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IWF-Fehler: Risiko in Osteuropa stark übertrieben

07.05.2009 | 18:14 |  Von Josef Urschitz (Die Presse)

Der IWF hat sich erheblich verrechnet und muss seine Osteuropa-Zahlen nun dramatisch korrigieren. Die finanzielle Stabilität der Region ist damit deutlich besser als bisher angenommen.

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Wien. Ein ziemlich peinlicher Fehler ist dem Internationalen Währungsfonds (IWF) passiert: Er muss den Osteuropa-Teil seines im April erschienenen „Global Financial Stability Report 2009“ überarbeiten, weil darin die Verschuldungslage der osteuropäischen Staaten – wie es verschämt heißt – „übertrieben“ dargestellt worden ist. Schuld daran seien „Doppelzählungen und Eingabefehler“ gewesen, heißt es beim IWF. Die entsprechenden Tabellen sind aus der Internetversion des Reports bereits „vorübergehend entfernt“ worden, sie werden korrigiert.


Der Report ist für Österreich sehr unangenehm gewesen: Die heimischen Banken sind in Osteuropa weit überproportional engagiert, sie haben dort Kredite im Volumen von 200 bis 300 Milliarden Euro (je nachdem, ob man die in Auslandsbesitz stehenden Banken Bank Austria und Hypo Alpe-Adria dazuzählt oder nicht) „draußen“. Vor allem im angelsächsischen Raum ist mehrfach kolportiert worden, wegen des hohen Engagements in den schwerst verschuldeten osteuropäischen Ländern drohe Österreich der Staatsbankrott.


Jetzt stellt sich freilich heraus, dass die Überschuldung Osteuropas bei Weitem nicht so dramatisch wie vom IWF dargestellt ist. Und dass der Währungsfonds nicht ein bisschen, sondern katastrophal danebengelegen hat.


Korrekturbedürftig sind vor allem die ermittelten „external debt/reserves ratios“ der Ostländer, die das Verhältnis von Auslandsschulden zu Währungsreserven angeben und eine Art Überschuldungsmaß sind. Der IWF hat die korrigierten Werte noch nicht offiziell bekannt gegeben, nach Angaben der „Financial Times“ sind die Korrekturen aber dramatisch. Für die Tschechische Republik etwa hat der Währungsfonds diese Kennzahl mit 236 Prozent ermittelt. Was bedeutet, dass die Auslandsschulden zweieinhalbmal so groß wie die Währungsreserven wären. Jetzt wird diese Zahl auf 89 Prozent, also auf etwas mehr als ein Drittel des ursprünglichen Werts, herunterkorrigiert. Den Verschuldungsgrad von Estland hat der IWF jetzt von 210 auf 132 Prozent reduziert, jenen der Ukraine von 208 auf 116. Die krisenbedingten Refinanzierungserfordernisse der Ostländer sind also nicht halb so groß wie ursprünglich angenommen.


Beim IWF hieß es, man „bedaure“ die „Konfusion“, die die falschen Zahlen ausgelöst hätten, und arbeite jetzt daran, die internen Kontrollmechanismen zu verbessern. Man habe „die Lektion gelernt“.


Kein Einzelfall


Ausgelöst ist die Korrektur durch Proteste der Finanzminister und Notenbankchefs der betroffenen Länder worden. Die „Financial Times“ zitiert in diesem Zusammenhang den tschechischen Notenbankgouverneur Zdeněk Tůma mit den Worten, er sei „froh, dass der IWF jetzt einen detaillierten Blick auf die Angelegenheit wirft“.
Noch peinlicher für den IWF: Die falschen Osteuropa-Daten im Stabilitätsreport sind kein Einzelfall. Schon zuvor verärgerte der IWF die Briten, als er die Gesamtverluste britischer Banken mit 13,4 Prozent des BIP angab – statt mit den korrekten 9,1 Prozent.


Die Revision der Zahlen bedeutet, dass das Risiko Osteuropa bei Weitem nicht so groß ist, wie es bisher den Anschein hatte. Es ist allerdings noch groß genug: Selbst nach der Korrektur der IWF-Zahlen ist das Verhältnis der Außenschulden zu den Reserven in Osteuropa noch sehr hoch. Jedenfalls höher als in den Emerging Markets Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.


Der IWF hat diese Kennziffer für Osteuropa besonders hervorgehoben, um die Sorge um die finanzielle Stabilität dieser Länder auszudrücken. Durch die Krise kam es zu Kapitalabflüssen, die Währungen gerieten stark unter Druck, Staatsbankrotte standen im Raum. Das hätte nicht nur österreichische, sondern auch deutsche, italienische und schwedische Banken stark getroffen.

("Die Presse" Printausgabe vom 8. Mai 2009)

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54 Kommentare
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Gast: gast
09.05.2009 23:23
0 0

Der Werkstudent ist schuld -)

Ja das kommt davon , wenn sich der Werkstudent, der es wirklich rechnet, bei der Eingabe ins Excel vertippt hat .. Das alle von ihm abgeschrieben haben, und weil es ja der Computer gesagt hat, dass auch geglaubt haben, ist ja nicht seine Schuld -)-)-)-)

Gast: ET
09.05.2009 11:04
0 0

Österreichs Banken haben nicht nur ein Ostrisiko!

