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Russlands Börse kommt aus der Mode

25.09.2012 | 17:37 |  von unserem Korrespondenten Eduard Steiner (Die Presse)

Russland konnte vor Kurzem zwar erfolgreich Aktien und Anleihen platzieren. Die Kursentwicklung an der Börse und Mittelzuflüsse in Fonds bleiben aber bescheiden. Russland hat an Attraktivität eingebüßt.

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Moskau. Unverhofft kommt nicht oft. Aber wenn, dann wird umso mehr gefeiert. Schließlich musste Russlands größte und staatliche Bank Sberbank seit den ersten Plänen für ihre Teilprivatisierung zwei Jahre lang warten, bis sich vorige Woche ein schier optimales Fenster dafür auftat. Binnen zweier Tage waren dann 7,6 Prozent der Staatsanteile für 5,2 Mrd. Dollar verkauft. Staat, Bank und auch viele Analysten waren in Feierlaune. Kremlchef Wladimir Putin verstieg sich gar zum Vergleich mit Apple.

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, unbegrenzt Anleihen zu kaufen sowie die aktivierte Notenpresse in den USA bewirkten das relativ günstige Zeitfenster. Das nützten auch andere russische Unternehmen. So begaben Stahlkonzerne Anleihen zu rekordverdächtig günstigen Konditionen. Die Elektronikhandelskette M.video platzierte binnen eines Tages zehn Prozent der Aktien.

Und angeblich schon nächste Woche öffnet die elftgrößte Bank Promsvjazbank das Orderbuch für ihren Börsengang. Ist Russland also zurück auf dem Schirm der Investoren? Nicht unbedingt. Denn wie die Entwicklung der eigenen Leitindizes zeigt, schwächelten sie vorige Woche im Vergleich mit anderen Teilen der Welt, besonders mit Schwellenländern. Die Moskauer MICEX-Börse schloss binnen einer Woche um 2,5 Prozent leichter bei 1496,7 Punkten, während der Dow Jones um 0,1 Prozent und der S & P um 0,38 Prozent nachgaben. Auch am Dienstag notierte der Index deutlich unter der 1500-Punkte-Marke, über die er Mitte September erstmals nach dem Einjahrestief von Mitte Mai geklettert war. Das hatte auch mit der vorwöchigen Korrektur des Ölpreises zu tun.

Der Ölpreis ist freilich nur der Indikator an der Oberfläche. Tiefer unten schlummert das Misstrauen der Investoren. Vor allem im Vergleich mit anderen BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) zeigt sich, dass Russland nicht mehr die erste Adresse ist. Zwar hat sich angesichts der globalen Euphorie auch für Russland der Trend umgekehrt, und nach vorherigen Geldabflüssen haben auch die auf Russland ausgelegten Investmentfonds in der Vorwoche einen Geldzufluss verzeichnet. Mit 91,7 Mio. Dollar (inklusive Mischfonds sind es 307 Mio. Dollar) hat Russland laut Investmentfond-Statistik von „EPFR Global“ nur einen Bruchteil jener Gelder erhalten, die Fonds in den Schwellenländern an sich gezogen haben. Größter Nutznießer war Brasilien, das 802 Mio. Dollar an Land zog. Die Optimismuswelle sei noch nicht auf Fonds in Russland übergeschwappt, schreiben die Analysten von „Uralsib Capital“: Russland würde aber generell einen globalen Trend immer erst zeitversetzt abbilden.

Russland büßt an Attraktivität ein

Aber Russland hat laut EPFR–Statistik überhaupt seit Beginn der Finanzkrise an Attraktivität unter den BRIC-Staaten eingebüßt. Solange es sein Rechtssystem nicht in Ordnung bringe, entfalte es sein Potenzial nicht, meint auch Mark Mobius, Chef von Tempelton Emerging Markets Group. Die politische Situation wird indes nicht mehr also so instabil betrachtet wie noch vor einem halben Jahr.

Generell bleiben russische Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fünf günstig bewertet (China: elf, Brasilien: 18). Und auch die kauffreudige Mittelschicht gibt Anlass zu Optimismus. Leuchtturm auf dem Bankensektor bleibt die Sberbank, auf dem Retailsektor etwa die Kette „Magnit“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2012)

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