Wien (ak). Auf die Rechtsabteilung der Bank Austria (BA) kommt einiges zu. Demnächst wird eine Musterklage des Prozessfinanzierers Advofin wegen einer mutmaßlichen Zwangskonvertierung eines Franken-Kredits eintreffen. In einer anderen Sache wurde die Bank bereits in der Vorwoche in erster Instanz verurteilt.
Das Wiener Handelsgericht gab einem niederösterreichischen Unternehmer recht, der bei einem Devisenoptionsgeschäft falsch beraten worden sein und dadurch 260.000 Euro verloren haben soll. Die BA wird gegen dieses Urteil in Berufung gehen.
Auch dabei handelte es sich nur um einen Musterprozess, da es in Niederösterreich zahlreiche weitere Fälle geben soll. Der zentrale Vorwurf bei diesen Spekulationsverlusten konzentriert sich auf einen BA-Mitarbeiter (Name ist der Redaktion bekannt), der als Wertpapierberater in Niederösterreich tätig ist. Er soll seine Kunden nach anfänglichen Verlusten zu immer weiteren und riskanteren Optionsgeschäften überredet haben. Dementsprechend sollen auch die Verluste immer größer geworden sein.
Immer tiefer in die Verluste
Diese Spekulationsgeschäfte wurden speziell im Raum Krems zuhauf abgeschlossen, erfuhr die „Presse“ von involvierten Personen. Gerhard Taufner, Anwalt aus Melk, bereitet bereits für acht Klienten – sowohl Privatpersonen als auch Unternehmer – Klagen gegen die BA vor. Allein dabei gehe es, so Taufner, um eine Schadenssumme von zwei Mio. Euro. „Bei diesen Verträgen, die vor einigen Jahren mit der Bank Austria abgeschlossen worden waren, wurde auf Wechselkurse von Fremdwährungen gewettet. Manche Klienten hatten nach anfänglichen Verlusten einen Ausstieg in Erwägung gezogen. Stattdessen sind ihnen von der Bank immer höhere Prämien mit höherem Risiko eingetrichtert worden“, sagt Taufner zur „Presse“. Bei einem konkreten Fall „hätte ein Unternehmer bei einem Verlust von 9000 Euro abspringen können. Nach einem Gespräch mit dem besagten Berater ist er aber ein noch höheres Risiko eingegangen. Nun steht er aufgrund des jahrelangen Dollar-Verfalls bei einem Verlust von 700.000 Euro“, berichtet Taufner.
„Gewaltige Dimension“
„Der gesamte Schaden wird noch eine gewaltige Dimension erreichen. Viele Kunden trauen sich aus Angst nicht zu, gegen eine große Bank mit einem riesigen Apparat dahinter zu prozessieren. Die gewonnene Musterklage hat aber gezeigt, dass einiges möglich ist“, so Taufner weiter. Allein in einzelnen niederösterreichischen Regionen schloss die BA laut „Wirtschaftsblatt“ bis Ende 2007 Optionsverträge mit einem Volumen von 170 Mio. Euro ab. Die Bank wollte den Betrag und betreffende Regionen nicht kommentieren.
Weitere Klagen gegen BA
Auch der Wiener Anwalt Lukas Aigner, der den eingangs erwähnten Musterprozess gegen die BA führte, reicht 13 weitere Klagen von Unternehmen und Gemeinden gegen die BA ein. Die Gesamtsumme beläuft sich dabei auf 25 Mio. Euro. Die BA hingegen zeigt sich ob der drohenden Klagen gelassen. „Die Bank Austria hat alle Informations- und Aufklärungspflichten erfüllt“, sagt ein Sprecher zur „Presse“. „Wir sind zuversichtlich, dass das Urteil in den nächsten Instanzen zu unseren Gunsten abgeändert wird.“
■Der Bank Austria (BA) droht eine Prozesslawine. Sie verlor einen Musterprozess, da sie einen niederösterreichischen Unternehmer bei einem Devisen-Optionsgeschäft falsch beraten haben soll. Weitere Klagen gegen die BA werden bereits vorbereitet.
■Auf das Institut kommt eine andere Musterklage zu. Der Prozessfinanzierer Advofin beschuldigt die BA, dass sie einen Franken- in einen Euro-Kredit zwangskonvertiert habe.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2009)

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