SBO: „Beim Aufschwung dabei sein“

Der Ölfeldausrüster hat sich mit Personalabbau, Kurzarbeit und Investitionskürzungen durch die schwere Krise manövriert. Geld für Zukäufe gibt es aber genug.

Wegen des niedrigen Preises hat die Ölindustrie die Investitionen reduziert.
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Wegen des niedrigen Preises hat die Ölindustrie die Investitionen reduziert.
Wegen des niedrigen Preises hat die Ölindustrie die Investitionen reduziert. – (c) APA/AFP/POOL/ANDY BUCHANAN (ANDY BUCHANAN)

Wien. Wenn das Blut durch die Straßen fließe, gelte es zu investieren, soll Baron Rothschild gesagt haben. Dieses Motto beherzigen nicht nur Börsianer, sondern auch Unternehmer. Gerald Grohmann hat es befolgt und im Vorjahr, am Höhepunkt „der härtesten Krise in der Ölfeldindustrie seit 30 Jahren“, die größte Investition in der Unternehmensgeschichte der Schoeller Bleckmann Oilfield (SBO) getätigt. Mit der texanischen Downhole Technology hat der Ölfeldausrüster SBO sein zweites Standbein neben Komponenten für die Bohrung – das Vorbereiten abgeteufter Bohrungen für die Produktion – deutlich gefestigt.

„Wir sind sehr gut aufgestellt und können beim Aufschwung voll dabei sein, denn wir haben unsere liquiden Mittel trotz der Akquisition mit 193 Mio. Euro stabil gehalten“, sagte Grohmann am Freitag. Erste Anzeichen, dass das Geschäft wieder anzieht, gibt es in Nordamerika. Ab dem dritten Quartal habe sich der Umsatz stetig verbessert, auch die Aufträge seien angesprungen. Damit die internationale Ölindustrie wieder mehr Aufträge an Ölfeldausrüster vergebe, sei jedoch ein Ölpreis von rund 60 Dollar pro Fass erforderlich, meinte Grohmann. Wann das so weit sein wird, könne man nicht sagen, zumal die von der Opec und einigen Nicht-Opec-Staaten vereinbarte Drosselung nur bis Juni gelte. Die europäische Nordseesorte Brent notierte Freitag Mittag bei 51,83 Dollar, die amerikanische Ölsorte WTI bei 49,04 Dollar.

 

Keine Dividende

Der „brutalste Abschwung in der jüngeren Geschichte“ hat auch bei der SBO tiefe Spuren hinterlassen. So sackte der Umsatz um 42 Prozent auf 183 Mio. Euro ab. Der schon 2015 angefallene Nettoverlust weitete sich von 19 auf 28 Mio. Euro aus. Für Grohmann und Finanzvorstand Klaus Mader ist es logisch, dass die Dividende entfällt. Schon für 2015 war sie von 1,50 auf 0,50 Euro je Aktie gekürzt worden. Ein Lichtblick: Auch 2016 gab es einen positiven Cashflow.

Die SBO-Aktie, die ab September deutlich zugelegt und zu Jahresende 2016 mit 78 Euro ein 15-Monats-Hoch erreicht hatte, gab am Freitag um 3,6 Prozent nach.

Die Ölgesellschaften haben Investitionen binnen zwei Jahren um 41 Prozent zurückgefahren, die Zahl der Bohranlagen ist nach 40 Prozent 2015 im Vorjahr noch einmal um 29 Prozent gesunken, was weltweit 500.000 Arbeitsplätze kostete. Angesichts dieses Szenarios habe sich SBO gut gehalten, betonte Grohmann. Dazu habe man aber auch an allen Rädern gedreht. Unternehmenseinheiten wurden zusammengelegt, Investitionen drastisch zurückgefahren, und die Belegschaft wurde seit Ende 2014 weltweit um 40 Prozent auf 1034 Mitarbeiter geschrumpft.

Dass am Standort Ternitz nur 30 Prozent der Stellen gestrichen wurden, sei einem Arbeitszeitmodell geschuldet, „über das die Sozialpartner seit Jahren streiten“, konnte sich Grohmann Kritik nicht verkneifen. Im Rahmen dieses Modells, das die Zyklizität der Branche bestmöglich meistern lässt, können Mitarbeiter Stunden, die sie in guten Zeiten angespart haben, in der Krise verzinst nutzen.

Außerdem wurde die Kurzarbeit bis Juli verlängert, eine weitere Verlängerung schließt Grohmann bei Bedarf nicht aus. Während der Kurzarbeit darf es keine Kündigungen geben.

Eine Prognose zum heurigen Jahr war Grohmann nicht zu entlocken. „Ich poliere meine Glaskugel täglich, aber sie gibt es noch nicht her“, sagte er schmunzelnd. 2017 sei aber eindeutig ein Übergangsjahr – in dem aber wieder nach Akquisitionen Ausschau gehalten wird. Ob das im Iran sei? Dorthin habe man zwar gute Kontakte geknüpft, aber die Finanzierung sei noch nicht so gut aufgestellt. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2017)

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