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Russland-Aktien auf dem Prüfstand

12.05.2008 | 18:15 |   (Die Presse)

Russische Aktien sind bei internationalen Anlegern in Ungnade gefallen, die Performance seit Jahresbeginn war die schlechteste seit 1998.

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Wien/London (red./Bloomberg). Aus der im Vorjahr stark gepushten Aktien-Wachstumsregion BRIC (Brasilien, Russland, Indien, China) brechen das „R“ und das „C“ immer stärker weg: Nach den scharfen Kursrückgängen bei chinesischen Werten haben sich Anleger heuer auch aus russischen Aktien stark zurückgezogen. Dies hat dem Moskauer Leitindex RTS seit Jahresbeginn (trotz eines eindrucksvollen Aufholprozesses in den vergangenen Tagen) mit einem Minus von 3,9 Prozent die schlechteste Performance seit 1998 beschert. Gegenüber anderen wirtschaftlich starken Schwellenländern wie Brasilien, Mexiko, Taiwan und Südafrika fällt Moskau damit deutlich ab.

Ursache für die Zurückhaltung der Anleger ist nicht zuletzt die scharf angestiegene Inflation. Experten sehen in der Teuerung die größte Herausforderung für die neue Regierung Medwedjew-Putin.


Staat schöpft Geldsegen selbst ab

Dazu kommt, dass Moskau die Ölexportsteuer seit Jahresbeginn um 45 Prozent erhöht hat. Ab 1. Juni wird sie bei rund 54 Dollar je Barrel liegen. Wer also glaubt, er könne durch den Kauf russischer Ölaktien den Geldsegen dieser Branche mit abschöpfen, macht sich etwas vor.

Dmitrij Medwedjew kündigte am Mittwoch anlässlich seiner Vereidigung als dritter russischer Präsident bereits Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation an. Der Minister für Industrie und Energie, Viktor Christenko, sagte vergangenen Monat, die Regierung werde in den kommenden zwei Monaten einen Plan für eine Steuersenkung in der Ölbranche ausarbeiten, um eine „Stagnation“ der Produktion zu überwinden.

Darauf setzt auch das Société Générale Asset Management und kaufte dieses Jahr Aktien von Lukoil(ISIN US6778621044) und Rosneft(ISIN US67812M2070), da der Vermögensverwalter der Ansicht ist, dass die beiden Unternehmen von Steuersenkungen profitieren werden und überdies günstig bewertet sind. Dabei werde die Steuersenkung eher früher als später erfolgen, sagte Nerea Heras, die für Osteuropa zuständige Vermögensverwalterin bei Société Générale in London.

Goldman Sachs Group Inc. hob diese Woche das Anlageurteil für Lukoil auf „kaufen“ an. Die Investmentbank verwies darauf, dass der Ölpreis in den kommenden zwei Jahren auf zwischen 150 und 200 Dollar steigen könnte.

Rosneft, der größte Ölproduzent Russlands, hat seit seinem Börsengang 2006 eine 41 Prozentpunkte schlechtere Performance geliefert als der MSCI Emerging Markets Energy Index. Das Moskauer Unternehmen wird zum 11,8-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt, verglichen etwa mit einem KGV von 13,3 bei Cnooc(ISIN HK0883013259), dem größten chinesischen Offshore-Ölförderer.

Lukoil, der zweitgrößte russische Ölproduzent, ist mit einem KGV von 7,32 bewertet. Die Aktie hinkte in den vergangenen zwei Jahren 41 Prozentpunkte hinter dem MSCI Emerging Markets Energy Index her. Die ebenfalls in Moskau ansässige Gesellschaft war damit 34 Prozent günstiger als die Werte im MSCI-Teilindex für Öl- und Gasproduzenten in Schwellenländern.

Für RusHydro, den weltweit zweitgrößten Erzeuger von Strom aus Wasserkraft, sieht Credit Suisse ein gewisses Risiko, da die Regierung noch nicht entschieden hat, ob sie eine Erhöhung der Strompreise im Inland zulässt, was wiederum den Inflationsdruck steigern würde. Das Moskauer Unternehmen wird aktuell zum 13,1-Fachen des erwarteten Gewinns gehandelt.

Medwedjew wird nach Ansicht von Beobachtern voraussichtlich die Steuern für andere Rohstoffproduzenten anheben. Dies würde das Ergebnis von Unternehmen wie GMK Norilsk Nickel(ISIN US46626D1081) und Uralkali(ISIN US91688E2063) belasten.

AUF EINEN BLICK

Russische Aktien sind bei internationalen Anlegern in Ungnade gefallen, die Performance seit Jahresbeginn war die schlechteste seit 1998.

Die Ölexportsteuer, die die Regierung eingeführt hat, bremst die Börse beträchtlich, weitere Rohstoffsteuern sind im Gespräch.

Ölaktien aus Russland könnten trotzdem ein gutes Investment sein, weil die Papiere, deren Kurs sich zuletzt weit unterdurchschnittlich entwickelt hat, unterdessen ziemlich niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufweisen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.05.2008)

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