Swaps: Nasa-Technik an der Wall Street

15.12.2012 | 18:25 |  von Gerhard Hofer und Jakob Zirm (Die Presse)

Viele Finanzmathematiker arbeiteten zuvor für die US-Weltraumbehörde. Statt Risiko-Korrelationen im Weltall zu berechnen, widmen sie sich dem Risikomanagement in den unendlichen Weiten der Finanzmärkte.

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Es war eine Katastrophe und an den Folgen leidet die Welt noch immer. Am 1. Februar 2003 zerbrach die Raumfähre Columbia beim Eintritt in die Erdatmosphäre. Sieben Astronauten starben und die US-Weltraumbehörde Nasa zog daraus Konsequenzen: Sie stoppte die bemannte Raumfahrt, strich Budgets und entließ hunderte Weltraumforscher.

Die besten Ingenieure der Welt standen nicht lange auf der Straße. Sie bekamen rasch neue Jobs. Doch statt Risiko-Korrelationen im Weltall zu berechnen, widmeten sie sich dem Risikomanagement in den unendlichen Weiten der Finanzmärkte. Goldman Sachs, Merrill Lynch und Lehman Brothers bedienten sich der klügsten Mathematiker dieses Planeten. Und viele ihrer Formeln und komplexen Rechenmodelle finden sich mittlerweile in den Verträgen, die biedere Bürgermeister und ahnungslose Stadträte mit Banken abgeschlossen haben, um „Zinsen zu optimieren“, wie sie glaubten.

Auch Neel Kashkari suchte für die Nasa neue Lebensformen, bevor er sich für Goldman Sachs auf die Suche nach neuen Finanzprodukten machte. Der 39-jährige Sohn indischer Einwanderer entwickelte bis 2000 für die Nasa neue Weltraummissionen. Er ging also schon vor dem Columbia-Crash zu einer Investmentbank. Dort fiel der kluge Kopf relativ schnell dem Generaldirektor auf. Dieser hieß Henry Paulson. Als er später unter Georg W. Bush zum Finanzminister avancierte, nahm Paulson seinen Jungstar mit. Neel Kashkari wurde Staatssekretär und sollte plötzlich die Finanzkrise managen.

Die Formel. Die Krise machte eine Formel weltweit bekannt, die zuvor nur eingefleischten Finanzmathematikern ein Begriff war: die sogenannte Black-Scholes-Formel. Mithilfe dieses Berechnungsmodells lässt sich der Marktwert von komplexen Optionen und Derivaten berechnen. Die Formel entscheidet seit 2008 also vielfach über die finanzielle Zukunft von Gemeinden oder Unternehmen.

Black und Scholes veröffentlichten das Modell im Jahr 1973 und legten somit den Grundstein für moderne Finanzderivate (1997 erhielten sie dafür auch den Wirtschaftsnobelpreis). Diese Entwicklung wurde unter anderem vom Finanzmanagement des US-Konzerns IBM dankbar aufgenommen, das im August 1981 den ersten bekannten Cross-Currency-Swap der Welt durchführte. So tauschten die Amerikaner damals Wechselkursrisken zwischen Schweizer Franken und US-Dollar mit der Weltbank.

Obwohl die Black-Scholes-Formel bereits fast 40 Jahre alt ist, gilt sie aufgrund ihrer Komplexität als Blackbox, die auch vielen Studierenden, Praktikern und Lehrenden verschlossen bleibt. Grund dafür sind die auch für Mathematiker anspruchsvollen Querverweise in andere Wissenschaften. So wird etwa mittels „Formelsprache“ auf die Wärmeaustauschgleichung der Physik Bezug genommen.

Daten

1973. Die US-Finanzmathematiker Black und Scholes stellen ihre Formel vor, mit der sich der Wert von komplexen Optionen und Derivaten berechnen lässt.

1981. IBM führt den ersten Swap der Geschichte durch und tauscht Währungsrisken zwischen Franken und Dollar mit der Weltbank.

2003. Die Columbia stürzt ab, die Nasa stellt das Shuttle-Programm ein und setzt hunderte Mathematiker auf die Straße. Viele davon gehen an die Wall Street.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2012)

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12 Kommentare
1 0

Warum geben sich Wissenschaftler, für diese,

Pseudowissenschaft her? Es ist ganz einfach, es ist die Gier nach Geld. Am Ende dieses SPIELES, werden tausende Arbeiter arbeitslos und die Konzernbosse um Millionen reicher.Die Lösung?
Verbot aller dieser spekulatiefen Geschäfte, die auf Kosten der arbeitenden Menschen gehen.

