wien (ju/red.). Die kurze Rally der vergangenen Wochen könnte an den internationalen Aktienmärkten schon bald wieder Geschichte sein: Vor allem in den USA mehren sich die Zeichen, dass es bald wieder abwärts gehen könnte.
Bankwerte sind am Donnerstag jedenfalls weltweit schon wieder unter Druck gekommen, nachdem die US-Investmentbank Lehman Brothers der Börsenaufsicht SEC mitgeteilt hatte, dass sie „wegen starker Wertverluste“ drei Investmentfonds schließt und die verbliebenen Vermögenswerte im Volumen von einer Mrd. Dollar in die eigenen Bücher nimmt. Die Aktie der viertgrößten US-Bank ging an den europäischen Börsen darauf gleich in den Sturzflug über. Der Euro erreichte gegenüber dem Dollar mit 1,5912 ein neues Rekordhoch.
Die Lehman-Probleme sind aber nur ein Teil des jetzt sichtbar werdenden erneuten Krisenszenarios. In der Nacht zum Donnerstag wurde auch bekannt, dass die US-Notenbank Fed mit einer neuerlichen Verschlimmerung der Lage rechnet und deshalb an einem „Notfallsplan“ zur Versorgung der Kapitalmärkte mit Liquidität arbeitet. Auch der internationale Investor George Soros meint, dass das Schlimmste an den Märkten noch bevorsteht. Die Situation sei ernster, als die Behörden zugeben oder erkennen, meinte er zur „Financial Times“. Die Leitzinssenkungen in den USA seien „notwendig, aber nicht ausreichend.
Die Leitzinsen sind am Donnerstag in Großbritannien um 0,25 Punkte auf fünf Prozent zurück genommen worden. Die Europäische Zentralbank (EZB) ließ ihren Leitzins dagegen unverändert.
Erste-Bank-Experten optimistisch
Relativ optimistisch sind die Aktienexperten der Erste Bank. Die erklärten am Donnerstag, sie seien für das zweite Quartal zumindest für die europäischen Märkte positiv gestimmt. Weniger optimistisch sei man für die rezessionsbedrohten USA, wo sich die Aktienmärkte erst im zweiten Halbjahr erholen sollten. In den vergangenen Monaten sind die Kurse in Europa freilich deutlich stärker gefallen als jene in den USA.
Relativ unbeschadet dürfte laut Erste-Experten der – derzeit freilich ohnehin extrem gedrückte – japanische Markt davon kommen.
Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden, die Großbank Lehman Brothers kämpft wieder mit Problemen.
Die Zinsen bleiben im Euro-Raum unverändert. Großbritannien hat ein wenig gesenkt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.04.2008)

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