Goldman Sachs und JPMorgan überraschten die Börsianer in den vergangenen Tagen mit ihren Quartalsbilanzen positiv. Beide Banken fuhren Milliardengewinne ein: Goldman erzielte einen Nettogewinn von 3,4 Milliarden US-Dollar, JPMorgan von 2,7 Milliarden. Die "New York Times" spricht bereits von den "zwei Giganten, die sich aus den Trümmern der Wall Street" erheben.
Zwei Krisengewinner
Goldman Sachs und JPMorgan sind momentan die zwei großen Gewinner der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. "Die starken Spieler haben sich positioniert, um Vorteil aus der Krise zu ziehen. Sie werden kurzfristig ganz klar dominieren", ist James Reichbach von Deloitte überzeugt.
Die beiden erfolgreichen Institute profitieren davon, dass im Zuge der Krise die Konkurrenz beträchtlich dezimiert wurde. Langjährige Rivalen vor allem im Bereich des Investmentbankings exisitieren nicht mehr. Große Banken wie Citigroup und Bank of America - die heute ihre Bilanzzahlen bekannt geben - kämpfen immer noch damit, wirtschaftlich zu gesunden.
Profitieren die "Giganten" von CIT-Pleite?
Auch die mögliche Pleite des US-Mittelstandsfinanziers CIT könnte den beiden Giganten der Wall Street neue Chancen eröffnen. "Es könnte für uns durchaus eine Chance sein, wenn CIT keine Kredite mehr vergeben kann", sagt ein JPMorgan-Sprecher.
Vergessen scheint angesichts der Milliardengewinne, dass die beiden Banken ohne Staatshilfe durch die US-Regierung heute in einer anderen Lage wären. So schüttete Goldman Sachs allein von April bis Juni 6,65 Mrd. Dollar an Gehältern und Bonuszahlungen aus, wie "Financial Times Deutschland" unter dem Titel "Banken drehen wieder groß am Geldrad" berichtet. Aufs Jahr hochgerechnet kann somit jeder der 30.000 Mitarbeiter im Schnitt rund 770.000 Dollar einstreichen - so viel wie nie in 140 Jahren Firmengeschichte.
"Niemand ist durch diese Krise"
Experten warnen jedoch davor, dass die beiden erfolgreichen Geldinstitute eine zerbrechliche Dominanz genießen. "Niemand ist durch diese Krise, solange sich die Situation am Arbeitsmarkt nicht wendet", sagt etwa Credit Suisse-Experte Moshe Orenbuch. So musste JPMorgan trotz der guten Zahlen einen starken Niedergang bei seinem Konsumenten-Geschäft hinnehmen. Zudem mussten 30 Milliarden Dollar beiseite gelegt werden, um Vorsorge für kommende Verluste im Kreditkarten- und Hypothekengeschäft zu treffen.
Vorsicht ist auch angesichts der Aufweichung der Bilanzregeln in den USA geboten. Diese räumt den US-Banken mehr Spielraum bei der Bewertung von Ramsch-Papieren ein. "Das könnte Verluste in signifikante Gewinne umwandeln", zitierte das "Handelsblatt" den US-Bilanzexperten Robert Williams.
(phu)
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