verkauf. Das Unternehmen befindet sich mehrheitlich im Besitz der Haselsteiner-Familie, der Raiffeisen-NÖ-Wien-Gruppe, der Uniqa-Gruppe und der Rasperia Trading des russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Der Streubesitz liegt bei knapp über 14 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

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