London (cjd/ag). Der Preis für Gold hat einen neuen Höchststand erreicht. Am Donnerstag stieg der Preis für eine Feinunze Gold in London auf 950,6 Dollar. Mitte Jänner hatte das Edelmetall erstmals die 900 Dollar Marke überschritten. Bereits damals hatten Analysten über einen baldigen Angriff auf die 1000-Dollar Schallmauer gemutmaßt. „Es gibt eine reale Chance einer Preis-Spitze jenseits der 1000-Dollar. Allerdings bin ich nicht überzeugt, dass sich der Preis dauerhaft auf diesem Niveau halten kann“, sagt Daniel Hynes, Stratege für Edelmetalle bei Merill Lynch.
Den Grund für die jüngste Rallye beim Goldpreis sieht er in der anhaltend hohen Nachfrage nach dem Edelmetall. Eine Nachfrage die im Wesentlichen durch drei Komponenten beeinflusst sei, so der Stratege: „Dem schwachen Dollar, der Angst der Investoren vor Risiko und den anhaltenden Inflationstendenzen.“
Wende durch wieder erstarkten Dollar?
Die Investkredit, Investmentarm der heimischen Volksbank-Gruppe, rechnet bis zum Ende des Jahres mit einer Erholung des Dollars. In Folge würde der Goldpreis wieder leicht zurückgehen, so die Einschätzung der Bank.
Denn insbesonders der schwache Dollar war es in den letzten Jahren, der die Nachfrage nach Gold zusätzlich angeheizt hatte. Der Grund: Sinkt der Dollar, wird das in US-Dollar notierende Edelmetall für Anleger außerhalb der Vereinigten Staaten entsprechend preiswerter. Das Resultat: Die Goldnachfrage steigt. Legt der Dollar wieder zu, kehrt sich diese Entwicklung um.
Der schwache Dollar hat neben Gold auch den Rohölpreis in lichte Höhen getrieben. Der Ölpreis erreichte am Donnerstag zwischenzeitlich einen Spitzenwert von 101,32 Dollar. Fachleute halten die Ölmärkte weltweit freilich für gut versorgt. Ein Einbruch der Nachfrage etwa wegen der schwächeren Weltwirtschaft könnte den Preis rasch fallen lassen, so die Markt-Meinung. Das Frühjahr ist zudem die schwächste Zeit der Öl-Nachfrage: Die Heizperiode geht zu Ende, der Sommer-Reiseverkehr ist noch fern. Allerdings könnte die Opec bei ihrem Treffen Anfang März die Fördermenge drosseln, um den Ölpreis auf hohem Niveau zu stabilisieren.
Der Goldpreis erreichte am Donnerstag einen neuen Rekordwert. Unsicherheit der Investoren und schwacher Dollar treiben die Nachfrage nach dem Edelmetall.
Experten zweifeln jedoch an der Nachhaltigkeit der Rallye. Stabilisiert sich der Dollar, könnte der Goldpreis wieder fallen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2008)

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