Wien/Weber. Die Chefs von österreichischen Unternehmen, die im Prime Market der Wiener Börse notieren, haben im vergangenen Jahr deutlich mehr verdient als 2010. Im Schnitt verdienten die Vorstände pro Person 870.000 Euro (plus neun Prozent), wie der Interessenverband der Anleger (IVA) ausgerechnet hat. Der gesamte Vorstand kostete im Schnitt 3,9 Mio. Euro und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr.
Am meisten bekamen die Vorstandsmitglieder von Voestalpine und Andritz, nämlich 2,13 Mio. Euro. Am zweitbesten verdienten die Chefs der Raiffeisen Bank International (knapp 1,4 Mio. Euro), gefolgt von der Strabag und der OMV (je rund 1,3 Mio. Euro). „Die Vorstände haben von den überraschend guten Ergebnissen 2011 mit einer überdurchschnittlichen Steigerung der Bezüge profitiert“, kommentiert IVA-Geschäftsführer Wilhelm Rasinger die Zahlen. Allerdings bestehe immer noch „ein deutlicher Abstand zu vergleichbaren deutschen Unternehmen“.
Weniger Gewinne, mehr Gehalt
Die Aufsichtsräte verdienten im Schnitt 13 Prozent mehr, allerdings gab es große Unterschiede. „Die Aufsichtsratsvergütungen korrelieren nicht mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen. Es gibt bei einzelnen Unternehmen beträchtliche, oft nur schwer nachvollziehbare Unterschiede“, so Rasinger. Die teuersten Aufsichtsräte leistet sich die Erste Bank, gefolgt von Conwert und Intercell.
Nach Ansicht der Arbeiterkammer sollte bei den Vorstandsgehältern die Bremse gezogen werden. Die Zahlen des IVA seien für AK-Präsident Herbert Tumpel „schon wieder ein Argument für eine Neuregelung der Managergagen“. Die Arbeitnehmervertretung fordert, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Managergehältern bei 500.000 Euro endet. Außerdem sollten Boni mit maximal 30Prozent der Grundgehälter begrenzt sein. Das Jahr 2011 war für die heimische Wirtschaft noch recht gut gelaufen. Das Bruttoinlandsprodukt kletterte um 2,7 Prozent. Allerdings verdienten die ATX-Unternehmen um 60 Prozent weniger als im Jahr zuvor.
Dabei verzerrt jedoch die Erste Bank das Bild, denn sie hat aufgrund eines Einmaleffekts einen Verlust von 800 Mio. Euro erzielt. Um diesen Effekt bereinigt, lag das Gewinnwachstum laut Erste-Analyst Günther Artner bei minus fünf Prozent. Für den ATX war 2011 jedoch kein gutes Jahr. Er schloss am Ende mit einem Verlust von über 30 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)
Gagenkaiser: Welche ATX-Vorstände am meisten verdienen






Wenn Ökonomen irren ''Nach Öl bohren? Verrückt''
KreativDie Welt der Werbung
Cash-KaiserDiese Firmen horten am meisten Bargeld
''Plagiarius''Dreisteste Fälschungen ausgezeichnet