ROM (apa/eid). Hunderte Streiks haben die italienische Fluglinie Alitalia zu einer der unverlässlichsten Airlines weltweit werden lassen. Die starre Haltung der Gewerkschaften hat nicht nur jegliche Sanierungsbemühung zunichte gemacht und die Airline an den Rand des Ruins getrieben – die Gewerkschaften müssen sich nun nach dem Scheitern die Kaufverhandlungen mit Air France/ KLM Mittwochnacht den Vorwurf gefallen lassen, für den endgültigen finanziellen Absturz der Fluglinie verantwortlich zu sein.
Denn die Alitalia hat kaum mehr finanzielle Reserven und verbrennt täglich mehr als eine Mio. Euro. Eine Neuauflage der Verhandlungen scheint unwahrscheinlich – auch wenn die noch amtierende Regierung Prodi nach einer Krisensitzung am Donnerstag verlautete, man müsse prüfen, ob der Rückzug der Air France/KLm endgültig sei. Die französisch- niederländische Fluglinie hatte einen Übernahmeplan vorgelegt, der den Abbau von 2100 Beschäftigten beim fliegenden Personal und weitreichende Schnitte beim Bodenpersonal und der Frachtflotte vorsieht. Das lehnten die Gewerkschaften bis zum Schluss ab. Und sie drohten auch prompt mit Massenprotesten, sollte die Alitalia unter Verwaltung eines von der Regierung eingesetzten Kommissars gestellt werden. Darin sieht Finanzminister Tommaso Padoa- Schioppa aber den letzten Ausweg.
Die Alitalia, die sich aus eigener Kraft nicht mehr retten kann, soll den Status des 2003 nach massiven Bilanzfälschungen in den Konkurs gerutschten Milchkonzerns Parmalat erhalten. Damit wäre die hoch verschuldete Fluglinie vor dem Zugriff von Gläubigern geschützt und hätte Zeit gewonnen. Eine Finanzspritze durch den Staat – der ebenfalls Mittwochnacht zurckgetretene Alitalia-Chef Maurizio Prato hatte von 750 Mio. Euro Soforthilfe gesprochen – ist so gut wie unmöglich, weil das nach EU-Recht eine unerlaubte Staatsbeihilfe darstellt. Nicht leichter wird die Sache angesichts der in zehn Tagen bevorstehenden Wahlen.
Oppositionsführer Silvio Berlusconi bekämpft den Verkauf an Air France/KLM und hat sich wiederholt für eine „italienische Lösung“ rund um die Fluglinie Air One stark gemacht. Dass Berlusconi auf einer Linie mit den Gewerkschaften ist, kommt dem Milliardär nur zupass, gilt er doch schon jetzt als Gewinner der Wahl.
Die Alitalia als Spielball der Politik: Der noch amtierende Ministerpräsident Romani Prodi schob die Schuld für das Scheitern der Verkaufsverhandlungen den Gewerkschaften in die Schuhe, Berlusconi wiederum beschuldigte Prodi, dass er überhaupt mit Air France/KLM verhandelt habe, obwohl das Offert inakzeptabel sei. Indes verliert die marode Fluglinie nicht nur laufend Kunden – im vergangenen Monat sind die Buchungen um 40 Prozent zurück gegangen – sondern auch an Wert. Die Aktie, die am Donnerstag wieder einmal vom Handel ausgesetzt war, ist nur mehr 50 Cent wert. Angesichts dieser Probleme klingt die Drohung von Guglielmo Epifani, Chef der stärksten Gewerkschaft CGIL, wie ein Hohn: „Wenn Alitalia unter Zwangsverwaltung kommt, dann fliegt keine Maschine mehr.“ Das dürfte so und so bald der Fall sein.
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