Letzte US-Buchkette muss zittern

04.01.2013 | 16:46 |   (Die Presse)

Nach der Pleite von „Borders“ kämpft jetzt auch die letzte US-weite Buchhandlung „Barnes and Noble“ mit Verkaufsrückgängen. Was die Alarmglocken läuten lässt, ist die schlechte Entwicklung im Online-Sektor.

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New York/AG./RED. Für viele New-York-Touristen gehört ein Abstecher zum Union Square zu einem Besuch der Stadt, wie ein Blick vom Empire State Building oder ein Abendessen im „Wong“. Dort, auf der Höhe der 17. Straße, steht die größte Buchhandlung der Welt: Ein „Barnes and Noble“ (BN), der auf vier Stockwerken Bücher zu jedem nur erdenklichen Thema anbietet.

Offenbar ist das das große Problem des einzig verbliebenen US-weiten Buchhändlers: Die Menschen schmökern in seinen Geschäften, aber ihre Bücher kaufen sie woanders – beispielsweise online beim Konkurrenten Amazon. BN schockierte jedenfalls diese Woche mit überraschend schlechten Zahlen: Im wichtigen Weihnachtsgeschäft (Zeitraum neun Wochen) ging der Umsatz in den Filialen um 10,9 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar zurück.

Was wirklich die Alarmglocken läuten lässt, ist die Entwicklung im Online-Sektor des Unternehmens. Denn die Rückgänge in den traditionellen Geschäften werden nicht durch Zuwächse im digitalen Bereich ausgeglichen. Im Gegenteil, sie setzen sich hier fort: In den neun Wochen bis zum 29. Dezember machte BN mit seinem E-Reader „Nook“, mit dem „Nook“-Tablet und mit elektronischen Büchern um 12,6 Prozent weniger Umsatz (331 Millionen Dollar) als noch vor einem Jahr.

Aufgerieben zwischen Amazon und Apple

„Sie verkaufen keine Bücher, sie verkaufen keine E-Reader, keine Tablets, und die Besucherzahlen ihrer Webseite gehen ebenfalls zurück“, meint der Berater Mike Shatzkin in der „New York Times“. „Ich suche irgendwelche positiven Zeichen bei Barnes and Noble – aber ich sehe keine.“

Dass sich der digitale Bereich so schlecht entwickelt, kommt für viele überraschend. Der „Nook“ gilt für viele Experten als der beste E-Reader, der derzeit auf dem Markt erhältlich ist. Neue Versionen kommen mit einem eingebauten Licht, das das Lesen auch im Dunkeln im Bett ermöglicht.

„Die Frage ist nicht, ob der Nook gut oder schlecht ist“, sagt der Medien-Analyst James McQuivey von „Forrester Research“. „Es kommt darauf an, in welchem Verkaufssystem die Menschen sind: bei Amazon, Apple oder bei Barnes and Noble.“ Denn davon hänge ab, welchen E-Reader man kauft und bei wem die elektronischen Bücher.

Auf Amazons E-Reader „Kindle“ kann man beispielsweise nur Bücher lesen, die man bei Amazon online einkauft – bzw. die Amazon-E-Bücher kann man nur auf einem Kindle lesen. Apple bietet mit seinem iPad eine Alternative zu E-Readern – und ebenfalls seinen eigenen Online–Buchhandel.

„Barnes and Noble kann dazwischen nicht wirklich Fuß fassen“, meint McQuivey. Wohl auch deswegen, weil der Händler seine Bücher online in einem Format verkauft (epub), das mit allen E-Readern (außer dem Kindle) kompatibel ist.

Borders meldete 2011 Konkurs an

Doch die Hoffnungen in die Zukunft des „Nook“-Systems scheinen groß zu sein. Der britische Verlag „Pearson“, zu dem auch die „Financial Times“ gehört, hat sich – wohl wissend um die schlechten Zahlen – bereits Ende Dezember bei „Barnes and Noble“ eingekauft. Für fünf Prozent am „Nook“-System bezahlte Pearson 89,5 Millionen Dollar. Damit bewertet das Unternehmen den digitalen Bereich von BN mit 1,8 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel, wie die Buchkette am Freitag an der Börse wert war.

Schon im Frühjahr hatte sich das Software-Unternehmen Microsoft mit 300 Millionen Dollar am „Nook“ beteiligt. Das könnte zu besseren Tablets und E-Readern führen, meinen Beobachter. Das „Nook“-System könnte auch in Windows 8 integriert werden.

„Barnes and Noble“ ist der letzte verbliebene US-weite Buchhändler mit 689 Geschäften in allen 50 Bundesstaaten. Der einzige Konkurrent „Borders“ meldete im September 2011 Konkurs an. Die Rechte am Namen „Borders“ kaufte „Barnes and Noble“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

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1 Kommentare

„Barnes and Noble kann dazwischen nicht wirklich Fuß fassen“, meint McQuivey. Wohl auch deswegen, weil der Händler seine Bücher online in einem Format verkauft (epub), das mit allen E-Readern (außer dem Kindle) kompatibel ist.

Logisch.
Wenn die so dumm sind, und kompatible Bücher anbieten, dann ...

Moment, seh ich richtig?

Ja, die Presse hat wieder mal abgeschrieben.
Na dann eh klar.

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