Zuckerberg: „Wir haben Fehler gemacht“

12.09.2012 | 18:11 |   (Die Presse)

In seinem ersten Interview seit dem Börsenflop bittet der Facebook-Gründer die Investoren um Geduld, verspricht eine glänzende mobile Zukunft und – zwischen den Zeilen – einen Angriff auf Google.

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Wien/Auer. Die Aktionäre von Facebook zählen offenbar zu einer außerordentlich genügsamen Spezies. Viele haben seit dem Börsengang des Online-Netzwerks im Mai zwar knapp die Hälfte ihres eingesetzten Vermögens verloren, wirklich übel genommen haben sie das dem Unternehmensgründer Mark Zuckerberg aber anscheinend nicht. So reichen schon ein paar reumütige Worte des 28-Jährigen, um den Kurs der Papiere wieder in die Höhe zu treiben.

In seinem ersten Interview seit dem Ausflug an die Wall Street gab sich Zuckerberg ungewohnt selbstkritisch. „Wir haben Fehler gemacht“, sagte er bei der Technologiekonferenz TechCrunch Disrupt in San Francisco. Vor allem das Kapitel „mobiles Internet“ hätten er und sein Team verschlafen. Jeder zweite der knappen Milliarde Facebook-Nutzer steigt mittlerweile über sein Smartphone in das Netzwerk ein. Geld macht das Unternehmen dort allerdings bisher kaum. 84 Prozent seines Umsatzes macht Facebook mit Werbung, die in der Desktop-Version der Seite neben den Statusmeldungen der Mitglieder erscheint. Das werde sich radikal ändern, verspricht Zuckerberg und wird nicht müde zu betonen, wie wichtig das Thema für sein Unternehmen sei.

 

Börsengang war „enttäuschend“

Facebook stehe hier „noch am Anfang“, bittet er die Investoren um Geduld. Der „größte Fehler“ sei es gewesen, zu lange am Programmier-Standard HTML festgehalten zu haben. „Wir haben mindestens ein Jahr verloren“. Mittlerweile habe das Unternehmen den Versuch, damit eine App für alle Smartphones zu bauen, ad acta gelegt. Der Firmengründer ist sichtlich bemüht, seinen Auftritt zu nutzen, um öffentlich zum Angriff auf die mobile Welt zu blasen. Er verspricht neue Apps für iPhones und Android-Geräte. Nur ein eigenes Facebook-Handy, wie oft spekuliert wird, werde es nicht geben.

Wie es Facebook aber gelingen soll, mehr Nutzer dazu zu bringen, auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen auf die Werbeanzeigen zu klicken, bleibt allerdings unklar. Vor allem da die Nutzer nicht einmal am Computer sonderlich großes Interesse an den Werbebannern zeigen. Von 1000 Anzeigen, die auf Facebook geschaltet werden, werden im Schnitt nur vier angesehen, errechnete TBG Digital.

Direkt auf den Flop beim Börsengang angesprochen, gibt sich der Gründer solidarisch mit den Anlegern. „Die Performance an der Börse ist offensichtlich enttäuschend verlaufen“. Im Vorfeld war Zuckerberg weniger zimperlich, ließ schon einmal Treffen mit Analysten sausen oder speiste Investoren mit Werbefilmchen über sein Unternehmen ab. Der Hype reichte trotzdem, um ihn zum Multimilliardär zu machen.

Seit die Kurse purzeln, ist Zuckerberg im Verteidigungsmodus. Nachdem einige der ersten Facebook-Investoren bereits Kasse gemacht haben, bemüht sich der Firmenchef, auch an den Kurs seiner Aktien zu denken. So kündigte das Unternehmen etwa an, mindestens ein Jahr lang keine weiteren Aktien verkaufen zu wollen – also klassische Kurspflege zu betreiben.

 

Eigene Suchmaschine

Bei der TechCrunch Disrupt hatte Zuckerberg für die Börsianer aber noch etwas anderes im Köcher: Facebook bereitet den Angriff auf Google vor, ließ er zwischen den Zeilen durchblicken. Auf die Frage, ob das Geschäft mit der Internetsuche für Facebook interessant sei, sagte er: Schon jetzt „hat das Netzwerk eine Milliarde Suchanfragen am Tag und wir bemühen uns noch nicht einmal darum“.

