Athen herabgestuft, die EZB hält still

06.12.2012 | 18:50 |   (Die Presse)

Die Ratingagentur S&P hält den griechischen Schuldenrückkauf für einen „selektiven Default“ und stuft Athen weiter herab. Die EZB macht erstmal gar nichts.

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Wien/Ag./Red. Die Ratingagentur Standard& Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands wegen des laufenden Anleihenrückkaufs weiter herabgestuft. Die US-Ratingagentur wertet das laufende Angebot der Regierung in Athen, Staatsanleihen für zehn Mrd. Euro zurückzukaufen, als teilweisen Zahlungsausfall. Daher sei die Bewertung von „CCC“ auf „SD“ („Selective Default“/teilweiser Zahlungsausfall) gesenkt worden, teilte S&P mit. Sollte der Rückkauf der Anleihen erfolgreich über die Bühne gehen, werde die Bewertung aber wahrscheinlich wieder auf „CCC“ erhöht.

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Die Herabstufung kam nicht überraschend. Weder für die Märkte noch für die Politik: „Damit haben wir gerechnet. Wir setzen unser Programm fort“, sagte ein Mitarbeiter des Finanzministeriums der Nachrichtenagentur DPA am Donnerstag mit Blick auf den Schuldenrückkauf. Athen hatte vergangenen Montag den Haltern verschiedener Staatspapiere mit langen Laufzeiten Angebote von 30,2 bis 40,1 Prozent des ursprünglichen Werts gemacht. Das Offert endet am Freitagnachmittag. Griechenland will dafür maximal zehn Mrd. Euro aus Mitteln des Eurorettungsfonds aufwenden, um so seine Schulden um ein Vielfaches dieser Summe zu verringern. Zuletzt hielten Privatanleger griechische Staatsanleihen im Volumen von etwa 62 Mrd. Euro.

 

UBS unbeeindruckt

Die Herabstufung durch S&P wurde auch von Experten nicht als allzu bedeutend eingestuft. Die Ratingagenturen hätten inzwischen sogar weniger Glaubwürdigkeit an den Märkten als die EU-Finanzminister, scherzte UBS-Chefökonom Paul Donovan in einem Statement. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ließ sich nicht beeindrucken. Sie beließ bei ihrer Zinssitzung am Donnerstag den Leitzins wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent. Die Aussichten hätten sich gar gebessert, so die EZB. EZB-Chef Mario Draghi sagte zwar: „Die wirtschaftliche Schwäche in der Eurozone dürfte bis in das nächste Jahr hineinreichen.“ Aber: „Im späteren Verlauf von 2013 sollte sich die Wirtschaft allmählich erholen, da die globale Nachfrage anziehen dürfte und sich die Auswirkungen unserer konjunkturstützenden Geldpolitik und des verbesserten Vertrauens an den Finanzmärkten auf die Wirtschaft niederschlagen dürften.“ Die vielbeachtete Inflationsrate dürfte laut EZB im Jahr 2013 unter die wichtige Marke von zwei Prozent fallen.

 

Italienische Renditen steigen

Die Banken in der Eurozone können sich auch in Zukunft unbegrenzt mit Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eindecken. Die sogenannte Vollzuteilung bei den Hauptrefinanzierungsgeschäften mit den Banken werde „so lange wie nötig“, mindestens jedoch bis 9. Juli 2013 verlängert, kündigte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt an. Ursprünglich wäre die Rundumversorgung im Jänner 2013 ausgelaufen. Vor Ausbruch der Krise hatte die EZB lediglich so viel Liquidität ins Finanzsystem gepumpt, wie sie für richtig hielt. Dabei hatten die Banken in einem Auktionsverfahren um die Milliarden aus Frankfurt bieten müssen, wobei nicht alle Wünsche auch erfüllt wurden. Der EZB-Leitzins war dabei der Mindestsatz, den die Institute zu zahlen hatten.

Nach Spekulationen über einen Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti stieg indes die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen italienischen Titel auf bis zu 4,629 Prozent. Am Mittwoch hatte sie noch bei 4,463 Prozent gelegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2012)

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2 Kommentare

Das Original des Schuldenrückkaufs ist besser als die Kopie. Darum wird es von der bankentreuen Presse verschwiegen

Der Schuldenrückkauf ist ein Plagiat. Die Troika und die Medien haben ein Problem beim Zitieren, weil das Original, der Bürger-Bailout, besser ist als die Kopie (der Schuldenrückkaufs). Der Bürger-Bailout begünstigt die Bürger und führt zu einer Entschuldung der Staaten. Der Schuldenrückkauf begünstigt wieder nur die Banken und zementiert die Schulden.

Die Kopie - der Schuldenrückkauf:
Die Banken nehmen einen Kredit (1 %) bei der Notenbank/EFSF/ESM und kaufen mit dem Kreditgeld griechische T-Bills (kurzfristige, neu aufgelegte Staatsanleihen) für vermutlich mehr als 3 % Zinsen. Mit dem Erlös kauft der Staat die "alten" Staatsanleihen am Markt zurück.

Damit erhalten die Banken 3 - 0,75 % Zinsen (also 2,25 % Spread) risikofrei und geschenkt von der Notenbank.

Der Staat kauft die Anleihen am Markt zurück und reduziert durch den Anleihekurs (40 %) seine Schulden um 60 % (100-40 %).

Dies ist eine schlechte Kopie des Bürger-Bailouts (BBO):

Beim BBO kaufen die Bürger mit einem Kredit der Staatsbürgerbank die Staatsanleihen und zahlen mit der Rendite (3%) die Zinsen (1%) und der Staat kauft die Anleihen am Markt zurück.

Der Unterschied?
Beim BBO profitieren die Bürger (die Realwirtschaft) von den Zinsen.
Nach einem Bürger-Bailout ist der Staat de-facto schuldenfrei. Nach einem Schuldenrückkauf bleibt der Staat bei den Banken verschuldet!

http://niveus.at/umschuldung

Das Konzept des Bürger-Bailouts stammt aus Österreicher (und ist nicht von der Troika oder von den Banken!

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kauft,

ihr Leute,kauft - so billig gibts Politiker nicht mehr.

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