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Warum geben sich Wissenschaftler, für diese,


bei kein eingefleischter finanzspezialist wie herr zirm

aber die black scholes formel dient vor allem zur berechnung von optionen, weniger cross currency swaps. abgesehen davon ist es eine formel, die nicht wirklich simpel ist, aber man kann sie schon verstehen, wenn man das normale lese und schreibniveau hat. aber wie gesagt bin nicht so ein eingefleischter finanzspezialist.

Sie sollten aber schon die ganze Wahrheit schreiben . . .

unter
Myron S. Scholes steht in Wikipedia

Scholes war im Direktorium des Hedgefonds Long-Term Capital Management (LTCM), der im September 1998 aufgrund massiver Fehlspekulationen nach Verlusten von 4,6 Milliarden USD zusammenbrach und eine Krise an den Finanzmärkten verursachte.

Vom Wegzaubern des Risikos in unzähligen Formeln hat sich die Praxis wohl nicht beeindrucken lassen . . .

Das ist genau so wie die Schwerkraft, böse, böse, böse, böse

2005 wurde Scholes wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 40 Millionen USD im Zusammenhang mit ungerechtfertigten Abschreibungen bei LTCM verurteilt.

Sein Kollege Fischer Black kann nicht mehr widerlegt werden weil er 1995 gestorben ist.

Mehr ist der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften nicht wert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Myron_S._Scholes

Re: Sie sollten aber schon die ganze Wahrheit schreiben . . .

LTCM ist wegen Wetten auf konvergierende Anleihen die hoch gehebelt waren pleite gegangen und nicht wegen einer zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alten Optionsformel... Widerlegen können Sie damit wirklich nichts. Auch war Scholes kein Trader...

Re: Re: Sie sollten aber schon die ganze Wahrheit schreiben . . .

@ Krösus

Dann war es vielleicht ein Fehler dass man für eine zu diesem Zeitpunkt bereits 24 Jahre alte Optionsformel den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen hat.

Sowohl durch diese Formel als auch durch den Nobelpreis wurden Menschen geblendet und in weiterer Folge geschädigt.


:-):-)

der dobusch, der brenner, die gabi burgstaller, der swoboda und die schmied, alles raketeningeneure :-)
.. die formel geht übrigens von annahmen aus die nicht stimmen. und weil die leute dazu neigen, lieber falsch und einfach, als gar nicht (es gibt nämlich dummerweise mathematisch gesehen keine korrekte und vollständige lösung :-) zu rechnen, rechnet damit halt ein jeder trotzdem.

ist aber auch wurscht, weil optionshändler wissen das ohnehin, weil sie die differenzen jede minute sehen, und was die anderen glauben, zählt ohnehin elfe :-)

Praxis

So komplex das auch immer sein mag. Und wer braucht das?? Die die sich gerne mit Dinge beschäftigen die sehr leicht entbehrlich sind. Unsere Welt kommt ganz leicht ohne diesen Schwachsinn aus den niemand braucht und nur wenige sich auskennen

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????

a^2V=1...?

Fuer einen Cross Currency Swap...

... brauch ich Black Scholes Merton aber nicht!
Das is einfach Kredit in Waehrung X wird gegen Kredit in Waehrung Y getauscht.

Zwar ein interessanter Thema, aber der Artikel bleibt ohne Conclusio - irgendwie hat man das Gefühl, dass nur ein Teil des Textes hochgeladen wurde.


Die Conclusio lautet: Wenn Du eine naturwissenschaftliche Ausbildung hast wirst Du nie arbeitslos sein

Wenn die besten Noten bei der Matura ein 1er in Religion und ein 3er in Deutsch sind, wird es schon ein bisserl enger.

Der Beweis dafür wird gleich von den Autoren des Artikels selbst geliefert, die in den Details wohl nicht wirklich zu Hause sind.

ZB würde mich interessieren, wie genau eine Formel zur Optionsbewertung bei Berechnungen für Swaps von Cash Flows aus Währungs- und Zinsgeschäften verwendet wird...

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