Moskau. Über letzte Formalitäten wurde Donnerstagabend noch verhandelt. In Grundzügen war der Milliardendeal aber fix: Russlands größter und staatlicher Ölkonzern Rosneft übernimmt die Kontrolle über den landesweit drittgrößten Ölkonzern TNK-BP. Rosneft übernimmt den von BP gehaltenen Hälfteanteil für 21 Mrd. Euro, wobei die Hälfte bis zwei Drittel bar fließt, der Rest mit Rosneft-Aktien abgegolten wird.
Über den Aufkauf der anderen Hälfte, die das russische Oligarchenkonsortium AAR besitzt, verhandelt Rosneft parallel und hat bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet, sagte Vizeregierungschef Arkadi Dworkowitsch.
Übernahmekandidat durch Streit
Damit steigt Rosneft nicht nur zum Weltmarktführer auf und überholt US-Riesen wie Exxon Mobil. Über Rosneft, das von Wladimir Putins engstem Wegbegleiter und Ex-Vizepremier Igor Setschin geleitet wird, holt der russische Staat auch einen weiteren lukrativen Privatkonzern zurück unter die Fittiche des Kremls. Schon vor sieben Jahren hatte Rosneft die Enteignung des damals größten Ölkonzerns Yukos für sich entschieden und galt seither als Primus.
Das hochprofitable Joint Venture TNK-BP hat sich durch seine internen Zerwürfnisse selbst zum Übernahmekandidaten gemacht. Dabei war freilich bis zuletzt auch die Variante im Spiel gewesen, dass AAR die Briten auskauft. Am Ende freilich mussten die Oligarchen der übermächtigen Rosneft weichen, zumal zahlreiche Großbanken sich mit ihren Kreditzusagen auf die Seite von Rosneft geschlagen hatten. Auch Putin favorisierte laut Setschin die Lösung zugunsten von Rosneft.
Analysten zweifeln, dass Rosneft sich die totale Übernahme von TNK-BP auf einmal leisten kann. Die Agentur Fitch warnt, das Rating von Rosneft und TNK-BP im Falle des Deals möglicherweise zu revidieren. Für TNK-BP eröffnet das Zusammengehen mit Rosneft die Möglichkeit, Zutritt zu den reichen Offshore-Vorkommen in der Arktis zu erhalten. Derartige Lizenzen sind in Russland Staatskonzernen vorbehalten, die ihrerseits kein Know-how in der Tiefseeförderung haben. Anfang 2011 wollten BP und Rosneft eine Elefantenallianz eingehen, sie waren am Widerstand von AAR gescheitert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)

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