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Der Machtverlust der Erste Stiftung

02.10.2012 | 18:17 |  CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Erste Privatstiftung ist der größte Einzelaktionär der Erste Bank. Sie galt als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme des Instituts. Nun hat sie ihren Anteil reduziert.

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Wien. 2011 war für Erste-Bank-Chef Andreas Treichl ein schwieriges Jahr. Nach einem „Bilanzputz“ musste er mit 719 Mio. Euro den größten Verlust in der fast 200-jährigen Geschichte des Instituts bekannt geben. Die Aktionäre bekamen keine Dividende. Dies wirkte sich negativ auf die Erste Privatstiftung, Hauptaktionär der Erste Bank, aus.

Die Stiftung hat in der Vergangenheit Zukäufe von Aktienpaketen der Erste Bank fremdfinanziert und sitzt daher auf einem Schuldenberg von einer Mrd. Euro. In der Vergangenheit wurden die Verbindlichkeiten mit den Dividendeneinnahmen abgebaut, was diesmal nicht so einfach möglich ist. Daher hat die Stiftung nun 14 Millionen Aktien zum Kurs von 16,80 Euro pro Stück verkauft. Mit dem Erlös von 235 Mio. Euro sollen Kredite, die in den nächsten Jahren auslaufen, getilgt werden.

Die Stiftung wurde einst als Bollwerk gegen eine feindliche Übernahme der Erste Bank gesehen. Vor Ausbruch der Finanzkrise war sie mit mehr als 30 Prozent an Österreichs führendem Kreditinstitut beteiligt. Im Frühjahr 2012 verlor sie die Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie. Inzwischen wurde der Anteil auf 20,2 Prozent zurückgefahren. Aus dem Umfeld der Stiftung bemüht man sich, den Machtverlust herunterzuspielen. „Die Stiftung wird weiterhin der größte Aktionär bleiben“, hieß es am Dienstag.

(c) DiePresse

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Spanier bauen Anteil aus

Im Stiftungsvorstand sitzt Erste-Bank-Chef Andreas Treichl. Diese Doppelfunktion sorgte für Kritik. Bei der Hauptversammlung im Mai forderte der kritische Investor Rupert Heinrich Staller, dass Treichl als Stiftungsvorstand zurücktritt. „Die Bank braucht Sie heute, die Stiftung kann warten, bis Sie in Pension sind“, so Staller.

Während die Stiftung an Einfluss verliert, ist es Treichl in den vergangenen Jahren gelungen, andere Investoren von seiner Strategie zu überzeugen. Zu ihnen zählen die österreichischen Sparkassen und die spanische Caixa Bank. Zwar ist die Erste Bank derzeit kein Übernahmekandidat. Falls es dennoch einmal zu einem Übernahmeversuch kommt, kann die Stiftung bei Abwehrmaßnahmen vermutlich auf die Hilfe der Sparkassen und der Caixa Bank zählen. Die Caixa Bank ist von den Problemen in Spanien nicht betroffen. Sie hat ihren Anteil an der Erste Bank jüngst auf knapp unter zehn Prozent ausgebaut.

Die Erste Privatstiftung hat im Wesentlichen zwei Aufgaben: Sie soll die Entwicklung der Erste Bank in Österreich und in Osteuropa unterstützen und ist zudem zu gemeinnützigem Handeln verpflichtet. Auf Grund der Finanzlage wurde jedoch das Budget für gemeinnützige Zwecke leicht reduziert. Neue Großprojekte gibt es nicht. Die weitere Entwicklung dürfte davon abhängen, wie viel die Erste Bank in den nächsten Jahren an Dividenden ausschütten wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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3 Kommentare
Gast: Wirtschaftler
03.10.2012 11:55
0 0

Au weh !

Nachdem ja aus der Grafik hervorgeht, dass eine spanische Bank mitdrinnen hängt, kann man sich ausmalen, Natürlich ist es ein Leichtes, sich mehr Aktien zu kaufen, nachdem der Preis am Boden ist(Caixa Bank)- nur etwas Wert ist dieses Paket nicht. Da kann man dementieren, was man will. Die Vergangenheit hat ja gezeigt, dass immer- wenn Treichl etwas dementiert- genau das Gegenteil eintritt. Im August hat er noch großspurig von den besten Gewinnen gefaselt, jetzt sitzt er bereits auf einem Scherbenhaufen.
Als Kunde würde ich die Reißleine ziehen und mein Geld abheben.

zu gemeinnützigem Handeln verpflichtet

Das "gemeinnützige Handeln" wird offensichtlich auf die Abwehr eines unfriendly takovers reduziert. Die Erste ist - vor allem dank ungesicherter Kredite aus den Ostgeschäften - ein hoher Risikofaktor für Österreich geworden. Wie die Raiffeisen eben auch, durch die Ausfallshaftungen, die der Staat übernommen hat. Den Preis dafür bezahlen die Steuerzahler und Staatsbürger, über den dadurch erzwungenen Beitritt Österreichs zum ESM. Dieser hat u.a. auch einen massiven Demokratieabbau zur Folge.
Wie sieht es mit Ergebnisverantwortung aus, Herr Treichl? Ein Rücktritt wäre aus diesem Grund die längst überfällige Konsequenz!

Man vergaß nur zu erwähnen,

dass er 9 Tage bevor er den Verlust bekannt gab noch von einem Gewinn von ca. 800 Mio. Euro sprach (das war am 29.9.2011!). Das aber heißt, dass seine Quartalsberichte und Monatsausweise an die Nationalbank und die FMA schlicht falsch waren. Eigenartig nur, dass das keine Konsequenzen hatte, eigentlich hätte er seinen Rücktritt erklären müssen. Der Mann ist für diesen Job völlig ungeeignet.