München/ES/ag. Siemens trennt sich von seinem verlustreichen Solargeschäft. Wegen veränderter Rahmenbedingungen, geringeren Wachstums und stärkeren Preisdrucks hätten sich die Erwartungen von Siemens im Bereich Solarenergie nicht erfüllt, gab die Unternehmensleitung am Montag bekannt. Nun will man das Fotovoltaikgeschäft und den 2009 für 306 Mio. Euro übernommenen israelischen Solarthermie-Spezialisten Soleil abstoßen. Siemens musste rund die Hälfte des Kaufpreises abschreiben, da Soleil mehr Verlust als Umsatz machte.
Schon zuvor waren die 45 Prozent an der italienischen Archimede an den Haupteigentümer Angelatoni Industries zurückverkauft worden. Elektrotechnische Komponenten wie Generatoren und Netzwerktechnik werde es aber weiter von Siemens geben. Von den Verkaufsplänen sind weltweit 680 Mitarbeiter betroffen, davon 200 in Deutschland. Bei Siemens Österreich seien aber keine Stellen gefährdet. An der Börse gab es nach der Ankündigung nur wenig Resonanz. Die Siemens-Aktie rutschte am Montagnachmittag leicht ins Minus.
Weniger Sonnenenergie gefragt
Die Einsparungen im Solargeschäft sind Teil eines zweijährigen Sparprogramms, das Siemens-Vorstandschef Peter Löscher im Juli angekündigt hatte und das alle unprofitablen Geschäftsfelder auf den Prüfstand stellen soll. Mit Zahlen zum Solar-Debakel hält sich Siemens jedoch zurück: Im letzten Geschäftsjahr habe Siemens im Solargeschäft einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ in Euro Umsatz gemacht. Die Verluste wolle man nicht bekannt geben.
„Der globale Markt von Solarthermie ist von vier Gigawatt auf zuletzt etwas über ein Gigawatt zurückgegangen. Hier werden künftig Spezialanbieter ihre Stärken ausspielen können“, sagte Siemens-Vorstand Michael Süß am Montag. Vor allem die Erzeugung von Strom durch Sonnenhitze, wie sie Soleil betreibt, habe verglichen mit der billigeren Fotovoltaik, wo Energie allein durch Licht gewonnen werde, einen schweren Stand.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2012)

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