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Haftet Österreich für Bayern-Kredite?

27.09.2012 | 18:26 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Laut EU-Bescheid hat Österreich bei der Hypo-Verstaatlichung Milliardengarantien für Kredite der Bayerischen Landesbank übernommen. "Das war nicht beabsichtigt", kontert Österreich.

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Wien. Immer mehr Experten sind der Ansicht, dass Österreich von der Bayerischen Landesbank bei der Hypo-Verstaatlichung über den Tisch gezogen wurde. Die Bayern gaben Ende 2009 ihren Anteil an dem maroden Kärntner Institut zum symbolischen Preis von einem Euro ab. Zusätzlich gewährten die Deutschen der Hypo eine bis 2013/2014 befristete Finanzspritze von 2,6 Mrd. Euro.

Für das Geld müssen die Österreicher der BayernLB jedes Jahr Zinsen zahlen – 2011 waren es rund 60 Mio. Euro. Nach Ansicht der EU gewährte Österreich für die 2,6 Mrd. Euro auch noch eine Staatsgarantie. Das bedeutet, dass die Bayern das Geld in jedem Fall zurückbekommen. Diesen Sommer hat die EU diese Garantie genehmigt – und dagegen setzt sich Österreich nun zur Wehr.

Österreich wurde überrascht

Konkret verklagte die Republik die EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof. In der Klagsschrift, die der „Presse“ vorliegt, heißt es, Österreich sei vom Beschluss der EU-Kommission über die Beihilfe überrascht worden. Man sei zu diesem Thema nicht befragt worden. Österreich habe „zu keinem Zeitpunkt“ eine Unterstützung für die BayernLB beabsichtigt. Es sei nie die Intention gewesen, die im 94-prozentigen Eigentum des Freistaates Bayern stehende Landesbank „mit Geld des österreichischen Steuerzahlers zu subventionieren“. Und eine solche Subvention habe es auch nicht gegeben. Das wirtschaftliche Risiko sollte „nach dem eindeutigen Wortlaut des Aktienkaufvertrags“ bei der BayernLB als Altaktionär bleiben.

Die Klage hat einen tieferen Grund: Österreich prüft, ob man die von den Bayern zur Verfügung gestellten 2,6 Mrd. Euro, die noch immer in der Hypo liegen, behalten kann. Damit wäre für das Finanzministerium ein Problem gelöst. Jüngst ergab eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht, dass das Klagenfurter Institut wegen des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und der vielen faulen Kredite einen weiteren Zuschuss von 2,2 Mrd. Euro braucht.

Die Juristen des österreichischen Staates fahren gleich an mehreren Fronten schwere Geschütze gegen die Bayern auf: So wird auch erwogen, die BayernLB wegen Täuschung zu klagen. Damit könnte Österreich erreichen, dass die Hypo-Verstaatlichung rückgängig gemacht wird.

Behält die Hypo die Milliarden?

Zudem betont Österreich in der jetzigen Klagsschrift, dass man seit Sommer 2012 Anhaltspunkte habe, aus denen abgeleitet werden könne, dass es sich bei den 2,6 Mrd. Euro nicht um ein herkömmliches Darlehen, sondern um Eigenkapitalersatz handeln würde. In diesem Fall brauchte die Hypo das Geld nicht zurückzahlen. Denn der Sinn von Eigenmitteln ist es, dass sie der Bank jederzeit für die Risiko- und Verlustabdeckung zur Verfügung stehen. „Die Frage, ob die gegenständlichen Darlehen Eigenkapitalersatz darstellen, ist und wäre ohne Zweifel von Relevanz für die Beihilfenentscheidung der Europäischen Kommission gewesen“, heißt es. Unabhängig davon hat die Hypo ein Gutachten in Auftrag gegeben, ob sie die Milliarden an die BayernLB behalten kann.

Ein BayernLB-Sprecher wollte sich zur Klage nicht äußern. Mit Blick auf die Milliardenkredite hatte ein Sprecher in der Vergangenheit gesagt, die BayernLB gehe davon aus, dass die Hypo das Geld vertragskonform zurückzahlen werde. Der Vorwurf der Täuschung wird zurückgewiesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2012)

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19 Kommentare
Gast: walter stein
19.10.2012 10:05
0 0

Hypo-Alpe-Adria

Seit wann zahlen zivilisierte Banken ihre Kredite bei Geldgebern nicht zuück? Was sind das für Räuber-und Gaunermethoden. Aber es paßt halt in das Bild das der verstorbene Haider schon immer abgegeben hat.
Oesterreich wäre mit Kärnten fein heraus, aber so gehts nicht!

