Steuerflucht: Wegen Kritik gibt Depardieu Pass zurück

16.12.2012 | 18:43 |  Von unserem Korrespondenten RUDOLF BALMER (Die Presse)

Der Schauspieler attackiert in einem offenen Brief Frankreichs Premierminister scharf. Ayrault hat Depardieus Steuerflucht nach Belgien als „ziemlich kleinkariert“ bezeichnet.

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Paris. „Wir haben nicht mehr dieselbe Heimat.“ Das schreibt der „Obelix“-Darsteller Gérard Depardieu (63) in einem offenen Brief an Frankreichs Premierminister Jean-Marc Ayrault. Von diesem will sich der wohl bekannteste französische Kinoleinwandheld nicht belehren oder kritisieren lassen.

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Ayrault hat Depardieus Steuerflucht nach Belgien als „ziemlich kleinkariert“ bezeichnet. Das bringt den Schauspieler derart in Rage, dass er jetzt seinen französischen Pass abgeben will. Vorzuwerfen habe er sich wirklich nichts, denn er habe seit seinem 14. Lebensjahr gearbeitet. Und in diesem Jahr habe er 85 Prozent seiner Einkommen an den Fiskus gezahlt, behauptet er.

Er beschäftige nicht weniger als 80 Personen in Frankreich und habe dem Fiskus im Lauf von 45 Jahren bereits 145 Millionen Euro abgeliefert. Die neue Linksregierung aber sehe darin wohl nicht ein Verdienst, sondern wolle offenbar jene bestrafen, die kreativ sind und Unternehmen gründen.

Was Depardieu aber am meisten kränkt, ist die Art und Weise, wie die Medien und nun auch noch die Regierung über ihn herfallen und ihn an den Pranger stellen wie keinen anderen zuvor. Jetzt reicht es ihm.

Wie andere begüterte Landsleute ist Depardieu im belgischen Dorf Néchin, nur wenige Kilometer jenseits der nordfranzösischen Grenze, samt seinen Millionen mit offenen Armen und mit unverhohlener Schadenfreude aufgenommen worden. Natürlich wissen auch seine neuen belgischen Nachbarn, dass Depardieu nicht der landschaftlichen Reize wegen zu ihnen umzieht.

Haus für 50 Millionen Euro

In Frankreich ist man geteilter Meinung. Depardieu ist mit seinen 170 Filmen längst eine Kultfigur in seiner (bisherigen) Heimat. Zugleich war der für seinen Hedonismus bekannte Filmstar nie ein besonders konformer oder bequemer Mitbürger. Kürzlich wurde ihm wegen Trunkenheit auf seinem Motorrad der Führerschein entzogen. Vor Monaten sorgte er für Aufregung, als er in einem Flugzeug in den Gang urinierte. Wie der Comics-Gallier Obelix reagiert Depardieu aber sehr empfindlich auf Kritik.

In der Rue du Cherche-Midi wird er vielen fehlen. In diesem Quartier im sechsten Pariser Arrondissement machte sich der prominente Nachbar gern nützlich. Als der Fischhändler an der Straßenecke nach einer Erhöhung der Miete schließen wollte, kaufte Depardieu kurzerhand das Geschäft, wie auch zwei Restaurants in derselben Straße, in denen er Stammkunde war. Für dieses Engagement für das heimische Gewerbe bekam er viel Beifall.

Dass er jetzt wegen Geld nach Belgien auswandert, können die Menschen in Frankreich nicht verstehen. Die Fotos vom protzigen Luxus seiner Pariser Prunkvilla, die er jetzt (für 50 Millionen Euro) verkaufen will, haben zudem für irritierte Reaktionen in der Öffentlichkeit gesorgt.

Seit November gilt in Frankreich eine neue Reichensteuer: Wer mehr als eine Million Euro pro Jahr verdient, muss 75 Prozent davon an den Staat abliefern. Die Steuer ist auf zwei Jahre befristet, dennoch verlassen viele vermögenden Franzosen das Land. In der Ortschaft Nechin, in die Depardieu übersiedelte, sind bereits ein Viertel der Einwohner Franzosen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2012)

 
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  • Empörung über Depardieus Steuerflucht

    Gérard Depardieu  / Bild: (c) Ap (Kai Uwe Knoth) Wie viele reiche Franzosen kehrt auch der Schauspieler Gérard Depardieu seiner Heimat den Rücken. Sein Wohnwechsel nach Belgien – offiziell aus privaten Gründen – sorgt in der Politik für Empörung.

