19.05.2013 16:22 Merkliste 0

Facebook hat viel zu dick aufgetragen

12.10.2012 | 18:36 |   (Die Presse)

Aus dem Schriftverkehr mit der SEC vor dem Börsengang geht hervor, dass sich der Konzern viel zu positiv darstellte und seriöse Informationen nur auf Druck herausgab.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

New york/Bloomberg. Der Börsengang von Facebook im Frühsommer dieses Jahres war für die Aktionäre nicht nur der bei Weitem größte IPO-Flop an der Wall Street, es war wahrscheinlich auch die unsauberste Aktienemission der vergangenen Jahre. Es zeichnet sich nämlich immer mehr ab, dass das Social Network vor der Aktienemission nicht nur entschieden zu dick aufgetragen, sondern auch versucht hat, seine potenziellen Aktionäre über den wahren Zustand des Unternehmens zu täuschen.

Börsenaufsicht war skeptisch

Nach einem Bericht der US-Nachrichtenagentur Bloomberg hat sich die US-Börsenaufsicht SEC massiv darüber beschwert, dass sie schon vor dem Börsengang nur sehr zögerlich und bruchstückhaft informiert wurde. So hat Facebook beispielsweise am 1. Februar dieses Jahres beim Antrag für den Börsengang bei der SEC eine sehr optimistische Prognose eingereicht. Grundlage für diese Prognose war eine angebliche Studie des Marktforschungsinstituts Nielsen, in der die Effizienz von Werbung auch bei Freunden der Facebook-Kunden belegt wurde.

Freilich: SEC-Spezialistin Barbara Jacobs, die für die Börsenaufsicht die Unterlagen sichtete, hatte bei der Studie nach Eigenangaben den Eindruck, dass es sich dabei eher um Werbematerial als um eine tatsächliche Nielsen-Studie handle. Sie stellte daraufhin Facebook-Finanzvorstand David Ebersman vor die Wahl, die Studie samt einer Bestätigung von Nielsen entweder komplett im Original vorzulegen oder sie aus den Börsenunterlagen zu entfernen. Worauf Facebook alle Hinweise auf die angebliche Studie aus den Unterlagen eliminierte.

Der Vorgang ist nur einer von vielen Merkwürdigkeiten, die die SEC während der zweieinhalbmonatigen Vorbereitungszeit registrierte. Aus der Korrespondenz zwischen der SEC, Facebook und der von Facebook engagierten Anwaltskanzlei geht jedenfalls deutlich hervor, dass das Facebook-Management vor dem Börsengang Informationen nur sehr zögerlich preisgegeben hat, weshalb noch wenige Wochen vor dem IPO selbst über elementare Geschäftsbereiche nur gemutmaßt werden konnte.

Viele der Bedenken, die damals von der SEC geäußert wurden, seien unterdessen zu echten Problemen geworden, hieß es.

Beim für die Zukunft des Unternehmens wichtigsten Punkt, nämlich der Frage, ob das Unternehmen mit der stark steigenden Zahl der Handy-Facebook-Nutzer Geld verdienen könne, habe das Topmanagement bis zum Schluss essenzielle Daten zurückgehalten. Erst als die SEC den Druck dramatisch erhöht hat, seien diese Daten ganz knapp vor dem zum „Börsengang des Jahrhunderts“ hochstilisierten IPO zur Verfügung gestellt worden.

Kursziele zwischen 15 und 17 USD

Facebook war Mitte Mai zum völlig überhöhten Kurs von 38 Dollar an die Börse gebracht worden. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 107 war das Papier damals teurer als fast alle anderen im S&P-Index notierten US-Aktien. Nach einem kurzen Intraday-Anstieg auf knapp über 40 Dollar begann die Talfahrt, die erst bei weniger als der Hälfte des Ausgabekurses, nämlich bei 17,4 Dollar, gestoppt werden konnte. Derzeit notiert das Papier knapp unter 20, gilt aber als überbewertet. Analysten stufen das Kursziel unterdessen auf 15 bis 17 Dollar ein – und nähern sich damit der Einschätzung an, die „Die Presse“ schon beim IPO vertreten hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

16 Kommentare

schaut nicht auf Facebook! -

schaut auf STRABAG- da ist genau das gleiche abgegangen- der Kurs ist seit dem Börsengang unter jeder S.. - und Haselsteiner wurde damit sehr, sehr reich !