Das war sicher. .....

.. auch der Haider, der sich über den Tisch ziehen ließ.

2 0

Österreich wurde überrascht

Dieser Satz begeistert mich am meisten, und zeigt, dass nicht alle Szenarien durchgedacht waren.
Alleine dafür gehört sollteb sich Verantwortlichen in Grund und Boden schämen.

Gast: Zyni
28.09.2012 08:49
3 0

Der Joschi

war immer schon ein Vollpfosten, daher darf er jetzt im Raiffeisen Ausgedinge ein paar (!) Jahre die Klostersuppe schlürfen, bevor er endgültig in die NÖ Landesregierung verschoben wird.

Das sollte einfach zu klären sein.

1. muss es da wohl einen Darlehensvertrag geben und
2. muss das ja entsprechend verbucht und in den Büchern entweder als Darlehen oder als Eigenkapital ausgewiesen werden.
3. wird bekanntlich in einer Bank ein MAUS (=Monatsausweis) sowie ein QUAB (= Quartalsbericht) und bekanntlich ja sogar eine Jahresbilanz erstellt. Sämtliche dieser Berichte gehen an die Finanzmarktaufsicht und die Nationalbank. Auch da drinnen ist ersichtlich, ob dieses Geld den Eigenmittel zugerechnet wurde oder nicht. Also sollte man schon wissen, wo die Kleinigkeit von 2,4 Mia. hingehört. Naja, Hauptsache man kann durch das nochmalige Coupieren der Invaliditätspension für die Ärmsten der Armen bis 2018 EUR 300 Mio. einsparen. Was für eine soziale Politik.

4 0

oesterreich

da wird was unterschrieben,haftungen in miliarden hoehe und dann sagen sie es war nicht mit absicht!! da bleibt einem das hirn stehen sind da lauter voll....... am werk?
aber wir haben es ja
gibts noch a bank die geld braucht kein problem der oesterreicher hat ja genug.
nur fuer bildung
fuer die pensionisten die unser land aufgebaut haben , fuer unsere jugend,na fuer die haben wir kein geld da muessen wir sparen da haben wir auf einmal kein geld mehr. diese verlogenen politmarionetten haengen mir zum hals raus


Gescheit war die Notverstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria ganz sicher nicht, auch wenn Josef Pröll dazu keine Alternative sah

Ich habe noch die Rechtfertigung im Ohr, mit welcher der damalige Finanzminister und ÖVP-Obmann, der Josef Pröll, die unbedingte Notwendigkeit der Notverstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria zu begründen versuchte. Es gäbe dazu keine Alternative, meinte er damals, und fasste über Nacht den weitreichenden Entschluss, der uns noch lange beschäftigen wird.
Das bedeutete auch, dass Josef Pröll und seine Berater kritische Stimmen gar nicht hören wollten. Der emeritierte Professor der Nationalökonomie der Universität Wien, Professor Streissler, war einer von ihnen. Ihm ist es wie vielen anderen auch bis heute ein Rätsel geblieben, warum die Notverstaatlichung der Kärntner Bank überhaupt zwingend erforderlich war. Man hätte sie ohne weiteres sich selbst überlassen und in den Konkurs treiben lassen können.
Dem Josef Pröll kam gerade noch rechtzeitig eine Krankheit zupass, um ihm einen Vorwand zu liefern, sich von der Politik verabschieden und unter den Schutz des Giebelkreuzes von Raiffeisen flüchten zu können. Dort übernahm er eine gut dotierte Leitungsfunktion um die andere. Recht stressig können die alle nicht sein, sonst könnte er sie auch gesundheitlich nicht durchhalten, besser bezahlt sind sie mit Sicherheit allemal noch.
Was er uns aber als Politiker angetan und uns an Schulden aufgehalst hat, an denen möglicherweise unsere Kinder und Kindeskinder noch kiefeln werden, das kümmert aus einem ganz banalen Grund niemanden mehr. Dummheit ist eben nicht strafbar.

Antworten Gast: Hubertus
28.09.2012 12:07
0 0

Re: Gescheit war die Notverstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria ganz sicher nicht, auch wenn Josef Pröll dazu keine Alternative sah

War nicht einer der Gründe, daß bei einem Konkurs der HypoAA u.U. auch Raiffeisen(über die Einlagensicherung) in Anspruch genommen worden wäre? Wenn das stimmt,dann bekommt das Ausgedinge des Kartoffelbauern bei Raiffeisen ein "Gschmäckle". Dies umsomehr als die Leipnik Lundenburger jahrelang mit zwei Vorstandsmitgliedern ausgekommen ist.

