Wien/APA/red. Wieder einmal hat Standard & Poor's (S & P) Österreich einen Besuch abgestattet. Diesmal hat die Ratingagentur aber nicht die Bonität des Staates, sondern die Kapitalausstattung der heimischen Banken unter die Lupe genommen.
Und dabei kommt S & P zu dem Schluss, dass die heimischen Großbanken noch immer relativ schwach kapitalisiert seien. Zwar würden die Institute die von den Regulatoren vorgegebenen Kapitalerfordernisse erfüllen, aber: Die Banken sollten sich noch stärkere Kapitalpuffer zulegen, um eventuell anfallende Risken abfangen zu können. „Wir erwarten, dass sich auf der Kapitalseite noch etwas ändert“, sagt Markus Schmaus, der bei S & P für die Bankenanalyse in zwölf europäischen Ländern zuständig ist.
Die Europäische Bankenaufsicht EBA schreibt den Banken für das sogenannte harte Kernkapital eine Mindestquote von neun Prozent vor. Diese haben die Großbanken hierzulande auch erfüllt. Weil S & P aber einen „eigenen, strengen Kapitalbegriff“ habe, kommen Erste Group, Raiffeisen Zentralbank und Bank Austria nur auf eine Kapitalquote von sechs Prozent – damit liegen sie unter dem von S & P notwendig befundenen Niveau von sieben bis zehn Prozent. Staatliche Beteiligungen an Banken werden von der Ratingagentur nicht berücksichtigt. Selbst wenn dies so wäre, erreichten die Institute den Wert von sieben Prozent nicht. Aus der Erste Bank heißt es dazu bloß: „Wir übererfüllen die Quoten der europäischen Bankenaufsicht und der Notenbank.“ Die Bank Austria kommentiert ähnlich: „Wir sehen keinen Kapitalbedarf, weil wir die Anforderungen der EBA mit zehn Prozent übertreffen.“ Neben den drei Großbanken geht S & P für die verstaatlichten Institute Hypo Alpe Adria und KA Finanz davon aus, dass diese bei Bedarf weitere Hilfen der Republik erhalten werden. Auch könnten noch Verluste bei beiden „Bad Banks“ anstehen.
Fremdwährungskredite als Gefahr
Abgesehen davon beanstandet die Ratingagentur auch die Anzahl der in Österreich ausgegeben Fremdwährungskredite, da diese zur Gefahr werden könnten. „In unseren Augen kann das zu erhöhten Risiken führen“, sagt S & P-Analystin Anna Lozmann. Zum Ende des ersten Quartals seien 28 Prozent der Kredite an Privathaushalte in ausländischen Währungen vergeben worden. 93 Prozent davon in Schweizer Franken. Kurzfristig sieht S & P zwar kein Problem, weil der Wechselkurs bei 1,20 Franken je Euro fixiert ist, mittel- bis langfristig könnten die Schuldner aber Zahlungsschwierigkeiten bekommen. Das wiederum kann für die Banken zu einem Problem werden. In fünf Jahren werden größeren Tranchen aus Krediten fällig.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2012)

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