Wien/Höll. Die Bawag dürfte den seit 2010 laufenden Sparkurs noch einmal verschärfen. „Das Programm wird gerade re-evaluiert“, sagte eine Bawag-Sprecherin am Dienstag. Auf eine konkrete Zahl will sie sich nicht festlegen. 2010 hatte das Institut bekannt gegeben, sich bis 2013 von 500 Stellen zu trennen. Davon sind bislang 330 abgebaut worden.
Gerüchten zufolge sollen dem Sparstift weitere 200 Jobs zum Opfer fallen. Damit wären in Summe 700 Mitarbeiter betroffen. Dies würde fast einem Fünftel der Belegschaft entsprechen. Der Betriebsrat ist nach eigenen Angaben zwar informiert, dass ein weiterer Abbau bevorsteht. Die genaue Anzahl sei ihm auch nicht bekannt.
Stärkung des Kapitalpolsters
Bereits Ende August hatte „Die Presse“ berichtet, dass die Bawag zur Stärkung des Kapitalpolsters den Verkauf der Leasingtochter mit einem Geschäftsvolumen von 1,3 Mrd. Euro prüft. Am Dienstag meldete die „Wiener Zeitung“, dass das Firmenkundengeschäft mangels Profitabilität weitgehend geschlossen werde. Der Eigenhandel des Instituts werde ebenfalls weitgehend aufgegeben.
Eine Bawag-Sprecherin bestätigte zwar, dass der Eigenhandel zurückgefahren werde, aber das Firmenkundengeschäft bleibe bestehen.
Die Bawag gehört dem US-Finanzinvestor Cerberus. In Finanzkreisen wird vermutet, dass die Amerikaner die Wiener Bank mittelfristig verkaufen werden. Allerdings waren in der Vergangenheit solche Gerüchte vom Bawag-Vorstand dementiert worden.
Cerberus scheint sich mit dem Institut verspekuliert zu haben. Vor Ausbruch der Finanzkrise kauften die Amerikaner dem Gewerkschaftsbund die Bawag ab. Gemeinsam mit einigen Minderheitsaktionären (wie der Österreichischen Post, Generali und Wüstenrot) zahlte Cerberus dafür 3,2 Mrd. Euro. Doch dann kam die Finanzkrise. Die Eigentümer schossen 2009 rund 205 Mio. Euro nach. Weitere 550 Mio. Euro kamen vom österreichischen Staat, dafür muss die Bawag jährlich acht Prozent Zinsen zahlen. Wann das Institut die Staatshilfe zurückzahlen wird, ist unklar.
Es gilt als unwahrscheinlich, dass Cerberus ohne Verluste aus der Bawag aussteigen kann. Medienberichten zufolge soll der US-Finanzinvestor einen Teil der Bawag-Aktien schon an Großbanken (wie Goldman Sachs) verpfändet haben.
Aus Osteuropa hat sich die Bawag zurückgezogen, sie konzentriert sich in Österreich primär auf den Retailbereich – gemeint ist das Massengeschäft mit Privatkunden. Wichtig dabei ist eine Kooperation mit der Post. Demnach kann die Bawag ihre Produkte in den Postämtern anbieten.
Probleme mit Linz
Wie andere Banken auch, ist die Bawag verpflichtet, riskante Geschäfte künftig mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Da Cerberus offenbar nicht bereit ist, dem Institut weitere Mittel zur Verfügung zu stellen, wird jetzt an Sparmaßnahmen gearbeitet. Die Bawag macht zwar keine Verluste mehr, doch im Vergleich zur Bank Austria, Erste Group und Raiffeisen sind die Ergebnisse nicht gerade überzeugend. Im ersten Halbjahr 2012 sank der Vorsteuergewinn um 13,9 Prozent auf 78,9 Mio. Euro.
Ein Problem ist der Konflikt mit der Stadt Linz über ein Devisengeschäft. Linz stellte 2011 nach Verlusten alle Zahlungen ein. Die Bawag klagte 417,7 Mio. Euro ein. Man habe für den Rechtsstreit vorgesorgt, heißt es. Details dazu werden nicht bekannt gegeben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)

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