Künftig würden Menschen nicht mehr ewig lange Listen an Suchergebnissen verlangen, sondern einfache Antworten auf ihre Fragen. Genau die werde Facebook eines Tages liefern können. Wann es so weit sein wird, lässt er offen. Nur soviel: Schon jetzt arbeite ein Team an einer eigenen Facebook-Suchmaschine.

Die Anleger nahmen Zuckerbergs Auftritt dankbar auf. Die Papiere stiegen um fünf Prozent auf über 20 Dollar – immer noch weit unter dem Ausgabekurs von 38 Dollar. Dass jedes seiner Worte von Analysten auf die Waagschale gelegt wird, ist der Preis für die Milliarden, die der Mittzwanziger beim Börsengang einstreifen konnte. Ob es noch Spaß macht, wird Zuckerberg am Ende gefragt. Spaß sei zur Nebensache degradiert worden, die Mission stehe im Vordergrund, sagt er. Und die Euphorie, an der er im Vorfeld verdient hat, ist ihm heute lästig: „Ich hätte es lieber, wenn wir unterschätzt würden“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)

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18 Kommentare

Kein Fehler

Fehler haben die gierigen, mittlerweile unglaubwürdigen Investoren und Anleger gemacht.
Recht so. Farkas hätte gesagt: Ich freu mich.
Die Geldhaie sollten endlich wieder begreifen dass nicht dubiose Finanzwerte, sondern Firmenwerte mit Substanz die richtigen Anlagen sind.
Die allwissenden Investoren haben sich von einem Buben über den Tisch ziehen lassen. Ich kann meine Genugtuung nicht verbergen.

Kein Fehler

Fehler haben die schmierigen, gierigen Investoren und Anleger gemacht.
Farkas würde sagen: Ich freu mich.

Gast: Argesauge
13.09.2012 07:29
0

Hmmm

der bursche hält die leut weiter am schmäh

er hat sie abgezockt

es war einfach nur die schiere GIER

Re: Hmmm

Die sind aber selbst schuld. Gierig sind wohl auch jene, die glauben an der Aktie anständig verdienen zu können.

Wenn er mit dem Schmäh einige zig Milliarden Dollar einsackeln kann, hat sich wohl der Aufwand gelohnt ;-) Ich verdiene mein Geld nicht so leicht.

Gast: fratzenbuch
12.09.2012 20:12
1

WEnn man mir erzählt ein 24 jähriges Bürschchen hätte in der Studentenbude

facebook "entwickelt" - kostet mir das neen Lacher...

Das ganze Projekt ist klar gründlich geplant, von und mit Geheimdiesnthilfe, und wurde in den 50.000 Monopol-"freien" Medien gleichzeitig propagiert - mit enormeM Aufwand.
Die eigentlichen Entwickler der fb-site wurden mit 80 Mio. Dollar rausgekauft.

Das ganze ist von einer finanzstarken und grossen Organisation aufgebaut worden.

Dass die "Erfinder" (in Wirklichkeit wohl Strohmänner) von gugl und facbook "auserwählte" sind hat wohlh auch ne Bewandtnis.

Aber - dass da Geheimdienste dahinter stecken und dass da ganz grosse Schiene gefahren wird, das kann man sich an den Grössenordnungen vorstellen, denn wie hätten auf einmal hundertre Millionen Menschen gleichzeitig sich für diese Site interessiert?

In Russland, wo die west-monopol-medien nicht so unbeschränkten Zugang haben wie bei uns ist auch gugl+fatzbook weniger bekannt - man sieht ganz klar die politsiche KOmponente.

Es geht um Geld (werbeeinnahmen) und Bespitzelung der halben Welt; die Stasie musste noch aktiv ermitteln - die die fatzbook betreiben kriegen dagegen die Information frei haus...

GEnial!

