Erdgas: Wie Anleger vom Preisrutsch profitieren können

In den USA kann man Erdgas an der Börse handeln. Für Risikobereite eröffnet das Chancen – selbst wenn der Preisverfall anhält.

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Wien.Auch wenn der geruchlose Energieträger eine wichtige Rolle spielt, sorgt Erdgas medial für weit weniger Aufsehen als das Rohöl. Für Shawn Reynolds, Portfoliomanager für Rohstoffaktien bei der US-Fondsgesellschaft Vaneck, ist die unterschiedliche Wahrnehmung nachvollziehbar: „Für Erdgas gibt es keinen Weltmarkt, an dem Investoren laufend handeln können.“ Diverse Ereignisse haben somit einen weniger unmittelbaren Effekt auf den Preis, dieser steht in der Regel durch langfristige Lieferverträge fest.

Einzig die US-Sorte Henry Hub Natural Gas wird an der New Yorker Börse Nymex – in Millionen BTU (British Thermal Units) – gehandelt. Einen regional sehr eingeschränkten Handel gibt es zudem für das britische Gasnetz an der International Petroleum Exchange. Aufgrund der Börsennotiz reagiert der Preis in den USA weit stärker auf Ereignisse, vor allem 2005 und 2008 gab es starke Preisausschläge nach oben auf rund 14 Dollar. Grund waren vor allem heftige Wetterkapriolen, erklärt Reynolds.

Doch seither hat der Gaspreis zu einem langjährigen Sinkflug angesetzt. Derzeit liegt er bei rund 2,9 Dollar. Der Grund ist die Förderung mittels Fracking aus Schiefergestein. Fortschrittliche Technologien machen die Gasgewinnung zudem immer günstiger. Die Förderung stieg deshalb in den vergangenen Jahren kräftig an, und das drückt auf den Preis.

 

„US-Gaspreis sinkt weiter“

Wenigstens hatte die vorherige US-Regierung ihre Pläne für den Export von Flüssiggas, sogenanntes LNG oder Liquified Natural Gas, ein gutes Stück vorangetrieben, erklärt Rohstoffstratege Nitesh Shah von ETF Securities. Denn weltweit steigt man zunehmend von Kohle- auf Gaskraftwerke um. Allein 2016 legten die Gasexporte um 30 Prozent zu. Der Bau neuer Andockstationen für LNG-Schiffstanker koste allerdings eine Menge Geld, sagt der Energieexperte. Solche Investitionen würden nicht immer so rasch getätigt werden. Aus aktueller Sicht seien die US-Ausfuhren von LNG damit begrenzt.

Auch für die Zukunft bleibt Shah mit seiner Einschätzung vorsichtig: „Dem Exportvorhaben könnte unter der neuen Regierung ein Strich durch die Rechnung gemacht werden, sollten Donald Trumps Pläne, den Außenhandel grundsätzlich einzuschränken, tatsächlich umgesetzt werden.“ Zudem zieht laut Shah die Gasproduktion in den USA wieder kräftig an. Sein Fazit: „Der US-Gaspreis wird weiter sinken.“

Auch daran können jedoch risikobewusste Anleger verdienen, etwa mit Mini-Short- (oder Turbo-Short-) Zertifikaten. Hier profitiert man gehebelt vom Abwärtstrend, wobei der Hebel immer kleiner wird, je mehr der Kurs sinkt. Sollte hingegen der Gaspreis anziehen und die Knock-out-Barriere berühren, wird das Zertifikat wertlos. Was man noch beachten muss: Je größer der Hebel, desto näher ist die Barriere und höher die Gefahr eines Totalverlusts.

Noch etwas gilt es zu beachten: Als Basiswert wird nicht der aktuelle Preis für Erdgas herangezogen, sondern der künftige Preis, der sogenannte Future. Dieser wird in Kontrakten an der US-Börse gehandelt und hat ein regelmäßiges Fälligkeitsdatum. Je nach Markterwartung über die künftige Preisentwicklung kann die Verlängerung der Future-Kontrakte an der Börse teurer oder auch günstiger sein als der aktuelle Kurs. Das kann zu zusätzlichen Gewinnen oder Verlusten führen.

AUF EINEN BLICK

Gasmarkt. In den USA wird Erdgas an der Börse gehandelt. Steigende Fördermengen und begrenzte Exportmöglichkeiten deuten laut Experten auf sinkende Preise hin. Wer Risiko nicht scheut, kann mit Zertifikaten darauf setzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2017)

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