Re: Gescheit war die Notverstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria ganz sicher nicht, auch wenn Josef Pröll dazu keine Alternative sah

Richtig; er hat keine Alternative gesehen. Weil er ob seiner Inkompetenz derartiges nicht sehen bzw. durchdenken kann.

2 0

ja

nehmen diese GUTEN Geschäfte kein Ende?

Gast: Terom
27.09.2012 20:23
1 0

Man sollte schon dazu sagen,

dass Österreich es war, das die Bewilligung der Beihilfe per Schriftsatz in Brüssel beantragt hat! Nun simma überrascht, dass sie bewilligt wird wie beantragt ......

Gast: Dr. Zyn
27.09.2012 20:09
3 0

Aktion CSI

Hatte seinerzeit den Eindruck, dass Pröll und Molterer die Hypo unbedingt haben wollten, damit sie möglichst viel Belastendes Material gegen die Freiheitlichen schürfen könnten. Stichwort CSI

Gast: moltopröll
27.09.2012 20:05
2 0

über den Tisch gezogen

Was ist eine Finanzspritze? (Suchtgefahr?)

60 Mio Zinsen? Zinsen zahlt man für einen Kredit.

Zitat
Nach Ansicht der EU gewährte Österreich für die 2,6 Mrd. Euro auch noch eine Staatsgarantie.
+++++++++++++++++
Aha, ist eine Staatsgarantie Ansichtssache, oder muss man da einen Wisch unterschreiben, wo das draufsteht?

Zitat
...dass man seit Sommer 2012 Anhaltspunkte habe, aus denen abgeleitet werden könne, dass es sich bei den 2,6 Mrd. Euro nicht um ein herkömmliches Darlehen, sondern um Eigenkapitalersatz handeln würde.
+++++++++++++++++++

Entschuldigung, geht's noch? Welche Sumper sind denn da am Werk? Hätti - wari, bei 2,6 Mrd.?
Unglaublich!

Aber gut, man macht auch einen Musikerjournalisten zum ESM Direktor, da versteht man dann schon besser...

Re: über den Tisch gezogen

Ganz so simpel ist das nicht. Da müssen Sie schon das BWG (insbesondere § 23 Abs 3 4 und besondere 8 und 8a) und - um ein gewisses Grundverständnis zu bekommen am besten vorweg das Aktiengesetz lesen (und verstehen). Achtung: das ist selbst für spezialisierte Juristen komplex. Daher kann man über dieses Thema sehr wohl (vor Gericht) streiten. Und ich würde das im Sinne der Republik auch tun, die Chancen sind aus meiner Sicht besser als 50%.

Antworten Antworten Gast: Ich gebe Ihnen Recht
19.10.2012 23:32
0 0

Re: über den Tisch gezogen

allerdings müssen Sie zugeben, dass die ganze Vorgangsweise nicht gerade von österreichischer Professionalität zeugt. Oder? Und zwar weder von Kärntner Seite als auch von der Seite des Finanzministeriums.

2 1

der pröll und der molterer,

haben die gaunereien mit der hypo zu gunsten raiffeisens durchgedrückt.
jetzt soll die övp den schaden begleichen, den die zwei kriminellen nullnummern angerichtet haben!

Re: der pröll und der molterer,

Wenn man schon dieses Thema anschneidet fragt sich doch, warum Pröll und Konsorten nicht dafür gesorgt haben, dass die Hypo von Raiffeisen übernommen wird. Das wurden die Hypos Steiermark, Oberösterreich und Salzburg ja schließlich auch....Aber es macht sich nun einmal besser, wenn man ultima ratio bei Dingen, bei denen ein Riesendesaster vorprogrammiert ist, den Steuerzahler zahlen läßt und nicht an dem Ast sägt, auf dem man sitzt.

Re: der pröll und der molterer,

Da würde ich doch den Herren eine KLage wegen übler Nachrede empfehlen.

Re: Re: der pröll und der molterer,

Warum sind Politiker sehr zurückhaltend mit solchen Klagen? Warum wohl?

Außer in Fällen wo es um gefärbtes Haupthaar geht, wäre der Wahrheitsbeweis meist erdrückend!