Wien/Es. „Less risk, more fun“ – diesen Titel trägt ein neues Spiel für Jugendliche ab zwölf Jahren, das am Montag vom Verband der österreichischen Versicherungsunternehmen (VVO) vorgestellt wurde. Auf 90 Rollenkarten wahlweise auf Deutsch oder Englisch sollen möglichst „lebensnahe“ Situationen Jugendliche dazu anregen, sich mit Risikosituationen auseinanderzusetzen. Zum Beispiel damit: „Tamara geht mit ihrem Hund Sido spazieren. Er läuft plötzlich davon, springt einen Jogger an und beißt ihn ins linke Bein.“
In einem ersten Schritt sollen die Jugendlichen die Risken der Situationen bewerten und darüber diskutieren, wie sich diese vermeiden oder minimieren lassen. In einem zweiten Schritt ist Wissen darüber gefragt, ob man sich dagegen versichern kann, welche Kosten die (in diesem Fall Hundehaftpflicht-)Versicherung trägt und welche nicht. Entwickelt wurde das Spiel von der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems (KPH). „Less risk, more fun“ wird vom VVO in einer Erstauflage von 3000 Stück vertrieben, ist aber nicht im Handel erhältlich. Die Hauptzielgruppe sind Lehrer der Sekundarstufe I und II, die das Spiel gratis beziehen können.
„FMA kann nicht jeden warnen“
Unterstützt wird die Initiative auch von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). „Der Anteil der Versicherungswirtschaft an der gesamten Finanzwirtschaft wächst“, sagte OeNB-Chef Ewald Nowotny am Montag. Es sei wichtig, gerade auch im Finanzbereich das Gefühl der Eigenverantwortung zu schulen: „Man kann als Bürger nicht von der FMA (Finanzmarktaufsicht, Anm.) erwarten, vor jedem Risiko zu warnen.“ Man könne die FMA genauso wenig klagen, wenn ein Hochrisikoinvestment nicht funktioniert, wie man irgendjemanden klagen könne, wenn bei einem eingebrochen wird.
Der VVO reagiert mit dem Spiel auf die Ergebnisse einer Studie, die im Juli beim Marktforschungsinstitut GfK Austria in Auftrag gegeben wurde. Nur vier Prozent der Jugendlichen gaben an, sich in Versicherungsfragen auszukennen, 68 Prozent sagten, diese würden im Unterricht nicht thematisiert.
Ganz frei vom Geruch der Eigenwerbung ist die Initiative des VVO freilich nicht. Auch wenn keine einzelnen Versicherungsprodukte beworben werden – die Chance für die Versicherungsbranche, sich mit dem Spiel potenzielle Kunden heranzuzüchten, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Jugendliche sollen aber nur „für Risken ganz generell sensibilisiert werden“, wie die Sprecherin des VVO, Dagmar Hauser betont.
Im Unterrichtsministerium hieß es auf Anfrage der „Presse“, man habe von dem Spiel noch nichts gehört, werde dessen pädagogischen Nutzen aber prüfen. Generell seien Initiativen, die die Wirtschaftskompetenz der Schüler fördern, unterstützenswert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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