166 Kommentare
 
12 3 4
civil liberties
18.12.2012 20:32
0

hoffentlich gibts in belgien genug schnecken - sonst muss der arme verhungern ...


Staunton
18.12.2012 09:14
0

Aber immerhin sieht man auch in diesem Forum gut, wo es mit den "Rechten" hinginge

bzw. wo sie hinwollen!

Raus zu den Steueroasen in Liechtenstein und der Schweiz oder in anderen Ländern.

Der voll steuerzahlende, staatstragende Mittelstand soll alle anfallenden Kosten gefälligst alleine tragen!

Ohne uns, ist das Motto der Steuerhinterzieher und Steuerflüchtlinge!

Staunton
18.12.2012 08:49
1

Noch sitzt Depardieu ja auf einem schönen Vermögen!

Allerdings kommt man ja nicht einmal mit dem Zählen mit, wie viele Macher, Künstler u. dgl. schon Millionen(!) hatten und jetzt mit Nichts dastehen.

Und nun dem Staat bzw. den Steuerzahlern Jahr für Jahr in jeder Hinsicht ganz fest auf der Tasche liegen. Für Unterhalt, Wohnungsgeld, Heizkosten, Krankenversorgung usw.

Wobei ja eigentlich alle Künstler ganz gerne in Österreich oder in anderen Wohlfahrtsstaaten leben, solange sie davon profitieren. Wenn es ihnen aber gut und bestens geht, wollen sie oft plötzlich nicht mehr DENSELBEN STEUERSATZ WIE DER STAATSTRAGENDE MITTELSTAND zahlen und verduften. Typische christliche Solidarität!

Übrigens, falls Stronach Bundeskanzler werden sollte, wird er dann politisch dafür sorgen, dass alle Österreicher als Auslandssteuerzahler nur so wenig Steuern zahlen werden wie er? Sollte man ihn doch fragen. Oder?

Übrigens, Stronach hat auch in Österreich eine kostenlose Ausbildung bekommen. In der verstaatlichten Industrie! Wer weiß, wo er heute ohne diese Ausbildung herumkrebsen würde.

Antworten karrybe
18.12.2012 09:11
0

Re: Noch sitzt Depardieu ja auf einem schönen Vermögen!

für das er ordenlich Steuern gezahlt und den Sozialstaat finanzieren geholfen hat !
Nur so wenig Steuer zahlen wie Stronach ? Wohl keiner der Kommentarschreiber zahlt soviel Steuern in Österreich wie Stronach. Ganz sicher leistet er mehr als er kostet und finanziert mit seinen Abgaben einige hundert Notstandsempfänger-Familien. Ob das auch für die Kommentarschreiber gilt oder ob diese überhaupt so viel Steuern zahlen wie sie Leistungen beanspruchen ?
Auf Leute wie Stronach ist der Sozialstaat angewiesen, andere belasten ihn nur.

Antworten Antworten Staunton
18.12.2012 09:31
1

Sie haben meine Frage nicht beantwortet!

Sollte Stronach als Bundeskanzler dafür sorgen, dass auch der österreichische staatstragende Mittelstand denselben persönlichen(!) Steuersatz wie er selbst bekommt?

Oder haben Sie die Frage nicht verstanden?

Also, ich als voll Steuerpflichtiger würde äußerst gerne den persönlichen Steuersatz von Stronach haben.

Oder wollen Sie diesen niedrigen Steuersatz den anderen voll Steuerpflichtigen einfach nur nicht gönnen? Schaut so aus!

armchair republican
18.12.2012 08:14
2

so naja, jetzt reichts auch wieder

mit diesem unerfreulichen einbruch der realität in die traumwelt der französischen sozialisten. und damit können wir uns wieder den wirklich brennenden fragen der gegenwart zuwenden, wie aktuell die einführung der homoehe in frankreich ;)

radek
17.12.2012 22:08
4

Recht hat er!


Keyman
17.12.2012 21:06
6

ich finde es nett..

wenn Leute die Zeit haben sich über solche Probleme die Finger wund zu tippen. Der Herr Obelix ist ein freier Mensch, in einem freien Europa, er darf also hingehen, wohin er will. Wohin gehen denn unsere Skistars, Autorenner, Tennisballschupfer, uvm., um den Fiskus zu überlisten. Die nicht Flieher, machen es eben innerstaatlich im Verborgenen - schwarz ins Händchen. Nixe politisch links oder rechts, einfach kein Bock auf staatliche Abzocke!u

eggi53
17.12.2012 19:05
5

Steuern!

Dem sozialistischen Staat sind die Steuern immer zu wenig,siehe aktuell Salzburg.

Antworten Staunton
18.12.2012 09:06
1

Bitte verraten Sie uns folgendes!

Woher hätte die Staaten die Milliarden und Abermilliarden bzw. jetzt schon Billionen(!) für Rettungspakete für Großpleitiers und Großversager genommen, wenn dem nicht entsprechend hohe Steuereinnahmen gegenüber stünden?

Wobei Steueinnahmen doch wohl nur für staatliche Leistungen an die Steuerzahler vorgesehen wären. Oder nicht?

Also, wie hätte man die Weltwirtschafts- und Finanzkrise der unsittlich überzahlten Macher ohne hohe Steuereinnahmen abfangen können? Hätte man die Welt den Bach runtergehen lassen sollen?

Auf Ihren Finanzplan bin ich gespannt.

Auch wenn natürlich Einsparungen möglich wären (Leider garantiert mit Steigerung der Arbeitslosenzahlen. Oder wo ist das nicht eingetreten? Bitte mitteilen!), aber die Ausgaben für Großpleitiers und Großversager würden uns trotzdem auf den Kopf fallen.

Und Zocken und Schulden machen ist bitte ein zutiefst kapitalistisches System. Welche Wirtschaft ist nicht auf Schulden aufgebaut?

Ja, es machen sogar Konzerne und Wirtschaften Schulden, obwohl sie das überhaupt nicht machen müßten. Einfach nur aus Steuergründen.

Von diesen Steuerersparnissen kann der Normalbürger bzw. Mittelstand übrigens nur träumen.

gyntbünt
17.12.2012 18:53
2

Mein Gott ist das schön!

Die ganze FPÖ Riege wirft sich nun schützend vor Depardieu, Opfer böser linker Steuerpolitik, jenem Depardieu, der dank des rechtsrechten italienischen Filmregisseurs Bernardo Bertolucci in dessen ebenso rechten Machwerk "1900" berühmt wurde.
Auf einmal zählen Künstler, denn wenn sie satt Kohle machen, dann ist das schon was. Würde mich interessieren, was Depardieu dazu sagen würde? Vielleicht würde er ja dem 3. NR Präsidenten dann auf den Schreibtisch uri.... - und alle fänden das toll. Also ich jedenfalls auch!

Antworten Nichtschweiger
17.12.2012 19:10
2

Woran erkennst du, dass es sich dabei um die FPÖ-Riege handelt?

Ich glaub, du hast vielmehr Probleme mit der politischen Zuordnung der Poster.

Antworten Pfefferstreuer
17.12.2012 19:03
3

Re: Mein Gott ist das schön!

Ihr Deutsch ist einmalig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Zweiter so wenig Ahnung hat wie Sie.

Antworten Antworten karkadeh
18.12.2012 12:59
1

Re: Re: Mein Gott ist das schön!

Da sollten Sie die anderen Kommentare hier lesen. Teilweise ist das wirklich erschreckend.
Trotzdem ein "+" von mir, für Ihren bissigen Kommentar :)

El Barato
17.12.2012 17:35
4

Kleine Gute-Nacht-Lektüre für Hollande und seine Raubritter-Freunde:

http://de.wikipedia.org/wiki/Laffer-Kurve

Ja ja, Herr Laffer ist eben nicht nur die Hauptfigur eines Computer-Adventures.

karkadeh
17.12.2012 17:21
10

75%!

Wahnsinn! 75%! Das ist ja abartig!

Antworten persil 4.0
17.12.2012 17:30
11

Re: 75%!


Mit den Lohnnebenkosten zahlen "Besserverdiener" in Österreich mehr!

Aber nicht befristet auf 2 Jahre...

Bin gespannt, wie lange sich die Österreicher das noch gefallen lassen!