1 0

wer sich nicht informiert ist selber Schuld

es ist sicherlich nicht alles mit rechten Dingen zugegangen...aber jeder der sich Aktien kauft, sollte zumindest ein bisschen was davon verstehen...
und es gab genügend kritische Berichte und auch Daten...
Außerdem haben die meisten Leute spekuliert...mir kann Niemand erklären dass er nachhaltig in ein Internet startup Unternehmen investiert...der geht z.B. zu Nestle(kleine Rendite,usw...)
nur weil dieses mal wieder mehrere verloren haben sind nicht wieder die anderen Schuld...
oder wie oft hat sie schon ein Verkäufer darauf hingewiesen, dass eine Jeans um 200€ wohl weit über ihrem Wert verkauft wird....;)
schönen Sonntag euch allen:))

1 0

Wie kann Facebook was wert sein...

Facebook ist ein reines Internet-Unternehmen das in keinster Weise einen Gegenwert für die Aktien aufweisen, wie kann ein gesund denkender Mensch einem Unternehmen wie Facebook großen erfolg an der Börse prophezeien/versprechen/zutrauen...
da hat sich der Zuckerberg ja ma total verkalkuliert!!!!! EINFACH GELDGEIL!!!!!!

0 0

Re: Wie kann Facebook was wert sein...

Die Aktionäre haben sich verkalkuliert. Zuckerberg hat fürs Erste schon einmal ca. 1 Millarde USD in die Hand bekommen.

Re: Wie kann Facebook was wert sein...

"...da hat sich der Zuckerberg ja ma total verkalkuliert..."

Nun, aus Luft (Daten und Bildern fremder Menschen), schon bei der ersten Emmission 1,1Mrd$ einzustreichen, würde ich jetzt nicht unbedingt "verkalkuliert" nennen...

Gast: zylmurbafi
13.10.2012 19:51
0 0

tja, die börse lebt von den depperten und den gierigen.

beiden ist das gleiche los beschieden. sie bluten.

...sich der Konzern viel zu positiv darstellte und seriöse Informationen nur auf Druck herausgab...

Dieses Vorgehen man wie?

0 0

Re: ...sich der Konzern viel zu positiv darstellte und seriöse Informationen nur auf Druck herausgab...

was?

Re: Re: ...sich der Konzern viel zu positiv darstellte und seriöse Informationen nur auf Druck herausgab...

Was? Betrug.
Wie? Betrügerisch.
Selbstverständlich unschuldsvermutet und nur flüsternd unter Freunden, denn beweisen lässt sich das NIIIEEE...

Facebook hat viel zu dick aufgetragen

Typisch Amis. Alles nur Show.
George Bush hat uns auch von Massenvernichtungswaffen im Irak erzählt. Bis heute wurden sie nicht gefunden. :-)

Btw.: Kein Mitleid mit facebook Aktionären --> Dummheit gehört bestraft.

Antworten Gast: zylmurbafi
13.10.2012 19:54
0 0

Re: Facebook hat viel zu dick aufgetragen

die fleischlaberlfresser drohen den chintzs. sollten sie von diesen angegriffen werden gibts dann keinen tropfen erdöl mehr. na da brauchen sie vorerst keine sorgen haben. mit einem flugzeugträger kann man eine macht die zumindest 35 hat nicht angreifen. aber die zeit wird kommen. so in 20 bis 30 jahren.

Falsche Benutzerdaten obendrein

Mit sind Dutzende Fake Accounts bekannt.

3 0

;-)

...

Gast: gast1984
12.10.2012 20:44
5 0

SSKM wer dort investiert hat!


man hätte auf die Presse hören sollen!

deren Korrespondenten in New York sind unübertroffen!


2 4

Re: man hätte auf die Presse hören sollen!

Genau, österreichische Journalisten und Börseempfehlungen. AJa doch, wenn ich dann noch auf meine eigenen Verluste Wetten könnte, i wär a reicher Mann. ;-)