AWD: VKI mit 6500 Beschwerden für Sammelklage

23.02.2009 | 10:57 |   (DiePresse.com)

Die hochgerechnete Schadenssumme beträgt über 65 Millionen Euro. Die Ansprüche werden gebündelt in Sammelklagen in mehreren Schritten gegen den AWD eingebracht.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Mehr zum Thema:

Insgesamt 6500 AWD-Geschädigte haben sich beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) für die geplante Sammelklage wegen der Vermittlung der im Kurs abgestürzten Immofinanz- und Immoeast-Aktien gemeldet. Damit sind nach Verlängerung der Einreichfrist bis Freitag noch 2000 Beschwerden dazugekommen, teilte der VKI am Montag mit. Die hochgerechnete Schadenssumme betrage damit über 65 Mio. Euro.

Mehr zum Thema:

Die 6500 Anleger werden laut VKI in den nächsten Tagen ein Angebot zur Teilnahme an den Sammelklagen erhalten. Dann müssen sie bis 31. März ihre Schadenersatzansprüche dem VKI-Inkasso-Büro abtreten. Diese Ansprüche werden gebündelt in Sammelklagen in mehreren Schritten gegen den AWD eingebracht, wobei die erste Welle bereits im Mai kommen könnte.

Das Prozesskostenrisiko trägt der deutsche Prozessfinanzierer Foris AG, wodurch sich die Geschädigten ohne Kostenrisiko an der Sammelklagen-Aktion beteiligen können. Dafür sei im Erfolgsfall eine Erfolgsquote an Foris abzuführen, die davon abhängig sei, wie rasch eine Lösung erzielt werden kann.

"Sparbücher schlecht geredet"

"Wenn man die Beschwerden auswertet, bekommt man den Eindruck, dass der AWD weniger die Finanzen seiner Kunden optimiert hat, als einfach Aktien an ein konservatives und sicherheitsbewusstes Publikum zu verhökern", kritisiert Peter Kolba, Leiter der VKI-Rechtsabteilung. Sparbücher oder auch Bausparverträge seien schlechtgeredet und Immo-Aktien gleichzeitig als "So sicher wie ein Sparbuch" angeboten worden. Auf eine Streuung des Vermögens sei in vielen Fällen nicht geachtet worden.

Die AWD-Argumentation, dass entsprechende Risiko-Hinweise im Kleingedruckten der Gesprächsprotokolle zu finden gewesen seien und daher kein Schadenersatzanspruch bestehe, weist der VKI zurück. Die Protokolle seien zwar fast lückenlos unterzeichnet worden, meist aber ungelesen. "Daher werden die Gerichte entscheiden müssen, was schwerer wiegt: Ein ungelesenes Formblatt oder das, was im Beratungsgespräch tatsächlich gesagt oder verschwiegen wurde", betont Kolba.

Der AWD-Konzern ist aus Sicht des VKI durchaus in der Lage, Schadenersatz zu leisten, nachdem er mit den Provisionen aus Aktienverkäufen allein 2007 rund 24 Mio. Euro verdient habe. Bisher werde nur mit Hinhaltetaktik und Allgemeinplätzen auf die Beschwerden geschädigter Anleger reagiert. Der VKI werde jedenfalls verhindern, dass sich der Finanzberater über eine Verjährung der Ansprüche aus der Verantwortung stehlen könne.

AWD will einzelne Prüfung

AWD wehrt sich gegen die geplanten Sammelklagen des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) wegen angeblich falscher Beratung beim Verkauf von Immofinanz- und Immoeast-Aktien. Durch die "Kampagne" habe AWD rund 200 Mitarbeiter verloren. Grundsätzliche Beratungsfehler sieht der Finanzdienstleister weiterhin nicht und pocht nach wie vor auf die Prüfung jedes einzelnen Falls.

(APA)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

  • Beschwerden über den AWD häufen sich

    Bild: (c) APA (BARBARA GINDL) Der VKI organisiert für 6500 mutmaßliche Opfer Sammelklagen. Der Gesamtschaden wird vom VKI auf 65 Mio. Euro geschätzt. Der AWD schließt einen systematischen Beratungsfehler aus.

  • AWD-Sammelklage: VKI vertritt mehr als 5500 Geschädigte

    Bild: (c) APA (Barbara Gindl) Heute, Freitag, ist der letzte Tag, an dem sich geprellte Anleger der geplanten Sammelklage des VKI gegen den AWD anschließen können. Die Frist war um eine Woche verlängert worden.

  • Sozialministerium: AWD soll "Hinhaltetechnik" aufgeben

    Bild: (c) APA (Barbara Gindl) Das SozialMinisterium fordert den Finanzberater AWD auf, "in ernstgemeinte Verhandlungen" über eine Entschädigung von Anlegern einzutreten. Angestrebt wird eine außergerichtliche Lösung.

