Jackson Hole/Wien/Ag./Ju. Die von vielen Börsianern erwartete Ankündigung, dass die US-Notenbank Fed die Geldschleusen zwecks Konjunkturbelebung erneut aufmachen werde, ist bei der Rede von Fed-Chef Ben Bernanke bei der internationalen Notenbanktagung in Jackson Hole (USA) zwar ausgeblieben. Das Gegenteil aber auch: Bernanke sagte in seiner mit Spannung erwarteten Rede Freitagnachmittag kryptisch, die Kosten „unkonventioneller Maßnahmen“ der Notenbank seien „handhabbar“. Dies impliziere, dass die Verwendung derartiger Instrumente „nicht ausgeschlossen“ werden könne.
Börsenhoch nach Schrecksekunde
Die Börsen reagierten auf das kryptische Bernanke-Statement zuerst mit einer Schrecksekunde: Sowohl die US-Indizes als auch der deutsche DAX, die zuvor satt im Plus gelegen waren, gaben deutlich nach, um dann aber wieder kräftig zuzulegen.
Mit „derartigen Instrumenten“ meinte Bernanke den direkten Ankauf von US-Staatsanleihen durch die Notenbank. Diese direkte Staatsfinanzierung aus der „Notenpresse“ gilt als extrem kritisch, weil es Inflation auslösen kann. Die USA haben in zwei großen Ankaufsrunden freilich schon ausgiebig Gebrauch von dieser Methode, das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, gemacht. Insgesamt hat die Fed schon US-Staatspapiere um 2300 Mrd. Dollar angekauft.
Das Billioneninvestment hat die erwartete Wirkung – Ankurbelung der Wirtschaft und Senkung der mit mehr als acht Prozent sehr hohen Arbeitslosenrate – bisher freilich nicht gezeigt. Das Ziel, die Arbeitslosenrate unter acht Prozent zu drücken, sei eindeutig verfehlt worden, konzedierte Bernanke am Freitag. „Wir haben keine Verbesserung der Nettoarbeitslosenrate seit Jänner gesehen“, sagte der Fed-Chef. Erst wenn die Wirtschaft deutlich schneller wachse als jetzt, werde es möglich sein, die Arbeitslosigkeit auf früher gewohnte Werte herunterzubringen. Dies sei schon deshalb notwendig, weil das „Leid und die enorme Verschwendung menschlicher Fähigkeiten“, die hinter einer so hohen Arbeitslosenrate stünden, mittelfristig zu „strukturellen Schäden in der amerikanischen Wirtschaft“ führen müssten.
Conclusio des Notenbankpräsidenten: Die Fed wolle bei Bedarf weitere Wachstumsimpulse für die Wirtschaft liefern. Ob das schon in naher Zukunft geschehen werde, sagte Bernanke nicht.
Die nächste Gelegenheit wird sich bald bieten: In zwei Wochen tritt das Offenmarktkomitee der Fed zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Bei dieser Tagung könnte der Startschuss für das dritte Anleihenankaufsprogramm fallen.
Europäer boykottieren Tagung
Die jährliche Tagung in Jackson Hole galt bisher als wichtigste informelle Zusammenkunft der bedeutendsten Notenbanken. Dabei wurde immer auf informeller Basis die Politik der wichtigsten Notenbanken abgestimmt. Heuer wird die Tagung von den kontinentaleuropäischen Notenbankern aber de facto boykottiert: EZB-Chef Mario Draghi hat (wegen „Arbeitsüberlastung“) ebenso abgesagt wie der schweizerische Nationalbankchef Jordan, der eine „wichtige Sitzung“ seiner eigenen Notenbank als Grund vorgeschoben hat.
Auch die OeNB hat einen Teilnehmer aus der zweiten Reihe nominiert, Notenbankchef Ewald Nowotny und dessen Stellvertreter zogen das Europäische Forum in Alpbach vor. Die EZB wird demnächst selbst über – hier äußerst umstrittene – Anleihenankäufe entscheiden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2012)

Städte-RankingWo die meisten Superreichen leben
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet