Intercell: Eine Fusion gegen Verluste

17.12.2012 | 17:48 |   (Die Presse)

Der österreichische Impfstoffhersteller Intercell und der französische Zelltechnologiespezialist Vivalis fusionieren unter dem Namen Valneva. Beide Unternehmen kamen nicht aus der Verlustzone.

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Wien/ES. Die Erleichterung und Freude über diesen Deal steht dem Management der beiden Biotechfirmen Intercell und Vivalis am Montag ins Gesicht geschrieben. Die Fusion des österreichischen Impfstoffherstellers Intercell mit dem französischen Zelltechnologie- und Antikörperspezialisten Vivalis kommt für beide zur rechten Zeit. Beide Firmen machten 2011 Verluste: Intercell fuhr bei einem Umsatz von 32,8 Mio. Euro einen Nettoverlust von 29,3 Mio. Euro ein. Vivalis setzte 13,2 Mio. Euro um, der Nettoverlust lag bei 4,4 Mio. Euro. Für 2012 erwartete Intercell einen Verlust zwischen 20 und 24 Mio. Euro.

Unter dem Namen Valneva soll nun ein europaweit führendes Biotechunternehmen im Bereich Impfstoffe und Antikörper entstehen. Die Art der Fusion habe, wie Intercell-Chef Lingelbach und Franck Grimaud, Vorstand und Mitgründer von Vivalis, betonen, Seltenheitswert. Eine „Fusion unter Gleichen“, bei der beide Partner mehr oder weniger gleichberechtigt nebeneinander stehen, sei in Europa, gerade bei übernationalen Fusionen, absolut unüblich.

Die beiden börsenotierten Unternehmen mit Firmensitzen in Wien und Nantes werden in Aufsichtsrat und Vorstand zu gleichen Anteilen (jeweils zwei) vertreten sein. Nach Abschluss der Fusion, der für Mai 2013 anberaumt ist, wird Vivalis 55 Prozent, Intercell 45 Prozent des Unternehmens halten. Intercell-Aktionäre erhalten 13 neue Valneva-Stammaktien und 13 neue Vorzugsaktien für je 40 Intercell-Aktien. Valneva soll vorerst an der Wiener und der Pariser Börse notieren.

Pro-forma-Firmensitz in Lyon

Nach Abschluss der Fusion wird es eine Kapitalerhöhung von 40 Mio. Euro geben. 25 Prozent davon wird vom französischen Staatsfonds für Technologieförderung getragen. Dieser koppelte die Bedingung an die Finanzierung, dass sich der Unternehmenssitz von Valneva in Frankreich befinden müsse. Als Kompromiss zwischen Wien und Nantes habe man sich, so Lingelbach, für Lyon entschieden. Eine „Pro-forma-Lösung“, denn eigentlich würden sich die Aktivitäten des Unternehmens wie gehabt auf Wien und Nantes fokussieren. Der Produktionsstandort von Intercell in Schottland bleibe ebenfalls erhalten.
Von der Fusion erwarten sich Intercell und Vivalis Einsparungen von fünf bis sechs Mio. Euro. Da sich die Geschäftsmodelle ergänzten, müsse nur in wenigen Bereichen rationalisiert werden. Einzig im Forschungsfeld Antikörper gebe es in beiden Unternehmen „konkurrierende“ Plattformen, auch die Verwaltung müsse gestrafft werden. Derzeit hat Intercell 160 Mitarbeiter in Wien und 100 in Schottland. Vivalis beschäftigt in Nantes 100 Mitarbeiter.

Dass europäische Biotechfirmen ihre Kräfte bündeln, ist eine logische Konsequenz der Schwierigkeit, profitabel zu wirtschaften. Im Schnitt erreicht nur eines von zehn Biotechprojekten in der Pharmabranche den Markt.  Intercell war bisher nicht gerade breit aufgestellt. Mit Ixario, einem Impfstoff gegen die Tropenkrankheit Japanische Enzephalitis, hat man nur einen einzigen Impfstoff auf dem Markt.

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Impfstoff erfüllte Erwartungen nicht

Außerdem erfüllt Ixario nicht die hohen Erwartungen. Weniger Leute als erhofft lassen sich vor Asienreisen gegen die Durchfall und Fieber auslösende Tropenkrankheit impfen. Dementsprechend gesunken ist der Marktwert des einstigen Überfliegers Intercell. Das 1997 als Spin-off der Universität Wien gegründete und seit 2005 börsenotierte Unternehmen wurde in seinen besten Zeiten auf eine Mrd. Euro. geschätzt, heute liegt der Marktwert bei 100 Mio. Euro. Da positive Nachrichten auf der Entwicklungsseite ausblieben, wurde die Finanzierung zunehmend schwierig. Im Mai holte sich Intercell zur Liquiditätsstärkung etwa ein Darlehen über 20 Mio. Euro vom Investor BB Biotech, für das dieser 10,9 Prozent Zinsen und zusätzlich zehn Jahre lang fünf Prozent der Ixario-Umsätze verlangte. Die angekündigte Fusion blieb an der Börse nicht ohne Wirkung: Am Montag schoss die Intercell-Aktie um rund 15 Prozent in die Höhe und notierte am Nachmittag bei etwa zwei Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2012)

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1 Kommentare

Merger of Equals

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Intercell alleine wäre nach nur 12 Monaten ohne Eigenkapital dagestanden. Bei Vivalis war es nicht viel besser.

Die Herausforderung für das gemergte Unternehmen wird also die Beschaffung von ausreichend Eigenkapital sein. Da werden sicher schöne Konzepte präsentiert werden, welche Hoffnung auch hohe Gewinn machen. Dann werden diese Gelder wieder verforscht und dann?

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