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Coroprate Bonds: Auch in stürmischen Zeiten fast auf Kurs

15.10.2008 | 19:24 |  GERHARD HÖLLER (Die Presse)

In Österreich hat sich ein interessanter Markt entwickelt.

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Für all jene, denen der Aktienmarkt zunehmend als Spielfeld für Zocker erscheint, Staatsanleihen aber zu wenig Rendite abwerfen, können Corporate Bonds eine Alternative sein (siehe dazu auch Seite 4). Gerade in Österreich ist diesbezüglich ein interessanter Markt entstanden. Das Spektrum reicht von der Baubranche über Beteiligungsunternehmen bis ins Glücksspielgeschäft.

Risikolos sind solche Investments allerdings nicht. Bei Anleihen handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen; Im Fall von Liquiditätsschwierigkeiten des Schuldners nehmen die Besitzer solcher Papiere in der Gläubigerkette eine nachrangige Position ein. Auf die Bonität des Emittenten zu achten, hat also oberste Priorität. Bonitätseinstufungen erfolgen hierzulande bei Titeln ab der „zweiten Reihe“ im Regelfall durch lokale Institute wie RZB oder Erste Bank, bei großen Werten kann auch auf Ratings durch internationale Spezialisten wie Moody's oder Fitch zurückgegriffen werden. Dass auch diese nicht unfehlbar sind, haben die letzten eineinhalb Jahre allerdings hinlänglich bewiesen.

 

Bauanleihe bleibt stabil

Börsenotierte Anleihen unterliegen zwar Kursschwankungen, diese fallen aber normalerweise deutlich geringer aus als die von Aktien. Der Wiener Baukonzern Strabag ist ein markantes Beispiel für die Unterschiede in der Dynamik von Aktien und Anleihen. Im Oktober 2007 zu 47 Euro zum zweiten Mal an die Börse gebracht (das Papier notierte bereits Anfang der 90er-Jahre in Wien), legte die Effekte des von Hans-Peter Haselsteiner geführten Unternehmens seitdem eine Talfahrt hin und notierte zuletzt bei rund 20 Euro. Anders die beiden gegenwärtig börslich umgesetzten Anleihen des Konzerns: Die Mitte 2007 – also noch vor dem erneuten Going Public – begebene Anleihe mit Laufzeit bis 2012 notiert fünf Prozent, jene mit Laufzeit von 2008 bis 2013 gerade einmal drei Prozent unter ihrem Nominalwert. Auf Basis einer Nominalverzinsung von immerhin 5,75 Prozent ergibt sich somit eine faktische Rendite von rund 6,50 Prozent. Weil Zahlungsausfälle beim größten Baukonzern des Landes äußerst unwahrscheinlich erscheinen, sind die Papiere entsprechend begehrt – gelegentliche börsliche Liquiditätsengpässe inklusive.

 

Beruhigendes Wachstum

Die Novomatic-Gruppe mit Sitz im niederösterreichischen Gumpoldskirchen ist als einer der drei weltgrößten Hersteller von Glücksspiel-Equipment positioniert. Weltweit betreibt das Unternehmen, das 2007 2,10 Mrd. Euro umgesetzt hat, nach eigenen Angaben zudem mehr als 750 Spielbanken und elektronische Casinos, auch werden über Vermietungsmodelle 85.000 Automaten unterhalten. Hierzulande ist die Gesellschaft einem breiteren Publikum unter anderem durch die Admiral Sportwetten GmbH – mit über 175 Filialen – bekannt. Für Anleger besonders interessant sollte der nicht börsenotierte Teilbereich Novomatic AG sein, hat Selbiger doch im Oktober 2005 eine Anleihe begeben. Diese ist mit einer Laufzeit bis 2012 und einer Nominalverzinsung von 3,75 Prozent ausgestattet, das Volumen des erfolgreich platzierten Papiers liegt bei 150 Mio. Euro. Auf Basis des Emissionspreises von knapp über 100 Prozent können die aktuellen Kurse um 92 Prozent angesichts der Bonität des Begebers wohl nur als günstig bezeichnet werden. Die börslichen Umsätze sind allerdings auch hier überschaubar. Ruhig schlafen können sollten Inhaber des Papiers allemal: Die Umsatzerlöse der AG erhöhten sich im ersten Halbjahr 2008 um 40 Prozent auf 625 Mio. Euro, das EBITDA kletterte um nicht weniger als 78 Prozent auf 244 Mio. Euro. Der Betriebserfolg verzeichnete ein Plus von 86 Prozent, das Ergebnis nach Steuern hat sich auf 128 Mio. Euro fast verdoppelt.