Antworten Antworten Mafiajaeger
17.12.2012 23:20
1

Re: Re: 75%!

Das! Rechnen Sie bitte hier vor!

Danke.

Antworten Antworten Antworten persil 4.0
18.12.2012 08:09
0

Re: Re: Re: 75%!


Über 31% Dienstgeberanteil von allen 14 Monatsgehältern!

Über 18% Dienstnehmeranteil!

Ab 60.000 Jahreseinkommen 50%!

Das dürfte wohl reichen!


Antworten Antworten Antworten persil 4.0
18.12.2012 07:37
0

Re: Re: Re: 75%!

Dienstgeberanteil zur Sozialversicherung (Arbeiter 21,7% und Angestellte 21,83% vom Bruttobezug): dazu zählen die Kranken-, Unfall-, Pensions- und Arbeitslosenversicherung, der IESG-Zuschlag (Zuschlag zum Insolvenz-Entgeltsicherungsgesetz), die Arbeiterkammerumlage und der Wohnbauförderungsbeitrag
Kommunalsteuer (Gemeindeabgabe in Höhe von 3% vom Bruttobezug)
Beitrag zur Mitarbeitervorsorgekasse (1,53% vom Bruttobezug)
Dienstgeberbeitrag zum Familienlastenausgleichsfonds (kurz DB genannt: 4,5% vom Bruttobezug)
Zuschlag zum Dienstgeberbeitrag (kurz DZ genannt: je nach Bundesland zwischen 0,36% und 0,44%)

Dienstnehmeranteil zur Sozialversicherung:
bei laufenden Bezügen = Angestellte: 18,07 %
Arbeiter: 18,20 %
Höchstbeitragsgrundlage = €4.230,-- monatlich

+ Steuer 50% ab 60.000 jährlich!

Antworten Antworten Antworten Antworten karkadeh
18.12.2012 12:58
2

Re: Re: Re: Re: 75%!

Danke schön!

Bin auch gespannt, wie lang das noch geht. Früher wurden Herrscher schon bei 10% (Zehent) enthauptet und heute lassen wir uns so einen Wahnsinn gefallen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten persil 4.0
18.12.2012 20:43
0

Re: Re: Re: Re: Re: 75%!


Es war für mich auch ein Schock!

LG.

gast23
17.12.2012 15:45
13

Recht hat er!

Gibt es da nicht so eine nette Kurve, die den Zusammenhang zwischen Besteuerung und Steuereinnahmen beschreibt? Aber Hollande musste halt seine Wähler bedienen, sonst bleibt er nicht an der Macht.

Chipmunk
17.12.2012 14:27
4

Geistiger Bodensatz

Einer reifen, erwachsenen Person ist bewusst das ideologische Engstirnigkeit dumm ist und blind macht!
Man sieht allerdings das in diesem Forum die sogenannten "Rechten" und "Linken" in ihrer Ideologie so fest gefahren sind das es für sie unmöglich ist ausserhalb ihrer jeweiligen Klischees zu denken.

Irgendwann werdet ihr aufwachen und sehen das ihr einfach nur instrumentalisiert wurdet um diversen Populisten aller Coleur die Macht zu sichern.

Antworten Nichtschweiger
17.12.2012 15:15
4

Hier im Forum sind keine "Rechten" wohl aber einige "Linke"...

...es gibt hier aber jede Menge mit konservativer oder marktwirtschaftlicher Gesinnung. Schreib dir den Unterschied hinter die Ohren!

Antworten Antworten Anubis
17.12.2012 17:17
2

Re: Hier im Forum sind keine "Rechten" wohl aber einige "Linke"...

Sie sind ja das beste Beispiel für einen hochgebildeten Schreiber, der andere Meinungen zulässt, fähig ist zu differenzieren, keine Gemeinplätze und Generalurteile vertritt. Dafür aber stets agrumentativ immer der Sache verpflichtet und nie beleidigend.

Oder etwa nicht?

Ach ja was übrigens, marktwirtschaftlich progressiv, oder doch mit sozial-marktwirtschaftlicher Gesinnung, oder etwa marktliberal, oder dann doch konservativ...Wer weise mit Begrifflichkeiten um sich wirft, sollte auch deren Bedeutung kennen...

 
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