Wien/Bloomberg/red. Deutsche Immobilien werden derzeit so stark nachgefragt wie schon lange nicht mehr. Vor allem ausländische Anleger flüchten angesichts mangelnder Alternativen in den Markt für Wohnungen. „Deutsche Wohnimmobilien sind eine der attraktiveren Anlageklassen in Europa“, sagt Roger Orf von Apollo Global Management.
Erst kürzlich haben die New Yorker Finanzinvestoren Blackstone und Cerberus in Deutschland zugeschlagen und dabei auch Plattenbauten gekauft. Demnächst könnten noch 38.000 Dresdner Wohnungen aus Vor-Wende-Zeiten veräußert werden.
„Deutsche Wohnungen werden den Leuten aus den Händen gerissen“, sagt Andre Adami, Analyst von der Berliner Marktforschungsfirma BulwienGesa. „Jedes Portfolio, das auf den Markt kommt, trifft auf hohe Nachfrage.“
Anleger, die mehr als zehn Wohneinheiten kaufen, stammen zur Hälfte aus dem Ausland. Diese haben in den heurigen ersten sechs Monaten 3,3 Mrd. Euro für Liegenschaften ausgegeben – so viel wie seit 2008 nicht mehr. Im vergangenen Jahr wurden in Summe mehr als 2,4 Mrd. Euro investiert.
Warnung vor Immobilienblase
Vor allem die börsenotierten Immobiliengesellschaften profitieren von diesem Trend. Die fünf größten Unternehmen haben in diesem Jahr um im Schnitt 55 Prozent an Wert zugelegt. Der DAX hat im gleichen Zeitraum 19 Prozent gewonnen.
Die große Nachfrage ruft jedoch auch Kritiker auf den Plan, die vor einer Immobilienblase warnen. Steffen Sebastian von der Universität Regensburg sagt: „Investitionen in den deutschen Wohnungsmarkt haben im Moment einen sehr spekulativen Charakter, und das macht sie sehr risikoreich.“ Der Wissenschaftler warnt, dass der deutsche Immobilienmarkt nicht unabhängig vom Rest Europa betrachtet werden könne.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)

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