Klosterneuburg/Wien (ag./cim). Der börsenotierte Raumausstatter Inku steht an der Kippe. 1,5 Mio. Euro fehlen dem Großhändler von Teppichen, Bodenbelägen und Textilien, um den Betrieb fortzuführen. Ohne diese Summe seien notwendige Investitionen und Restrukturierungsmaßnahmen nicht möglich. Man hätte bereits mit Investoren und der öffentlichen Hand über eine Aufbringung oder Sicherstellung des Finanzbedarfs verhandelt, heißt es von Inku.
Das fehlende Kapital konnte man bis Ende November trotzdem nicht auftreiben. Die schlechteren Bedingungen am Markt, die restriktiven Kreditbedingungen und die drohende Konsumflaute seien die Ursache für den Engpass, heißt es. Nun droht ein gerichtliches Insolvenzverfahren. „Es besteht hohe Bestandsgefährdung“, teilte das Unternehmen gestern ad hoc mit, darauf wurde die Aktie bis auf Weiteres vom Handel ausgesetzt. Zuletzt notierte das Papier bei 1,50 Euro. In den kommenden zwei Tagen werde man entscheiden, ob Inku ohne Insolvenzverfahren noch weitergeführt werden kann, so Inku-Vorstand Thomas Lang.
Schon im Jahresbericht 2007 hieß es, dass nur dann eine „nachhaltig positive Unternehmensführung“ möglich sei, wenn die Maßnahmen zur Reorganisation (Optimierung der Kostenstruktur, strenges Working Capital Management) greifen. Diese Maßnahmen zur Sanierung hätten allein heuer 950.000 Euro kosten sollen. Geplant war, die Rentabilität durch eine Optimierung der Logistikkosten und eine Straffung des Sortiments zu erreichen.
Teppiche aus Spagatresten
Inku leidet schon lange unter rückläufigen Umsätzen. Im Rahmen der Sanierung wurde über die Jahre auch der Mitarbeiterstand reduziert: Vor fünf Jahren waren noch gut 700 Menschen bei dem Konzern beschäftigt, nun sind es 150. 120 davon arbeiten in Klosterneuburg. Im ersten Halbjahr 2008 hat Inku bei einem rückläufigen Umsatz von 14,5 Mio. Euro ein negatives Vorsteuerergebnis (Ebit) von 1,44 Mio. Euro erzielt. 2007 belief sich das Betriebsergebnis der Inku AG auf minus 1,4 Mio. Euro, das Jahresergebnis fiel mit 1,9 Mio. Euro ebenfalls negativ aus. Der Umsatz lag 2007 bei 33 Mio. Euro.
Der Ursprung des Inku-Konzerns geht bis ins Jahr 1890 zurück. 1945 gründete Kurt Smolka dann die Interessensgemeinschaft Kunsthandwerk und Handel. Kurz: Inku. Aus Abfällen von Hanfspagat wurden damals Teppichvorleger oder aus Stoffresten kunstgewerbliche Gegenstände gefertigt. Später entwickelte Smolka das erste europäische Franchise-System und brachte den Kunststofffaserteppich nach Österreich.
Heute werden Waren zur Raumausstattung entwickelt und vermarktet. Das Programm reicht von Teppichen, Laminat- und Parkettböden bis zu Zubehör, von Klebern bis Werkzeug. Möbel- und Vorhangstoffe vertreibt die Tochterfirma Böhm GmbH. Im Großhandel hat der Konzern in seinem Segment einen geschätzten Marktanteil von 35 bis 40 Prozent, damit ist Inku in Österreich mit Abstand Branchenführer.
■Teppich- und Bodenspezialist Inku bräuchte einen Kredit über 1,5 Mio. Euro. Bis Ende November konnte das Geld nicht aufgetrieben werden, nun steht der Konzern vor der Pleite. Die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt. In den nächsten Tagen soll sich entscheiden, ob Inku auch ohne Insolvenzverfahren weitergeführt werden kann.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2008)

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