Mich wundert es schon lange, dass nur auf das Ostrisiko hingewiesen wird, die laufenden Geschäfte in Österreich aber kaum Beachtung finden.
Nach dem Einbruch beim Geschäftsvolumen der Industrie muss mit einer kommenden Insolvenzwelle gerechnet werden (HTI, Polytec, etc. schwimmen schon) und damit auch mit hohen Ausfallsraten. Zusätzlich werden, durch die stark steigenden Arbeistlosenzahlen, auch viele Privatkredite abgeschrieben werden müssen.

Ich meine, es wäre die Aufgabe des NB Präsidenten, alle Parameter in seine Überlegungen einzubeziehen. Das Gesamtrisiko ist wahrscheinlich nicht viel geringer geworden.

enzo
09.05.2009 09:53
0 0

Ich dachte immer

Ein Chef der NÖBank muß was wissen ,aber wenn er in seinem Geschäft mit "Glauben" durchkommt der Experte von Parteis Gnaden.Eventuell sollte das nächstemal ein Theologe den Posten besetzen.

pasalubong
12.05.2009 19:50
0 0

Re: Ich dachte immer

kanns noch schlimmer werden?
einen versuch wär¿s auf jeden fall wert.

Gast: raubritter
09.05.2009 07:38
0 0

Die Shorties

werden schon für den Rechenfehler dankbar gewesen sein. Der Wert einer Krugman Aussage ist damit auch definiert, aber der "Rest" der hängt ist trotzdem nicht kleiner geworden.

Antworten Gast: tradenstattreden -)-)
09.05.2009 23:17
0 0

Re: Die Shorties

Ja sicher ,, und die Shorties sind dann auch rechtzeitig wieder long gegangen ... einfach weil nur Amateure etwas auf die Meinung von Leuten geben, die selber keinen einzigen Euro im Markt haben, und ihr Geld nur mit Geschreibsel verdienen -)-)-)

hw
09.05.2009 00:20
0 0

Wir haben das nicht glauben können

das sagt auch sehr viel. glauben!
glauben, dieses wort gibts gerade in den theologischen wissenschaften.
in der wirtschaftswissenschaft gibts dafür in der regel einen fezen.

unglaublich was für leute an der spitze sitzen.

hw
09.05.2009 00:15
0 0

richtig!

das risiko ist genau gleich wie vorher.

und aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Gast: freitag
08.05.2009 21:43
0 0

Alles hängt von stabilen Ostwährungen ab

Der IWF hat sich bei der Gegenüberstellung von Schulden zu den Währungsreserven verrechnet.

Bei der Asienkrise sind die Währungsreserven in wenigen Tagen wie Schnee in der Sonne geschmolzen. Diese wurden eingesetzt um den Verfall der eigenen Währung zu stoppen.

Bei der ähnlich gelagerte Osteuropakrise hängt auch alles davon ab, ob der Rückgang der Ostwährungen aufgehalten wird. Sonst erhöhen sich die Schulden in Fremdwährung überproportional und unsere Banken werden zusätzlich erhebliche Kreditausfälle haben.

Gast: amuesiert
08.05.2009 18:53
0 0

Der IWF

wird von Amerikanern gefuehrt. Bei dem Schuldenberg den Herr Obama gerade anhaeuft ist jede Publicity, die die Aufmerksamket auf andere Brennpunkte legt, ausserordentlich wichtig. Es passt auch genau in die Politik die man unter Mithilfe der Nato zur destabilisierung dieser Region betreibt. Das der Herr Schaksvili dabei fliessend Englisch spricht und lange in den USA gelebt hat, macht die Sache auch sprachlich einfacher.
Die Chinesen werden General Motors uebernehmen und die Treasury Zinsen uebersteigen bereits die 3 % Grenze. Wer jetzt noch an den Dollar glaubt ist selber schuld.

Paco
08.05.2009 19:59
0 0

Re: Der IWF

>>Der IWF wird von Amerikanern gefuehrt.<<

Der IWF* wird traditionell von einem Europäer geführt (derzeit vom Franzosen Strauss-Kahn), bei der Weltbank** war es seit der Gründung immer ein US-Amerikaner (derzeit Robert Zoellick).

* http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Währungsfonds
[...] Der IWF wird von einem „geschäftsführenden Direktor“ (Managing Director) geleitet. Gemäß einer informellen Vereinbarung zwischen den USA und einigen westeuropäischen Ländern ist der Direktor des IWF immer ein Europäer, während die einflussreiche Position des ersten stellvertretenden Direktors (First Deputy Managing Director) von einem US-Amerikaner besetzt wird. [...]

** http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbank
[...] Gemäß gängiger Praxis stellen die USA stets den Präsidenten der Weltbank und Europa den Vorsitzenden des Internationalen Währungsfonds. Hier eine Aufstellung der Präsidenten mit Angabe der Amtszeit: [...]