 

Beteiligungsunternehmen

Obwohl nicht selbst börsenotiert, sollte Cross Industries aus Wels Anlegern ein Begriff sein. Schließlich ist der Mittelstandsfinanzierer an kleinen, aber feinen Publikumsgesellschaften wie Beko Holding, UIAG, Pankl Racing Systems oder auch Austria Email maßgeblich beteiligt. Mit insgesamt knapp 3800 Mitarbeitern hat man im Geschäftsjahr 2006/07 einen Umsatz von 744 Mio. Euro erzielt, nach 613 im Vorjahr. Das EBIT erhöhte sich von 38 Mio. auf 47 Mio. Euro, beim Reingewinn schaffte man gar eine Verdopplung von 26 Mio. auf 51 Mio. Euro. 2005 legte Cross Industries zwei Anleihen auf. Diese sind mit 4,25 beziehungsweise 6,875 Prozent pro Jahr verzinslich. Das erstere Papier notiert bei 99 Prozent und hat eine Restlaufzeit von gut vier Jahren, Transaktionen erfolgen in einer Stückelung von 500 Euro. Bei Zweiterem handelt es sich um einen Bond mit unbegrenzter Laufzeit und halbjährlicher Zinszahlung, die Kündigung durch den Emittenten ist erstmals 2016 möglich. Das Kursniveau von gegenwärtig unter 95 Prozent erscheint attraktiv, die hohe Mindeststückelung von 10.000 Euro lässt allerdings auf ein primär für institutionelle Investoren gedachtes Produkt schließen.

Neu am Markt ist ein Bond der Cross Motorsport Systems AG. Die 100-Prozent-Tochter der Industries hat unter anderem mit der Lancierung des Sportwagens KTM X-Bow von sich reden gemacht, ihr Ziel ist laut Konzernchef Stefan Pierer, „organisch und durch strategische Zukäufe zu wachsen“. Die von UniCredit und RZB begleitete Emission des mit 6,375 Prozent verzinsten Papiers ging heuer im Sommer über die Bühne, gegenwärtig wird der Bond faktisch zur Nominale gehandelt.

 

Risiko: Währungsschwankungen

Die Kärntner Bank Hypo Alpe-Adria befindet sich mittlerweile mehrheitlich im Besitz der Bayerischen Landesbank, an den Eckdaten der Anfang 2005 emittierten Forint-Anleihe ändert dies aber nichts. Bei einer Nominalverzinsung von 8,50 Prozent und einer Restlaufzeit von knapp drei Jahren notiert der von Moody's mit Aa2 geratete Bond aktuell bei knapp 97 Prozent – nachdem auch schon Kurse von über 114 Prozent gesehen worden sind. Real rentiert sich das relativ liquide und an den Börsen Frankfurt, Düsseldorf und Berlin gehandelte Papier mit knapp zehn Prozent – was durch Währungsschwankungen allerdings relativ schnell zunichte gemacht werden kann. Wer aber davon ausgeht, dass der ungarische Forint nach der Schwächephase der letzten Monate wieder an Stärke gewinnt, kann ein Investment in die Hypo-Anleihe riskieren. Bleibt zu hoffen, dass eines nie schlagend wird: Der Gerichtsstand hierbei ist die Kanalinsel Jersey...

Eines gilt generell für Corporate Bonds – zumindest für solche, die attraktiv erscheinen: Sie werden von ihren Besitzern oft lange gehalten, nicht selten für die gesamte Laufzeit. Engpässe bei der Verfügbarkeit sind somit immer möglich, nicht nur in Zeiten wie diesen. Als mögliche Anlaufstelle für Interessenten bietet sich – neben der Börse – auch die emissionsbegleitende Bank an.

AUF EINEN BLICK

Corporate Bonds von stabilen Unternehmen verzeichnen weit geringere Kursschwankungen als Aktien. Das zeigt sich gleichfalls in der aktuellen Krise.

Auch einige österreichische Unternehmen haben solche Papiere begeben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2008)

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