Antworten Gast: dsfsdf
12.09.2012 21:22
2

Re: WEnn man mir erzählt ein 24 jähriges Bürschchen hätte in der Studentenbude

ich weiß zwar nicht welche drogen du nimmst, aber nimm besser nur mehr die hälfte davon.

du scheinst dich ein deiner selbst erstellten scheinwelt ja recht wohl zu fühlen, so viel erfundenen schwachsinn in einem einzigen posting habe ich noch nie gelesen.

wenn dir facebook nicht gefällt ein kleiner tipp: einfach kein profil anlegen ;-)

und wenn du tatsächlich aktien gekauzft und nun verloren hast dann kannst du einem fast leid tun, denn das diese aktien ein flop werden mussten, hat sogar jedes kindergartenkind voraussagen kennen. aber bei der gier schaltet anscheinend das hirn aus, genaus wie beim herrn zuckerberg, der von seinem pubertären größenwahn nun ziemlich hart wieder am boden der realität aufgeprallt ist.

also wie gesagt, nimm nur mehr die hälfte von dem zeugs das du dir reinziehst ... dann werden die grünen männchen in deinem zimmer auch weniger.

Re: Re: WEnn man mir erzählt ein 24 jähriges Bürschchen hätte in der Studentenbude

Ich glaube nicht, dass diese Einschätzung ganz falsch ist.

Gast: nina blum
12.09.2012 18:36
0

Natürlich ist er enttäuscht, dass er nicht für 150 Dollar die Schrottaktie an den Dodel gebracht hat!

Gut dass er kein Eigentümer mehr ist, sondern nur mehr den Erlös hat.

Oooh, Bubu

Das Bild ist herrlich. Spricht mehr als 1000 Worte. Wird Zeit, dass der Typ erwachsen wird und ordentlich wirtschaftet. Die Privatsphäre anderer öffentlich machen und das Verhalten der Menschen zu Geld ist unethisch und wenig nachhaltig. Was hat die Menschheit davon?

Re: Oooh, Bubu

nicht er macht private details öffentlich sondern jeder einzelne der private details in fb postet! nicht er entscheidet was du über dich preis gibst sondern du alleine. was kann er dafür wenn jemand so blöd ist und private daten öffentlich macht!

Gast: ROTFRONT
12.09.2012 11:29
1

Das muss echt hart sein! Man hat ein Unternehmen, verkauft es um ein dutzend Milliarden an der Börse und dann ist auf einmal das Geld futsch!

Aber einen Trost gibt es ja für den Zuckerberg. Es ist jetzt nicht mehr sein Geld, sondern das der anderen. Und ER hat das Geld der anderen..........
Naja, er kann ja die Aktien um 15 Euro wieder zurückkaufen und dann wieder steigen lassen und sie dann wieder verkaufen. Haben alle was davon.
LOL!
Wie die RAIKA International es seit Jahrzehnten macht.

Gast: immer das gleiche spiel
12.09.2012 09:35
0

nachzulesen bei meinl V.



Gast: Gääähn
12.09.2012 08:52
3

Facebook

Facebook ist nicht mehr und nicht weniger als eine elektronische Sandkiste, wo Menschen mit elektronischen Seifenblasen spielen. So etwas hat keinen Wert und wird nie einen Wert haben, ausser Bespiezelung und handeln mit Daten von Menschen die nicht mehr und nicht weniger sich austauschen wollen. Jeder der bei Facebook angemeldet ist, ist selber schuld.

Re: Facebook

Es gibt Leute, die sind mit blödem Kaugummi steinreich geworden. Es ist ja nicht die Frage ob etwas sinnvoll ist, sondern wieviele Leute das haben wollen.

Re: Facebook

das facebook auf der börse überbewertet ist, daran hat keiner einen zweifel. aber es schreibt gewinne in millionenhöhe. ich würde nicht behaupten, es sei nichts wert!

Antworten Antworten Gast: Gääähn
12.09.2012 21:25
0

Re: Re: Facebook

Leider hat die Gehirnwäsche bereits Millionen von Menschen erreicht. Und täglich werden es mehr.

Re: Re: Re: Facebook

Ich glaube das nicht, ich glaube, dass Facebook mit dem Börsengang massiv an Image verloren hat und dass die User eher zurückgehen oder zumindest weniger stark aktiv sind.

Es ist an sich kein Kunststück so hohe Teilnehmerzahlen zu bekommen, weil man nur schwierig etwas auf einer Facebook-Seite sehen kann, wenn man nicht angemeldet ist.

Da ständig was zu Facebook verlinkt ist, melden sich die allermeisten - vermute ich - einfach nur deswegen an, um dort Seiten aufrufen zu können. Ich habe keinen Account dort und wenn ich einen Link anwähle, dann sehe ich nur die Login-Felder.

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