Wien (dom.). Die Wiener Städtische hat im Geschäftsjahr 2007 einen Rekordgewinn von 435 Mio. Euro (vor Steuern) erwirtschaftet. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von etwas mehr als 35 Prozent, sagte Generaldirektor Günter Geyer am Dienstag vor Journalisten. Vor allem das Geschäft in Osteuropa ist im Vorjahr wieder rasant gewachsen. Das Prämienaufkommen des Versicherungskonzerns legte um 17,2 Prozent auf 7,17 Mrd. Euro zu. Davon stammten laut Geyer bereits rund 43 Prozent von den Töchtern aus Zentral- und Osteuropa.
Geyer betonte, dass die Wiener Städtische weder direkt noch indirekt auf dem US-Subprime-Markt engagiert sei und auch keine Aktien der Hypo Real Estate in ihrem Portfolio habe. Die Börsentalfahrt habe keine Auswirkungen auf das Ergebnis. Der Aktienanteil an den gesamten Kapitalanlagen liege nur bei etwa zehn Prozent, ein Teil davon sei abgesichert und die Städtische verfüge über stille Reserven im Ausmaß von rund 1,3 Mrd. Euro.
Dividende steigt kräftig
Die Aktionäre der Versicherung werden vom guten Ergebnis profitieren: Die Dividende für das Geschäftsjahr 2007 soll von 0,82 auf 1,10 Euro angehoben werden. Um noch mehr Kleinanleger anzusprechen, startet die Wiener Städtische, die ab 1. Februar „Vienna Insurance Group“ heißen wird, eine Aktion: Privatkunden können die Aktie, die gestern bei rund 48 Euro gehandelt wurde, bei der Erste Bank und den Sparkassen bis Ende Juni spesenfrei kaufen. Wenn eine andere Bank an die Städtische herantrete, „werden wir sie gleich behandeln“. Die Ankaufspesen für Aktien betragen in der Regel etwa 1,1 Prozent, die Mindestspesen liegen bei 36 Euro. Geyer hofft auf möglichst reges Interesse an der Aktion und daher ausnahmsweise auf „hoffentlich möglichst hohe Kosten“.
Die Aktie der Wiener Städtischen soll ab 5. Februar auch an der Prager Börse gehandelt werden. Das Zweitlisting wurde am Dienstag beantragt. Auch in Prag können die Aktien verbilligt erworben werden, dort muss allerdings ein Spesenbeitrag von rund zehn Cent bezahlt werden, ein spesenfreier Aktienkauf ist nicht erlaubt. Für Prag habe man sich angesichts der Bedeutung der beiden tschechischen Tochtergesellschaften für den Gesamtkonzern entschieden, so Geyer. Insgesamt stammten 2007 rund ein Fünftel der Prämien und Erträge aus Tschechien. In Zukunft könnte es auch Zweitlistings in Bukarest oder Warschau geben.
In den vergangenen Monaten stand die Städtische im Mittelpunkt diverser Übernahmegerüchte. Als Interessent kolportiert wurde vor allem der deutsche Allianz-Konzern. „Wir freuen uns, dass wir begehrt sind, haben aber klar nein gesagt,“ betonte der Chef des Versicherungskonzerns. Derzeit halten die Mitarbeiter rund zwei Prozent am Aktienkapital, der Anteil soll auf rund vier bis fünf Prozent gesteigert werden. Damit werde eine sichere und emotionale Barriere gegen eine mögliche Übernahme eingezogen, auch die rechtliche Barriere soll erhöht werden.
Gagen offengelegt
Geyer nahm auch zu den Managergagen Stellung. Ein Vorstandsmitglied der Städtischen verdient inklusive aller erfolgsabhängigen Zahlungen etwa 700.000 Euro, er selbst rund 45 Prozent mehr.
Die Wiener Städtische steigerte im Vorjahr ihren Gewinn um 35 Prozent auf 435 Mio.Euro. Von den Prämieneinnahmen in Höhe von 7,17 Mrd. Euro stammen 43 Prozent aus Osteuropa. Die Aktie der „Vienna Insurance Group“ notiert bald auch in Prag und kann derzeit spesenfrei gekauft werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2008)

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