Antworten Antworten Gast: abc
09.05.2009 19:27
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Re: Re: Der IWF

Trotzdem haben die Amerikaner mit rund 17% den größten Einfluss auf den IWF...

Knieriem
08.05.2009 18:17
0 0

Ein bißerl verrechnet!

Und da regen sich bei uns alle auf, daß die österreichischen Schüler im PISA-Test so schlecht abschneiden. Vielleicht sollte man die Beamten des IWF einmal diesem Test unterziehen.

Steininger
08.05.2009 16:35
0 0

Es drängt sich die Vermutung auf,

daß der kleine Irrtum, der ja umgehend dazu benutzt wurde um die Stabilität des € zu unterminieren, nicht ganz unbeabsichtigt war.
Jedenfalls haben sich diverse Klugmänner und Krugmänner ganz schön exponiert mit ihren Aussagen.
Nach dem Motto: wie richte ich als Einzelperson ohne jedes Verantwortungsgefühl den maximalen Schaden an und vergrößere damit mein Ego?

Paige
08.05.2009 19:48
0 0

Da die Werte

oft um mehr als das Doppelte falsch lagen, gehe ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass das Absicht war...

gg17
08.05.2009 18:27
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Re: Es drängt sich die Vermutung auf,

Krugman hat aber nicht schuld wenn sich der IWF verrechnet und er darauf vertraut.
Das so eine aktion vorsätzlich ist will ich mir nicht vorstellen.
Dass sie zu katastrophalen Folgen hätte führen können ist sehr beängstigend.

Gast: kuksi
08.05.2009 15:11
0 0

alle paar tage eine andere meldung

wie kann man nur solche meldung vor der eu-wahl hinaus posauen...
stimmt doch alles nicht, so ein blödsinn. die neuen dazu gekommen oststaaten haben doch bei weiten nicht so hohe defizite. unglaublich.
eu-lügen soweit das reicht.

der graf
08.05.2009 15:05
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Na freilich, es gibt eigentlich gar keine Krise


... alles nur rechenfehler, ein kleiner bug, sonst nichts! leute, jetzt werden wir alle fuer voll bloed verkauft. es wird suggeriert das eigentlich das eh alles voll OK ist... und die meisten werden das auch glauben wenn man nur genug TV schaut und zeitung liest...

hw
09.05.2009 00:22
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Re: Na freilich, es gibt eigentlich gar keine Krise

genau das gefühl habe ich auch.

Gast: mow
08.05.2009 14:42
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Reputation

Wie heisst es doch.:Vertrauen ist Gut Kontrolle ist besser.Dieser Fehler hat uns Reputation in der Welt und eine Stange Geld gekostet.Wer ist nun Verantwortlich ? Wieder keiner?Genuegt wieder eine Rechtfertigung ?

FJP
08.05.2009 14:37
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Qualität wie Ratingagenturen

Hat der IWF arbeitslose Mitarbeiter von Ratingagenturen übernommen? Das ist anzunehmen, denn auch diese Schwachköpfe lesen aus dem Kaffeesud und haben dazu keine Konsequenzen zu befürchten, wenn sie in den Gatsch gegriffen haben.
Nehmt den "Experten" die Tabellenkalkulationsprogramme weg und gebt ihnen einen antiken Abakus zum rechnen, das würde besser dazu passen.
Und für diese Experten müssen alle zahlen?

Gast: Deutscher
08.05.2009 14:19
0 0

Es ist alles eine Frage des Blickwinkels!

Finanzstastiken nur von Griechenland erstellen lassen und alles wird gut!

Gast: samIam
08.05.2009 13:23
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typisch

wiedermal ein Beweis dafür was diese großen Organisationen wie IWF, UN, und ähnliche Witzkreaturen taugen.
Zweifelhafte Experten, Korruption, Machtgeilheit, krankhafte Vetternwirtschaft usw. führen zu solchen Analysen und sonstigen Fehleinschätzungen.
Allein durch Abschaffung solcher Monsterinstitutionen würde man einen kleinen Teil dazu beitragen, wirklich die Armut zu bekämpfen und ein wenig Wohlstandsverbesserung für jene die es dringend notwendig haben zu bringen.

0 0

Hat man die Villen und Häuser als Gegenwert in Mitteleuropa bei der Zählung der ausständigen Kredite vergessen ?Hat man vergessen,dass einer der großen Gläubiger Herr Berlusconi selbst ist,der über seine Bank Austria einige der Kredite besichern könnte, und nicht auf österreichische Unterstützung angewiesen ist ?


Paige
08.05.2009 13:09
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http://direktanlage.ttweb.net/!extern/jcharts/gifs/1162670450R1241780854139.gif

Es geht aufwärts. Jetzt sind wir nur mehr durch irgendwelche Propheten und durch unsere verschwendungssüchtigen Politheinis gefährdet...

Paige
08.05.2009 13:15
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opsa

Der Link geht nicht. Dann der da:
http://diepressecom.ttweb.net/NearRealtimeDetail.asp?http://diepressecomda.ttweb.net/home/securityDetail.asp?reduced=true&referer=diePresse&SymbolName=tts-400019

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