  • AWD erwartet Mammutprozess

    Bild: (c) EPA (Rainer Jensen) Bis zu 4500 Geschädigte aus der Immofinanz-Affäre gehen vor Gericht. Ihnen sollen Immofinanz-Papiere mit den Worten „sicher wie ein Sparbuch“ verkauft worden sein.

  • Größter Zivilprozess: Sammelklage gegen AWD

    Bild: (c) EPA (Rainer Jensen) Der Verein für Konsumenten-Information bringt eine Sammelklage von bis zu 4.500 Geschädigten gegen den Finanzdienstleister AWD ein. Im Schnitt verlor jeder Kläger 10.000 Euro mit Immofinanz- und Immoeast-Aktien.

  • Mehr

Mehr aus dem Web

7 Kommentare
Gast: gastgast
20.03.2009 16:38
0 0

Warum werden nicht alle, die Immofinanzaktien verkauft haben geklagt!

Kann mir jemand sagen, warum nicht alle, die Immofinanzaktien verkauft haben, verklagt werden? Oder haben die Banken bessere Beziehungen zum VKI??? 18 % der Immofinanzaktien wurden also vom AWD verkauft - und was ist mit den restlichen 82 %????

Mir kommt es jedenfalls so vor, als ob der AWD hingerichtet werden soll, um von den großen Fehlern abzulenken, die zweifellos auch die ehrenwerten Herrschaften von Raiffeisen, Volksbank, BAWAG, Erste Bank und Konsorten ebenfalls gemacht haben.

Und außerdem, was passiert mit den eigentlichen Verursachern des Debakels - den Managern von IMMOFINANZ und IMMOEAST? Davon hört man in den Medien fast gar nichts?


Gast: auch verloren
23.02.2009 20:45
0 0

Immofinanz

leider habe ich von meiner bank immofinanz aktien gekauft (auf empfehlung meines beraters).

ich hatte nicht das glück von awd beraten zu werden.

aber für die zukunft ist es super zu wissen:

wenn man bei aktien gewinne macht ...super
und wenn man verliert, dann einfach an VKI wenden.
gewinner in beiden fällen

schade, dass solche aktionen nicht demokratisch und für alle gleich geführt werden sondern über politik. ironisch"zum glück sind unsere banken die herrscher und können machen was sie wollen--> auch eine VKI ins boot zu nehmen"


Gast: Banker
23.02.2009 17:09
0 0

wie ist das eigentlich mit den Vorstrafen bei AWD-BeraterInnen

dort konnten offenbar auch Leute nach durch Verurteilungen bedingten Karrierebrüchen unterkommen, nicht bloß Kellner und Friseure und Mädls vom escort service

0 0

im grunde ist jeder selbst schuld

beim bürgeranwalt oder wie das heißt am SO in ORF2 war der fall eines pensionisten, der einfach sein ganzes (!!!) erspartes (so etwa 100.000€) in aktien von CA IMMO investiert hat, ich meine wer tut so etwas, wenn er es nicht versteht und das selbe ist bei AWD

ja klar, das sind finanzberater die müssens ja wissen, bla bla bla, ein bisserl den hausverstand bemühen, aber da hat einfach die gier gesiegt, weil wenns so sicher ist wie ein sparbuch und trotzdem eine bessere rendite abwirft, na wie soll das denn gehen, da wär ja das sparbuch auch mit 10% verzinst

die methoden der AWD sind sicher nicht gut zu heißen, aber so richtiges mitleid mit den opfern hab ich auch keines, weil jetzt sind sie alle neidig auf meinen bausparer ;-)

Das Gericht hat zu entscheiden

Was zählt? Ein unterschriebenes Gesprächsprotokoll, dass 1:1 nachgelesen werden kann, oder die Behauptungen von Kunden die sich im Nachhinein nicht daran erinnern können dass diese Dinge auch tatsächlich ausgesprochen wurden?

Es öffnet sich halt die Büchse der Pandorra, wenn man jegliche unterschriebene Erklärung mit der Behauptung man hätte es nicht gelesen rückgängig machen kann - was ja absolut nicht nachprüfbar ist.

Eher relevant ist die Frage wo im Kleingedruckten der Hinweis steht. Wenn es tatsächlich vollkommen versteckt in einer Fußnote auf Seite 42 steht wird man eher argumentieren können das übersehen zu haben, als wenn es groß und deutlich auf der ersten Seite eines zweiseitigen Protokolls steht.

Zenzi bist es Du? Darf über Bankster nicht geredet werden?


Selbst in den Foren wurde das Geschäft als ganz sicher gepriesen, weil hypothekarisch besichert!

Wenn, ich weis es nicht genau, 25% Provision gleich vom Geld einbehalten wurden, war es ein sicheres Geschäft für den Keiler.

Erinnert mich an die Manier von Bankstern, die schon wußten dass Parmalat den Bach runter geht, aber deren Papiere im Tresor mit glückhaften Lächeln an eigene Kunden verscherbelten.

Mit allen Versprechngen versteht sich.


AnmeldenAnmelden