T-Mobile-Chef Bierwirth: „Die Branche ist kaputt“

T-Mobile will die Kosten radikal senken und die Tarife umgestalten. Der neue Unternehmenschef Andreas Bierwirth will sich von „All-inclusive-Tarifen“ und den hohen Subventionen für Handys verabschieden.

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Andreas Bierwirth – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien/Eid. Was Preisschlacht bedeutet, weiß Andreas Bierwirth nur zu gut. Schließlich war er jahrelang Vorstand der AUA und dort mit beinharten Kämpfen um Ticketpreise konfrontiert. Im Mobilfunk ist es genauso: „Die Branche ist kaputt“, lautet die Diagnose von Bierwirth, der nun T-Mobile Austria führt. Trotz steigender Nachfrage (vor allem nach schneller Datenübertragung) fielen Umsatz und Ertrag.

Der Chef des zweitgrößten heimischen Anbieters (nach der Telekom Austria) hatte am Mittwoch bei der Antrittspressekonferenz auch den Grund für die Misere parat: „Es gibt zu viele Betreiber, die sich einen Preiskampf sondergleichen liefern.“ Außerdem hätten sich in keinem anderen Land „All-inclusive-Tarife“ (Pauschaltarife für Sprache und mobiles Internet) so durchgesetzt wie hierzulande. Der extreme Datenanstieg sei nicht einkalkuliert worden.

Die niedrigsten Handytarife Europas nützten zwar den Kunden, die Unternehmen hätten jedoch kaum Geld für Investitionen – etwa in die LTE-Technologie.
Weil auch bei T-Mobile heuer Umsatz und Ertrag sinken (Bierwirth geht von einem einstelligen Prozentsatz aus), setzt der Deutsche den Rotstift an: Die Kosten sollen um rund 15 Prozent sinken. Das entspricht etwa 100 Mio. Euro. Kündigungen im großen Stil werde es nicht geben, jedoch einen „selektiven Jobabbau“, sagte Bierwirth. Freie Stellen sollen nicht nachbesetzt, Führungsstrukturen verschlankt und nicht unmittelbar zum Kerngeschäft gehörende Dienstleistungen ausgelagert werden. Außerdem erwartet sich Bierwirth einiges von Netzkooperationen und der Schärfung der Marke T-Mobile.

Vor allem aber will Bierwirth Schluss mit den „All-in-Tarifen“ machen. „T-Mobile wird der erste Anbieter sein, der damit aufräumt.“ Auch ein zweites Österreich-Spezifikum will er auf den Prüfstand stellen: die hoch subventionierten Gratishandys. „Es wird weiter billige Geräte geben, aber wir müssen bei den Modellen selektieren.“ Ob die Mitbewerber da mitziehen? Bierwirth weiß, dass das eine Gratwanderung ist und man sich nicht „aus dem Markt hinauspreisen“ könne. Überdies will er die Diskonttochter Tele.ring, die durch die Billiganbieter Bob (Telekom) und Yesss! (Orange) unter Druck geraten ist, besser positionieren.

Im Vorjahr hat T-Mobile mit 1400 Mitarbeitern 924 Mio. Euro umgesetzt. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei 253 Mio. Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) bei 84,45 Mio. Euro. 2013 soll sich der Umsatzverfall reduzieren. Durch eine Änderung bei den Terminierungsentgelten (die erhalten Betreiber für die Durchleitung von Gesprächen aus anderen Netzen) entgehen T-Mobile aber 40 Mio. Euro. 2014 soll sich der Umsatz dennoch stabilisieren, 2015 dann wieder ansteigen.

Schlacht um Frequenzen

Was die Versteigerung aller Funkfrequenzen betrifft, hat der T-Mobile-Chef einen Wunsch: „Faire Verhältnisse“. Sollte der geplante Kauf von Orange durch Hutchison („3“) klappen, würde „3“ eine bessere Ausstattung bei Frequenzen und damit einen Startvorteil für die LTE-Technologie haben. „Würden wir benachteiligt und das neue iPhone mit LTE kommt – wäre das der GAU für uns.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2012)

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